Lobautunnel: Kritik an Brandschutz

Wieder einmal steht der Lobautunnel in der Kritik der Autobahngegner. Die Plattform „Zukunft statt Autobahn“ nahm heute den Brandschutz unter die Lupe. Bemängelt werden zu langen Fluchtwege und das Fehlen einer automatischen Löschanlage. Die Asfinag wies die Vorwürfe zurück.

Die Fluchtwege sind zu lang, bemängelte Otto Widetschek, Präsident des Brandschutzforums Austria, bei der Pressekonferenz der Autobahngegner am Dienstag. Derzeit seien auf dem mehr als acht Kilometer langen Tunnel alle 500 Meter Querschläge geplant - also Verbindungen zwischen den beiden Tunnelröhren, die im Katastrophenfall als Ausgang dienen. Für Widetschek ist das zu wenig.

„Um auch die Sicherheit von älteren Menschen, kleinen Kindern oder Menschen mit Gehbehinderungen zu gewährleisten, muss es mindestens alle 250 Meter eine Ausstiegsmöglichkeit geben“, meinte der Brandschutzexperte. Zudem sei nur jeder zweite Querstollen auch für die Feuerwehr befahrbar, was etwa für eingeklemmte Personen deutlich längere Rettungszeiten ergäbe.

Experte fordert automatische Löschanlage

Widetschek kritisierte zudem, dass für den Lobautunnel derzeit keine automatische Löschanlage geplant sei. Für einen Tunnel dieser Länge sei eine Nebel- oder Schaumlöschanlage aktueller Stand der Technik, mit der etwa ein Tankwagenbrand eingedämmt werden könne, bis die Feuerwehr vor Ort ist. „Nur dann ist so ein Megaprojekt vertretbar sicher“, erklärte Widetschek.

Die Kosten einer solchen Anlage bezifferte der Experte grob mit etwa zehn Millionen Euro, die Kosten des Gesamtprojekts berechnete „Zukunft statt Autobahn“ mit drei Milliarden Euro. Auch die Entlüftung mit Lüftungsabschnitten von etwa drei Kilometern entspreche nicht den Brandschutzrichtlinien. „Ein Gau ist mit diesem System beherrschbar, ein Super-Gau wäre es nicht“, erklärte der Brandschutzfachmann. Als Super-Gau stuft er etwa einen Tankwagenbrand, einen Gefahrengutunfall oder einen Ausfall der Lüftung sein.

Asfinag wies Kritik zurück

„Der Lobautunnel ist scheinbar nach dem Konzept ‚Rette sich wer kann‘ geplant“, meinte Axel Grunt, Obmann der Plattform „Zukunft statt Autobahn“. Er forderte Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) erneut auf, den „sündteuren Spuk“ zu beenden.

Die Asfinag wies die Kritik in einer Aussendung zurück. Der Lobautunnel erfülle „klar das strenge österreichische Straßentunnel-Sicherheitsgesetz und sämtliche modernste internationale Sicherheitsstandards“ wurde versichert. Andernfalls wäre der Tunnel gar nicht genehmigt worden.

Die Länge der Fluchtwege sei anhand einer detaillierten „Worst-Case-Risikoanalyse“ geplant worden, zudem sei vorgesehen, dass Gefahrengut-Transporte den Tunnel nur mit Begleitung befahren dürfen. Ein „speziell für den Tunnel entwickeltes Notfallkonzept“ sorge für „maximale Sicherheit“.

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