Standing Ovations für Leonard Cohen

Sänger, Poet und lebende Legende: Leonard Cohen hat am Samstagabend in der Stadthalle ein rund dreistündiges Konzert gegeben. Dabei bewies der 78-Jährige, dass seine über 45 Jahre alten Lieder nichts an Kraft eingebüßt haben.

Seit Jahren beginnt Cohen seine Konzerte mit dem Lied „Dance Me To The End Of Love“. Doch bevor in der Stadthalle die ersten Takte angespielt waren, hatte ihn das Publikum bereits mit Standing Ovations gewürdigt. Im dunklen Anzug und mit Hut bedankte sich Cohen und versprach, „heute alles zu geben“, wozu er und seine neun Mitmusiker in der Lage sind.

Der kanadische Sänger Leonard Cohen während eines Konzertes am Samstag, 27. Juli 2013 in Wien
APA/Herbert P. Oczeret
Cohen und Band gaben sich spielfreudig

Lieder aus allen Schaffensphasen

Oft vorne übergebeugt und mit geschlossenen Augen, teils auf der Bühne kniend sang sich Cohen durch alle Perioden seines musikalischen Schaffens - von „Suzanne“ bis hin zum aktuellen Stück „Darkness“, in dem er singt: „I got no future - my days are few“.

Der kanadische Sänger Leonard Cohen während eines Konzertes am Samstag, 27. Juli 2013 in Wien
APA/Herbert P. Oczeret

Cohen tänzelte immer wieder auf der Bühne, wippte mit, oder verharrte in einer Pose, um sie einige Momente später gegen eine neue zu tauschen. Die höheren Passagen und Refrains der Lieder überließ der 78-Jährige, ob seiner noch tiefer gewordenen Stimme und um sich zu schonen, teilweise seinen drei Sängerinnen.

„Es springt etwas über, es ist tief berührend“

Als Cohen nach einer Pause „Suzanne“, „Chelsea Hotel“ und „Sisters of Mercy“ sang, wurde es in der Halle ganz still. Obwohl die Lieder bald ein halbes Jahrhundert alt sind, haben sie nichts an Emotion und Kraft eingebüßt. „Es springt etwas über, es ist tief berührend“, fasste es eine Besucherin nach dem Konzert zusammen.

Der kanadische Sänger Leonard Cohen während eines Konzertes am Samstag, 27. Juli 2013 in Wien
APA/Herbert P. Oczeret

Ironisch, kokett und zahlreiche Zugaben

Nach „Halleluja“ hielt es Teile der Besucherinnen und Besucher nicht mehr auf ihren Sitzplätzen und sie strömten vor die Bühne um dem „Ladies’ Man“ nahe zu sein. Als er in „Take this waltz“ von der „Concert hall in Vienna“ sang, antworteten die Besucher mit Applaus.

Im Zugabenteil, der acht Lieder umfasste, kokettierte er ohnehin nur noch mit dem Publikum, auch wenn in manchen Augenblicken die Anstrengung sichtbar wurde, die ein derart langer Konzertabend für den 1934 in Montreal geborenen Sänger mit sich bringt.

Als er den Refrain von „Closing Time“ sang, antworten die Besucher mit „No, No, No!“. Gegen Ende des Konzerts spielte er wie so oft „Tried To Leave You“ - was ihm letztlich gelang, aber nicht ohne ein begeistertes Publikum in Wien zurückzulassen. „And here’s a man still working for your smile“, wie es in dem Lied heißt.

Hubert Kickinger, wien.ORF.at

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