Mahü: Ein Viertel Unentschlossene

Bei einem entsprechendem „Ja“ bei der Bürgerbefragung zur Mariahilfer Straße geht die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou von drei Querungen aus. Ein Viertel der Anrainer sei noch unentschlossen, mutmaßt sie.

„Es geht jetzt nicht darum, Haltungsnoten zu vergeben oder den Grünen oder Maria Vassilakou etwas auszurichten, sondern der Fußgängerzone ein grundsätzliches Ja oder Nein auszusprechen“, so die Ressortchefin in einer Pressekonferenz am Montag.

Fotos: Die Fußgängerzone Mariahilfer Straße

Vassilakou: „Vergessen Sie die Parteipolitik“

Wer den Wiener Grünen etwas mitgeben wolle, der solle dafür lieber die 2015 stattfindenden Gemeinderatswahlen nutzen. „Mein Appell: Vergessen Sie die Parteipolitik!“ Vassilakou betonte zudem erneut die Möglichkeit, sich für Querungen auszusprechen - einer der laut Vassilakou größten Kritikpunkte von Anrainern und Wirtschaft.

TV-Hinweis:

In der ZIB2 um 22.00 Uhr in ORF 2 treffen Vizebürgermeisterin Vassilakou und Wirtschaftskammer-präsidentin Jank aufeinander.

Stimmen die Bewohner von Mariahilf und Neubau für die Verkehrsberuhigung mit Querungen, geht die Verkehrsstadträtin von mindestens zwei Querungen im Bereich zwischen Andreasgasse und Kaiserstraße aus. „Es wird jeweils eine Querung vom 6. in den 7. Bezirk und eine vom 7. in den 6. Bezirk geben“, präzisierte sie. In der Begegnungszone zwischen Kirchengasse und Museumsstraße könne sie sich dagegen zumindest eine Möglichkeit vorstellen, um den Verkehr in Richtung Gumpendorfer Straße abzuleiten.

Grüne besuchten bereits 20.000 Haushalte

„Wir sind guter Dinge, dass wir die Verkehrsberuhigung auch bekommen“, meinte David Ellensohn, Klubobmann der Wiener Grünen. Er freue sich zudem, dass nun mit SPÖ und ÖVP die Mehrheit der politischen Parteien in Wien für die Fußgängerzone sei. Fleißig wollen die Grünen in Sachen Überzeugungsarbeit auch weiterhin sein: Circa 20.000 Haushalte habe man bereits besucht, berichtete der Wiener Landessprecher Georg Prack.

Bei weiteren 10.000 will man in den nächsten Tagen noch anläuten. „Wir waren überrascht von der außergewöhnlich positiven Stimmung. Wir sind von weitaus mehr Kritik ausgegangen“, meinte Prack. Zeit haben die Grünen dafür noch bis 6. März, denn am 7. März müssen alle ausgefüllten Fragebögen bei der Behörde eingelangt sein. Das Ergebnis wird voraussichtlich am 10. März feststehen.

ÖVP-Umfragen sehen Ablehnung der Unternehmer

Drei Unternehmerbefragungen, drei ähnliche Resultate: Nach Umfragen der schwarz geführten Wiener Wirtschaftskammer und dem ÖVP-Wirtschaftsbund ergab nun auch jene der Rathaus-ÖVP eine deutliche Ablehnung der Selbstständigen in Sachen Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße. Anders als noch in der Vorwoche gab die Partei am Montag nun doch eine Stimmempfehlung aus - nämlich gegen die Fuzo-Pläne.

Die Volkspartei hat in der Vorwoche zahlreiche Geschäfte im 6. und 7. Bezirk abgeklappert und Shopinhabern oder Geschäftsführern jenen Fragebogen vorgelegt, der mit jenem der rot-grünen „BürgerInnen-Umfrage“ ident war. Genau 814 Stimmzettel wurden von den Unternehmern vor Ort ausgefüllt bzw. per Post retourniert. Die Auszählung ging heute im Rahmen einer Pressekonferenz über die Bühne.

