Zehn Jahre Lustspielhaus mit „Jedermann“

Zum Jubiläum des Wiener Lustspielhauses knöpft sich Autor Franzobel „Jedermann“ vor: Ab 18. Juli zeigt ein Ensemble um Adi Hirschal das Stück von Hofmannsthal. Hirschal mimt den Tod, den „Jedermann“ verkörpert Jungspund Ben Marecek.

Geht es nach Adi Hirschal, gehört sein Wiener Lustspielhaus, das heuer seine zehnte Saison feiert, „wie die Nashörner in Afrika geschützt“, da es sich schließlich um ein „tatsächliches, wirkliches Volkstheater handelt, das in Zeiten des postmodernen, dekonstruierenden Theaters nicht das Volk vergessen hat“.

Autor Franzobel transferiert das Stück ins Wienerische

Zum zehnjährigen Jubiläum hat man bereits zum fünften Mal den Autor Franzobel verpflichtet, der sich dem Volkstheater-Gedanken geöffnet hat und für diesen Sommer nach „Romeo und Julia“ (2011) und „Faust“ (2012) erneut einen Klassiker ins Wienerische transferiert hat - mehr dazu in Lustspielhaus: Faust-Verwirrung mit Schmäh (wien.ORF.at; 19.7.2012).

„Jedermann oder Der Tod steht ihm gut“ frei nach Hofmannsthal feiert am 18. Juli im Lustspielhaus Am Hof Premiere. Zwei Tage vorher findet die Hauptprobe statt, deren Erlös traditionell an die ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ geht. Der 21-jährige Ben Marecek - Sohn des Schauspielers Heinz Marecek - gibt den Jedermann, Hirschal selbst versucht sich als abgewrackter Tod.

Sophie Aujesky und Adi Hirschal
www.wienerlustspielhaus.at/ Foto: Lisa Hetzmannseder
Sophie Aujesky und Adi Hirschal in Franzobels Version von „Jedermann“

Mit der Wahl der heurigen Produktion freut sich Hirschal, „ein goldenes Kalb zu schlachten“. Man wolle „die Aufklärung über das Stück stülpen und herausfinden, wo seine Stärken und Schwächen liegen“. Als Schwäche hat Hirschal bereits „jene Aussage ausgemacht, wie sie in Salzburg getroffen wird. Nämlich, dass man sich von der Sünde freikaufen kann.“

Fescher Jungspund als „schillernder Couturier“

Die Entscheidung, einen „bemerkenswert jungen“ Jedermann zu besetzen, sei der Notwendigkeit geschuldet, eine Komödie machen zu wollen. Der fesche Jungspund heißt bei Franzobel denn auch Koloman „Mandi“ Jedermann, der als „schillernder Jung-Couturier“ auftreten wird und ein Modelabel namens „Yedermann“ sein Eigen nennt.

„Normalerweise ist Jedermann ein alter, gestandener, fülliger Mensch, den der Tod in Salzburg meiner Meinung nach zu Recht holt“, so Hirschal. „Wir haben eine jungen, feschen Jedermann, um den es schad’ ist“, schmunzelte er. Als Buhlschaft Isabella Kartoffelkeller steht Sophie Aujesky an seiner Seite, Gabriela Benesch gibt als Alphonsine Stopfschwammerl Jedermanns Mutter. Hirschal selbst will seinen „Tod“ mit dem Namen Abkratius Hindrich von Sens und Moder auf „sehr wackelige Beine“ stellen.

Das Ensemble von "Jedermann" im Lustspielhaus
www.wienerlustspielhaus.at/ Foto: DeSt
Das „Jedermann“-Ensemble von Adi Hirschals Wiener Lustspielhaus

„Lockt Menschen ins Theater, die sonst nie gehen“

Der Autor Franzobel freute sich über die langjährige Zusammenarbeit und hob hervor, dass das Lustspielhaus „Menschen ins Theater lockt, die dort sonst selten oder nie hingehen“.

Veranstaltungshinweis:

„Jedermann oder Der Tod steht im gut“, Wiener Lustspielhaus, Am Hof, 1010 Wien, Premiere am 18. Juli, Aufführungen bis 30. August, Beginn jeweils um 20.00 Uhr

Franzobel war selbst noch nie beim Salzburger „Jedermann“: „Das kann ich mir gar nicht leisten, aber im Fernsehen habe ich ihn schon gesehen“. Die dortige Produktion sei für ihn ein „doch sehr undramatisches Mysterienspiel“, das nur noch als gesellschaftliches Event funktioniere.

An dem Stoff gefällt ihm die Fallhöhe, die auch in der Komödie funktioniere. Was man in der Realität nicht zu fassen bekäme, darüber könne man sich auch mit Lachen retten. „Was mir gefällt, ist der Gedanke, dass die Leute jetzt vielleicht auch nach Wien kommen werden, um den ‚Jedermann‘ zu sehen.“

Mobiles Sommertheater Am Hof

Das Lustspielhaus wird Am Hof aufgebaut, einem geschichtsträchtigen Ort: Auf der Freyung, dem Judenplatz und Am Graben schlugen im frühen 18. Jahrhundert Theater-Wandertruppen, Spaßmacher und Unterhaltungskünstler ihre Buden und Bretterhütten auf.

Wiener Lustspielhaus
www.wienerlustspielhaus.at/ Foto: Katharina Schiffl
Mobiles Theater: Seit 2004 strömten mehr als 130.000 Gäste ins Lustspielhaus

Neben den „Jedermann“-Aufführungen zeigt das Lustspielhaus an spielfreien Tagen auch ein umfangreiches Gastprogramm: Am 27. Juli liefern sich Wortakrobaten beim Poetry Slam ein Gefecht, Otto Schenk erzählt bei einer Jubiläums-Lesung am 24. August das „Allerbeste aus 30 Jahren“ und Intendant Adi Hirschal gibt zusammen mit dem Samtorchester am 31. August eine große Sommerschluss-Gala.

Seit 2004 öffnet Adi Hirschal sein Sommertheater mitten im Herz der Stadt Am Hof. 130.000 Gäste haben seither das inzwischen zur Institution gereifte Wiener Lustspielhaus in mehr als 300 Vorstellungen besucht.

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