Causa Burgtheater zieht weitere Kreise

Weite Kreise bis auch ins Parlament zieht die Diskussion um die Finanzen des Burgtheaters. Es gibt eine Neubesetzung in der Rolle des Stellvertreters des kaufmännischen Direktors, eine Dringliche Anfrage im Parlament soll folgen.

Robert Beutler wird Stellvertreter des kaufmännischen Geschäftsführers am Burgtheater. Diese Position hatte unter Thomas Drozda die kürzlich entlassene Vizedirektorin Silvia Stantejski inne - mehr dazu in Burgtheater entließ Vizedirektorin. Beutler war acht Jahre lang Geschäftsführer des Landestheaters Niederösterreich. Seine Position dort wird jetzt neu ausgeschrieben. Beutler tritt somit an die Seite von Thomas Königstorfer, der seit September des Vorjahres kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters ist.

Diskussion erreicht das Parlament

Die Diskussion um die Finanzen des Burgtheaters erreichten indes auch das Parlament. Im Ö1-Morgenjournal am Freitag beklagte die Vorsitzende des Kulturausschusses, Beate Meinl-Reisinger (Neos), dass sie keine Ausschussitzung zu dieser Causa durchsetzen könne: „SPÖ und ÖVP blockieren das leider und sind an Aufklärung offensichtlich nicht interessiert.“ - mehr dazu in Ö1 Morgenjournal: Politstreit ums Burgtheater

Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl warf den Regierenden vor, „die Dinge zu verzögern und zu verzetteln, bis sie nicht mehr interessant sind“. FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz kündigte daraufhin eine Initiative an, um mit den Oppositionsparteien in der nächsten Sitzung des Nationalrats eine Dringliche Anfrage einbringen zu können.

Seitens der SPÖ betonte Kultursprecherin Elisabeth Hakel, dass man nur die Berichte der Wirtschaftsprüfer abwarten wolle, bevor man unter anderem Burgtheaterchef Matthias Hartmann vorlade. ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter sagte, es handle sich lediglich um eine Frage der Terminkoordinierung.

„Zwölf Millionen Verlust realistisch“

Im Ö1-Mittagsjournal bestätigte Peter Bartos, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO, dass der in Medien kolportierte Verlust von zwölf Mio. Euro in der laufenden Spielzeit vorstellbar sei: „Wenn man unter Verbindlichkeiten alles einbezieht, ist das durchaus realistisch“.

Anfang Jänner hatte der Chef der Bundestheater-Holding, Georg Springer, rund um die Finanzunklarheiten des Burgtheaters eine Prüfung bis Mitte oder Ende Februar angekündigt. Stantejski hat ihre Entlassung vor dem Arbeitsgericht angefochten - mehr dazu in Burgtheater-Konflikt: Prüfung bis Februar. Der Rechnungshof hatte aufgrund der Entlassung Stantejskis „erhöhte Risikorelevanz“ im Burgtheater festgestellt - mehr dazu in Burgtheater und Holding begrüßen Prüfung.

Rund um die Causa war zuletzt auch noch ein Streit zwischen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann und Ex-Burgtheater-Direktor Nikolaus Bachler ausgebrochen - mehr dazu in Burgtheater: „Duell“ Bachler-Hartmann.

Petition zum Publikumsdienst online

Neues gibt es auch zum Thema Publikumsdienst. Der Kulturrat Österreich startete eine Onlinepetition, in der gefordert wird, den Publikumsdienst, also etwa Billeteure, wieder in Eigenregie der Bundestheater-Holding zu betreiben. Bisher ist dafür der private Sicherheitskonzern G4S verantwortlich. Überdies wird die Bundesregierung aufgefordert, Subventionsnehmer an „faire und rechtskonforme Dienstverhältnisse mit adäquater Bezahlung“ zu binden.

Die Petition unterzeichnet haben bisher unter anderem Elfriede Jelinek, Hubsi Kramar und Nicholas Ofcarek, Robert Schindel und Ursula Strauss. Die Diskussion um den Publikumsdienst hatte im Vorjahr ein Billeteur augelöst, der die Bühne geentert hatte und in einer Ansprache auf die Situation der ausgelagerten Mitarbeiter hingewiesen hatte - mehr dazu in Theater: Grüne für Auflösung der G4S-Verträge.

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