„Starke Zweite“ nun an Burgtheater-Spitze

Karin Bergmann scheint eine Idealbesetzung für den Job der interimistischen Leitung des Burgtheaters zu sein. Die 60-jährige Theaterexpertin hat mit Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte lang unter drei Direktoren an der Burg gearbeitet.

Bergmann hatte das Haus 2008 eigenverantwortlich gemanagt, als Klaus Bachler bereits an der Bayerischen Staatsoper in München tätig war. Den Weg ans Theater suchte Bergmann, die 1953 als Kind einer Bergarbeiterfamilie in Recklinghausen im Ruhrgebiet geboren wurde, schon früh. Bereits mit 13 Jahren ging sie regelmäßig ins Theater, sprach mit 15 mutig bei den Ruhrfestspielen vor. Dort legte man ihr erst den Schulabschluss nahe, den sie schließlich im zweiten Bildungsweg nachholte.

Karin Bergmann Burgtheater
APA/ROLAND SCHLAGER

Bachler holte Bergmann wieder zur Burg

Am Bochumer Schauspielhaus verpasste sie als leidenschaftliche Theaterbesucherin unter Peter Zadek keine Inszenierung. Ebendort sollte sich ihr Traum, ans Theater zu gehen, 1979 mit einem Job als Direktionsassistentin von Claus Peymann erfüllen.

Nach vier Jahren in Bochum und weiteren vier Jahren Pressearbeit im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg bei den Intendanten Niels-Peter Rudolph und Zadek folgte Bergmann dem neuen Burgtheater-Direktor Peymann schließlich 1986 als dessen Pressesprecherin nach Wien. Skandale wie das legendäre Interview Andre Müllers mit Peymann, die berüchtigte Uraufführung von Thomas Bernhards „Heldenplatz“ und den bitteren Ensemblestreit erlebte sie hautnah mit und wehrte sie vom Pressebüro aus ab.

Der Wunsch nach Neuorientierung führte sie 1993 auf Ruf von Vereinigte-Bühnen-Wien-Intendant Rudi Klausnitzer als Pressesprecherin und Direktionsmitglied in die Musical-Welt, ehe sie ab 1996 die gleichen Funktionen an der Volksoper bekleidete. Der Zufall sollte sie bald wieder an die Burg führen: Ausgerechnet Klaus Bachler, der sie an die Volksoper geholt hatte, sollte 1999 neuer Burgtheater-Direktor werden - und Bergmann mit ihm gehen.

Keine Unstimmigkeiten mit Hartmann

Zehn Jahre lang war sie als seine Stellvertreterin tätig, rief u. a. die Regieassistenten-Schiene „Spieltriebe“ ins Leben und führte den Betrieb in der Saison 2008/2009, als Bachler bereits ein Jahr vor Vertragsende an die Bayerische Staatsoper in München ging, eigenverantwortlich, ohne den Posten offiziell zu bekleiden. Im November 2009 sorgte sie für Aufsehen, als sie Studierenden im Rahmen der Studentenproteste erlaubte, eine Vorstellung zu unterbrechen, um ihre Forderungen zu verlesen.

Mit jenem Direktorenduo, das für die derzeitig brodelnde Burgtheater-Krise verantwortlich gemacht wird, hatte Bergmann in ihren letzten Jahren an der Burg noch zu tun: Silvia Stantejsky wurde 2008 zur kaufmännischen Geschäftsführerin bestellt, Matthias Hartmann trat die Bachler-Nachfolge 2009 an. Nach nur einer Saison als dessen Stellvertreterin verabschiedete sich Bergmann im Sommer 2010 in die Pension, an Umstimmigkeiten mit Hartmann sei das aber nicht gelegen, betonte sie stets.

Karin Bergmann Burgtheater
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Bergmann bei ihrer Vorstellung als interimistische Burgtheater-Chefin

„Ich war immer ein starker Zweiter“

Bergmann habe das Haus damals gut übergeben wollen, deutete im „Falter“-Abschiedsinterview aber auch an, sich keinem weiteren Direktor beugen zu wollen. „Damals habe ich vielleicht schon zu selbstständig gearbeitet, als dass ich mir jetzt auf Dauer vorstellen könnte, mich noch einmal ganz neu anzupassen“, so Bergmann, die seit 27 Jahren mit dem Architekten Luigi Blau liiert und seit sechs Jahren mit ihm verheiratet ist.

Den Traum, einmal selbst an der Spitze eines Theaters zu stehen, hatte sie sich damals bereits auf dem Kopf geschlagen. „Ich war immer so ein starker Zweiter.“ Zuletzt organisierte sie im vergangenen Herbst anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums den Burgtheater-Jubiläumskongress und freute sich, dafür alle fünf Direktoren der vergangenen 42 Jahre von Gerhard Klingenberg bis Hartmann versammelt zu haben.

Tosender Applaus vom Ensemble

2014 steht sie nun selbst in der ersten Reihe: Nach der fristlosen Entlassung von Hartmann holte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) die 60-Jährige als interimistische Direktorin mit einem Vertrag bis 30. August 2016 ans Burgtheater und macht sie damit (zumindest vorübergehend) zur ersten Frau an der Spitze des Hauses - mehr dazu in Bergmann interimistische Burgtheater-Chefin.

Mit dem langjährigen Peymann-Vertrauten Hermann Beil, der ihr als „ehrenamtlicher Berater“ zur Seite steht, arbeitete sie bereits in Bochum und Wien. Bergmann erfülle alle Kriterien, verfüge über organisatorische Fähigkeiten und müsse nun die „gewisse Kluft, die es im Ensemble gibt, kitten“, sagte Ostermayer. Die Voraussetzungen sind gut: Als der Minister mit Bergmann vor das Ensemble trat, habe es tosenden Applaus gegeben.

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