Das Ergebnis: 67,7 Prozent votierten gegen den Umbau der Mahü in eine Fußgängerzone inklusive Begegnungszonen. 32,3 Prozent sprachen sich für die Verkehrsberuhigung aus. Nicht uninteressantes Detail: Unter den Befürwortern fand sich eine hauchdünne Mehrheit (50,9 Prozent) pro Radfahrerlaubnis in der Fuzo. Zudem plädierten 77,6 Prozent für Auto-Querungen.

Modell neue Mariahilfer Straße
Stadt Wien
Rendering der neuen Mariahilfer Straße

Juraczka empfiehlt keine Stimmabgabe für Mahü Neu

„Das ist für mich kein überraschendes Stimmungsbild“, resümierte Landesparteichef Manfred Juraczka. Insofern wäre es „Selbstmord mit Anlauf“, gegen die Stimmen der Unternehmer an der Mahü herumzudoktern, adressierte er in Richtung Rot-Grün. „Ich kann niemandem guten Gewissens empfehlen, für Antwort A (Verkehrsberuhigung soll beibehalten werden, Anm.) zu stimmen“, so Juraczka.

In der Vorwoche hatte der ÖVP-Chef noch keine Stimmempfehlung abgeben wollen. Wobei er heute betonte, dass eine Fußgängerzone im Kern der Mariahilfer Straße - sofern handwerklich gut gemacht - prinzipiell kein Problem wäre.

Die Wiener Wirtschaftskammer und der ÖVP-Wirtschaftsbund hatten ihre Umfrageergebnisse bereits präsentiert. Bei der WK-Meinungserhebung stimmten 70 Prozent der Unternehmer gegen die Mahü Neu, bei jener des Wirtschaftsbundes waren es 65,64 Prozent.

FPÖ macht gegen Projekt Stimmung

Die FPÖ stellte sich am Montag auf die Straße, um zu informieren und Broschüren zu verteilen. Um den „rot-grünen Prestigepfusch“ zu verhindern, werden die Blauen in den kommenden Tagen zudem eine eigene Broschüre an alle Anrainer des 6. und 7. Bezirks verschicken. „Wir wollen unsere Mahü zurück! Jetzt!“, steht auf den FPÖ-Heftchen, die im Befragungszeitraum - also bis 7. März - auch an Fußgänger auf der Mahü verteilt werden. Kostenpunkt: 15.000 Euro.

Mit Standln wollen die Freiheitlichen zudem in den nächsten drei Wochen Präsenz zeigen - „je nach Wetterlage“, wie Klubchef Johann Gudenus sagte. Außerdem will man mit Geschäftsleuten auf der Shoppingmeile bzw. in den umliegenden Nebenstraßen ins Gespräch kommen.

Wer wo wie wann abstimmen darf

Am Montag startet die Umfrage zur Zukunft der Mariahilfer Straße. 48.642 Anrainer in Mariahilf und Neubau stimmen über die Fußgängerzone oder einen Rückbau in den alten Zustand inklusive Autoverkehr ab - mehr dazu in „Mahü“: Wer wo wie wann abstimmen darf.

Seit 2011 wurde über ein Prestigeobjekt der Wiener Grünen diskutiert: eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße. Von Bürgerdialogen bis hin zu Streikdrohungen reichten die Reaktionen. Die Chronologie zu dem umstrittenen Projekt - mehr dazu in Mariahilfer Straße: Von der Idee zur „Fuzo“.

Die BürgerInnen-Umfrage zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße startet am 17. Februar. Radio-Wien-Hörer können aus diesem Anlass noch einmal mit Stadtregierung, Opposition und Bezirksvorstehern über die Pläne diskutieren - mehr dazu in Neue „Mahü“: Ihre Fragen auf Radio Wien.

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