Neue Klimt-Foundation gegründet

Die Klimt-Foundation mit 14 Werken des Künstlers ist Anfang September präsentiert worden. Die Werke stammen aus der Sammlung von Gustav Klimts unehelichem Sohn Gustav Ucicky, der in der NS-Zeit den Propagandafilm „Heimkehr“ gedreht hatte.

Gegründet wurde die gemeinnützige Stiftung „Gustav Klimt - Wien 1900 - Privatstiftung“ (kurz Klimt-Foundation) von Ursula Ucicky, der Witwe des 1961 verstorbenen Filmregisseurs. In der Klimt-Foundation befinden sich vier Ölgemälde, zehn Zeichnungen sowie Autografen und andere Nachlassmaterialien wie Tagebuch und Fotografien von Klimt.

Die vier Gemälde der Stiftung sind „Weiblicher Studienkopf mit rotem Hintergrund“ (entstanden 1897/98), „Bildnis Gertrud Loew“ (1902), „Freundinnen I“ (1907) und „Die Braut“ (1917/18). Die Werke sollen bald der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wurde im September bei der Präsentation der Klimt-Foundation betont. Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern in Österreich laufen.

Drei Gemälde gelten als „unbelastet“

Bis auf das Bildnis „Gertrud Loew“ gelten die Gemälde der Klimt-Foundation als „unbelastet“. Für „Gertrud Loew“ wurden Provenienzrecherchen in Auftrag gegeben.

Ein weiteres Gemälde der Sammlung, „Wasserschlangen II“, wurde laut der Tageszeitung „Der Standard“ im Zuge eines Restitutionsvergleichs mit den Erben nach Jenny Steiner ins Ausland verkauft. Über Sotheby’s in London sollen dafür bei einem Private Sale 120 Millionen Dollar (88,8 Mio. Euro) erzielt worden sein. Die Stiftungsvertreter wollten das nicht bestätigen, dementierten jedoch auch nicht.

Als weiteres Ziel will die Klimt-Foundation Forschungsprojekte zum Thema „Wien 1900“ in Gang setzen. Dazu soll demnächst ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium gebildet werden. „Die in Wien um 1900 entstandene Strömung des Jugendstils soll in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs bis heute aufgezeigt werden“, meinte Peter Weinhäupl, Vorstandsvorsitzender der Klimt-Foundation. Die operative Geschäftsführung übernimmt Sandra Tretter.

Dokumentation der Ucicky-Werke

Neben den Klimt-Werken soll sich die Klimt-Foundation auch mit den Arbeiten von Ucicky befassen. Leben und Werk des Filmregisseurs sollen dokumentiert und wissenschaftlich aufgearbeitet, sein Nachlass betreut werden.

Gustav Ucicky
Deutsches Filminstitut
Gustav Ucicky

Als erste öffentlichkeitswirksame Aktivität bei der Aufarbeitung des Lebens von Ucicky ist für 2014 eine gemeinsam mit dem Filmarchiv Austria vorbereitete Retrospektive als Eröffnung des Filmkulturzentrums im Wiener Metro-Kino geplant. „Uns ist es ein wichtiges Anliegen, die Person Gustav Ucicky aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten“, so Tretter.

Publikumserfolge und Propagandafilme

Ucicky wurde 1899 als unehelicher Sohn eines Klimt-Modells, der Wäscherin Maria Ucicka (1880 bis 1928), und des Malers Klimt in Wien geboren. Für das neue Medium Film begeisterte er sich früh, schon 1916 arbeitete er als Kameraassistent. Dort lernte er mit Michael Kertesz, der sich später Michael Curtiz nannte, den bekanntesten heimischen Filmschaffenden der damaligen Zeit kennen und wurde aufgrund seiner technischen Begabung und visuellen Vorstellungskraft bald zu dessen engstem Mitarbeiter und Kameramann.

Zusammen schufen Ucicky und Kertesz internationale Publikumserfolge wie „Sodom und Gomorrha“ (1922), „Der junge Medardus“ (1923) und „Die Sklavenkönigin“ (1927). Mit der Inszenierung von „Pratermizzi“ und „Cafe Elektric“ (beide 1927) trat Ucicky endgültig ins Rampenlicht und wurde in Deutschland engagiert, wo er für die Münchener Lichtspielkunst und als Vertragsregisseur für die UFA arbeitete.

Ab der Machtergreifung Adolf Hitlers wurde Ucicky immer wieder für NS-Propagandastreifen wie „Flüchtlinge“, „Morgenrot“ (beide 1933) oder „Das Mädchen Johanna“ (1935) engagiert. 1941 drehte er mit „Heimkehr“ eines der übelsten Machwerke des NS-Filmschaffens. Nach dem Krieg spezialisierte sich Ucicky auf Verfilmungen von Melodramen und populären volkstümlichen Romanen.

Andreas Nödl, Sandra Tretter und 
 Peter Weinhäupl bei der Präsentation der Klimt-Foundation
APA/Peter Hautzinger
Rechtsanwalt Andreas Nödl, Stiftungsvorständin Sandra Tretter und Stiftungsvorstand-Vorsitzender Peter Weinhäupl präsentierten die Klimt-Foundation

Debatte um Rückgabe

Laut Klimt-Foundation hat sich Ucicky Zeit seines Lebens bemüht, Werke seines Vaters Klimt zu erwerben. Es sei ihm früh ein Anliegen gewesen, diese Klimt-Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwa durch Schenkungen an die Österreichische Galerie Belvedere sowie nationale und internationale Ausstellungsbeteiligungen.

Der im Jahr 2006 verstorbene Autor Hubertus Czernin nannte Ucicky in dem 1999 erschienenen Buch „Die Fälschung“ eine zentrale Figur beim Raub von Klimt-Bildern in der NS-Zeit. Ucicky habe sich als früher Nazi und Erfolgsregisseur im Dritten Reich eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut, die wesentlich mehr Klimt-Werke umfasste als Ucicky im Zuge der Rückstellungsvergleiche (vier Bilder) zurückgegeben hatte, so Czernin.

„Ich will Ucicky nicht verteidigen, aber man darf nicht vergessen, es war der Sohn, der Werke seines Vaters erwerben wollte“, sagte Weinhäupl dazu. „Was man ihm vorwerfen muss, ist, dass er unkritisch eingekauft hat.“ Die Unabhängigkeit der Forschung sei jedenfalls auch in diesen sensiblen Bereichen vollständig garantiert, versicherten er und Stiftungsanwalt Andreas Nödl.

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