Heftige Diskussion um Heumarkt-Projekt

Auf Einladung von „Wien heute“ und „Kurier“ haben sich die Betreiber des Projekts zur Neugestaltung des Heumarkts einer Diskussion gestellt. Kritiker bemängelten etwa das geplante Hochhaus und sorgten sich um das Weltkulturerbe.

Als Sieger aus dem Architektenwettbewerb für das Heumarkt-Areal ging das Projekt des Brasilianers Isay Weinfeld hervor. Das Konzept sieht neben einem 73 Meter hohen Neubau an der Rückseite des Hotels Intercontinental ein viergeschoßiges Haus auf der Heumarkt-Seite, eine Indoor-Eis-Trainingshalle sowie einen Turnsaal für umliegende Schulen vor - mehr dazu in Eislaufverein: Hochhaus geplant (wien.ORF.at; 27.2.2014).

Hochhaus
WertInvest
Das Siegerprojekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld

Diskussion um Weltkulturerbe

Bei der Diskussion von „Wien heute“ und „Kurier“ sahen sich Daniela Enzi, Geschäftsführerin von Projektbetreiber Wertinvest, und Projektkoordinator Klaus Wolfinger am Montag einigen Kritikpunkten ausgesetzt. „Ich habe selten ein Bauprojekt gesehen, dass in solcher Einhelligkeit von den Fachleuten wie von der Bevölkerung abgelehnt wird“, meinte ein Teilnehmer, „es wird nicht gelingen, diese Immobilienspekulation als Ort der Begegnung zu verkaufen“. Er befürchtete auch, dass die UNESCO den Weltkulturerbe-Status für die Innere Stadt aberkennen werde.

Den Vorwurf der Immobilienspekulation wies Daniela Enzi zurück: „Man hätte auch eine massive Verbauung des Areals machen können, damit wären aber wir und die Stadt Wien unglücklich gewesen. Der Platz soll sich nach vorne öffnen. Es ist eine langfristige Investition geplant.“

Klaus Wolfinger wiederum wollte zum Weltkulturerbe „keine Prognosen abgeben, was das Komitee machen wird. Die Jury beim Architektenwettbewerb hat sich dem Thema intensiv gewidmet. Ausschlaggebend war die Anordnung des Projekts. Die Mehrheit war der Meinung, dass das Projekt Weinfeld die beste Verteilung hat.“

Wien heute Stadtgespräch zur Zukunft des Eislaufvereins und Heumarkt
ORF/Michalek
Projektkoordinator Klaus Wolfinger, Martina Salomon („Kurier“), Elisabeth Vogel („Wien heute“, Daniela Enzi (Wertinvest)

Diskutiert wurde auch über die Gestaltung des Eislaufvereins, der in das Projekt eingebunden ist. „Es ging nicht um eine Neugestaltung, sondern dass unsere Interessen im neuen Projekt mit berücksichtigt werden“, meinte Peter Menasse als Vertreter des Eislaufvereins bei der Diskussion. Der Eislaufverein hat am Heumarkt einen Mietvertrag bis 2058: „Jetzt können wir mitreden, ohne diesen Vertrag würde der Investor vielleicht ohne uns planen.“

Während sich ein Eisläufer auf einen „beliebten öffentlichen Raum“ freute, fürchtete eine andere Teilnehmerin der Diskussion um die derzeit vorhandene gute Luft auf dem Eislaufplatz.

TV-Hinweis:

„Wien heute“, 1.4.2014, 19.00 Uhr, ORF2

Kritik wurde auch an der mangelnden Transparenz bei der Entscheidung der Jury geübt, was Klaus Wolfinger zurückwies: „50 Prozent der Jury waren Architekten, der Investor hatte nur eine von 13 Stimmen.“ Er verwies auf Vorteile für die Stadt Wien: Die Entstehung eines öffentlichen Platzes, eine bessere Verbindung vom ersten zum dritten Bezirk und zusätzliche Sportstätten, da eine Eishalle und eine Turnhalle entstehen sollen.

Wien heute Stadtgespräch zu Zukunft Eislaufverein und Heumarkt
ORF/Michalek
Diskussion um das Heumarkt-Areal

Architekten gegen Bauhöhe und Baumasse

In einem offenen Brief an Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) haben sich mehrere prominente Architekten gegen eine Widmung des Areals auf Basis des Siegerprojekts ausgesprochen. Das Projekt beanspruche unter „eklatanter Verletzung der Ausschreibung“ öffentlichen Raum in erheblichem Ausmaß, die Konfliktpunkte bezüglich Bauhöhe und Baumasse seien unverändert, heißt es.

Unterzeichnet haben den offenen Brief der „Architekturinitiative Wien“ unter anderem Friedrich Achleitner, Gustav Peichl, Gunther Wawrik, Hans Puchhammer und Franziska Ullmann. Sie kritisieren auch, dass in dem Verfahren eine klare Positionierung der Stadt Wien zum Weltkulturerbe in der Innenstadt fehlen würde. Ein „Luxuswohnturm“ sei am Standort Heumarkt „weder stadträumlich noch stadtpolitisch“ zu rechtfertigen.

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