„Diskrete Maßnahmen“ gegen Vandalismus

Die Staatsanwaltschaft Wien hat die U-Haft des 37-Jährigen beantragt, der in sechs Wiener Kirchen Vandalenakte verübt haben soll. Die Erzdiözese Wien will „diskrete Maßnahmen“ setzen, Kirchen sollen „keine Hochsicherheitsgebäude“ werden.

Die Ermittler prüfen, ob der Ghanaer für weitere Fälle von Sachbeschädigung verantwortlich ist. Nach derzeitigem Stand erscheine dies allerdings nicht als wahrscheinlich, hieß es bei der Polizei.

Der Mann, der sich seit November 2013 als Asylwerber in Österreich aufhält, will die massiven Sachbeschädigungen in den Kirchen in „göttlichem Auftrag“ begangen haben. Er hat mehrere Statuen zertrümmert und begründete das damit, dass der Mensch keine Abbilder von Heiligen anfertigen dürfe - mehr dazu in Kirchenvandale in sechs Fällen geständig.

Schadenshöhe noch unklar

Wie hoch der Schaden durch die Vandalenakte des 37-Jährigen insgesamt ist, werde erst in einigen Wochen feststehen, hieß es aus der Erzdiözese. Nun müssten die Scherben den richtigen Kunstwerken zugeteilt werden, erst dann werde man sehen, was noch zu retten sei. Da sich die Spitze der Diözese bis Ende kommender Woche auf Diözesanwallfahrt befindet, soll vorläufig alles in den betroffenen Pfarren geregelt werden.

Zerstörte Statue in Kirche
ORF
Zerstörte Statue

„So grobe Vandalenakte hat es zuvor nicht gegeben“, sagte Bischofsvikar Dariusz Schutzki und zeigte sich zuversichtlich, dass die Serie mit der Festnahme des 37-Jährigen nun zu Ende sei.

Kameras in vielen Kirchen

Unmittelbare Sicherheitskonsequenzen wird es von der Erzdiözese Wien nicht geben. Da die meisten Wiener Kirchen bereits mit Kameras ausgestattet seien, warnte Paul Wuthe, Sprecher der Bischofskonferenz, gegenüber „Radio Wien“ vor übertriebenen Konsequenzen: „Ziel muss es sein, dass die Kirche ein einladendes Haus ist, zum Innehalten und zum Gebet. Es soll nicht das Gefühl entstehen, dass es sich bei Kirchen um ein Hochsicherheitsgebäude handelt. Alle Maßnahmen sollen diskret sein.“

Die beste Sicherheitsmaßnahme ist für Wuthe, „dass die Kirche, wenn sie offen ist, von möglichst vielen Gläubigen besucht wird“. In einzelnen Kirchen gibt es auch Freiwillige, die sich tagsüber in Kirchen aufhalten. „Eine Kirche, die gut besucht ist, wird normalerweise nicht so schnell Ziel von Attacken“, so Wuthe.

Auch Kardinal Christoph Schönborn hatte sich nach den Vandalenakten dafür ausgesprochen, die Kirchen weiter offen zu halten. Schönborn zeigte sich über das Ausmaß der Zerstörung erschüttert - mehr dazu in Schönborn: Täter „im besten Fall geistesgestört“.

Bilder: Schönborn in der Lazaristenkirche

Schaden durch Sprayer

Das Thema der Sachbeschädigungen ist in der Erzdiözese Wien laut Paul Wuthe ein „beständiges, vor allem in Kirchen, in denen besondere Kulturschätze sind. Unmittelbarer Vandalismus ist eine Ausnahmesituation, gegen die man sich schwer wappnen kann. Besorgniserregend ist, dass der Respekt vor einem Gotteshaus tendenziell geringer wird“. So wie bei privaten Häusern oder Amtsgebäude seien auch Kirchen Ziel von Sachbeschädigungen durch Sprayer, „aber es gibt keinen signifikanten Anstieg“, so Wuthe.

„Besonnene Reaktion zu begrüßen“

„Die besonnene Reaktion von Vertretern der katholischen Kirche ist zu begrüßen, mit der eindeutig zum Ausdruck gebracht wurde, dass das gute Verhältnis der Religionen in Österreich nicht durch diese Vorfälle getrübt werde. Der Religionsfriede ist nicht gefährdet“, hieß es in einer Stellungnahme von Fuat Sanac, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Der Islam bringe den Gotteshäusern anderer Religionen Wertschätzung entgegen. Im Koran werde die Verpflichtung zum Schutz dieser Stätten des Gebets und des Gottgedenkens deutlich angesprochen. „Daher muss die Zerstörung von Objekten, die Christen heilig sind, auch von Muslimen verurteilt werden. Selbst wenn die Taten von einem geistig Verwirrten ausgegangen sind, soll hier deutlich Stellung genommen werden“, erklärte Sanac - mehr dazu in IGGiÖ-Präsident Sanac verurteilt Vandalismus in Kirchen (religion.ORF.at).

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