Glücksspiel ist Teil der Welt Jugendlicher

Drei Viertel der Jugendlichen in Österreich haben schon einmal um Geld gespielt. Glücksspiel zieht besonders männliche Jugendliche an. Es ist zudem in der Lebenswelt der Jugendlichen angekommen, legt eine Studie zum Jugendschutz bei Glücksspiel dar.

Zwar sind Jugendliche über das Risiko, das Glücksspielen anhaftet, laut Studie gut informiert, das individuelle Problembewusstsein ist aber niedrig: „Das ist typisch für Suchtproblematiken: Der Spieler ist immer der andere“, sagte Philipp Ikrath, einer der Studienautoren. Es gebe im Internet keinen hundertprozentigen Schutz. „Aber es ist unser Auftrag, die Glücksspiele in Zukunft stärker in unsere Informationsangebote zu integrieren“, fügte Bernhard Jungwirth von der Initiative Saferinternet.at hinzu.

Für die Studie „Jugend und (Online-)Glücksspiel in Österreich“ wurden 1.000 Jugendliche im Alter von zwölf bis 24 Jahren befragt.

Laut Studie haben drei Viertel der Jugendlichen mindestens einmal Geld bei einem kommerziellen Glücksspielanbieter eingesetzt. Bei jungen Österreichern unter 18 Jahren sind vor allem echtgeldfreie Online-Angebote beliebt. Vom Los über Wetten in Wettbüros bis zum Glücksspiel an Automaten und im Internet: Neun von zehn befragten Jugendlichen sind schon mit Glücksspielen im Freundeskreis oder in der Familie in Berührung gekommen.

Vor allem Männer von 18 bis 24 Jahren mit niedriger und mittlerer Bildung sind anfällig für regelmäßiges kommerzielles Glücksspiel. Etwa 15 Prozent spielen wöchentlich, hingegen gaben nur fünf Prozent der weiblichen Befragten an, von Glücksspielen Gebrauch zu machen. Niedrig und mittel gebildete Jugendliche spielten mit 14 Prozent häufiger als Jugendliche mit höherem Bildungsstand (sechs Prozent).

Mann spielt bei Glücksspiel-Automat
APA/GEORG HOCHMUTH

Weniger spielen online, dafür aber intensiver

Mehr als die Hälfte gab an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Geld bei kommerziellen Anbietern gesetzt zu haben. Sieben von zehn Befragten pokern oder wetten im privaten Umfeld und 44 Prozent nützen glücksspielähnliche aber echtgeldfreie Spiele im Internet. Unter den kommerziellen Glücksspielen sind Lotterieangebote besonders beliebt, gefolgt von anderen Spielen wie etwa Roulette, Black Jack und Poker sowie speziellen Wettangeboten.

Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung in Kooperation mit der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft und Saferinternet.at durchgeführt.

Online-Angebote werden von den jungen Österreichern eher weniger genutzt. „Problematisch ist aber, dass diese Spieler dazu tendieren, diese öfter in Anspruch zu nehmen“, erklärte Studienautor Matthias Rohrer. Außerdem zeige diese Gruppe ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für andere Spielarten: So wetten etwa 16 Prozent wöchentlich auf Sportergebnisse und sieben Prozent versuchen ihr Glück an Automaten.

Kritisch schätzen die Forscher echtgeldfreie Spiele im Internet ein: „Der Übergang zum Einsatz von echtem Geld ist oft fließend. Denn: Warum soll ich wenn ich beim echtgeldfreien Angebot immer gewinne, nicht einmal richtiges Geld setzen und wieder gewinnen?“, meinte Rohrer. Mit derartigen Spielen hat bisher jeder Dritte Erfahrungen gemacht, 15 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen nutzten diese Spiele mindestens einmal im Monat.

„Jugendschutz nicht mit Verboten erledigt“

Präventivem Jugendschutz kommt daher eine ganz besondere Bedeutung zu. Jugendschutz ausschließlich über Verbote erweise sich gerade bei Glücksspielen im Internet als zahnlos. Viel wichtiger sei es, den Jugendlichen zu zeigen, was Glücksspiele anrichten können. Vor allem jene, die online Glückspiele ausprobieren, seien besonders gefährdet, spielsüchtig zu werden, so die Studie.

Das Problem liege im Verständnis des Jugendschutzes allgemein, sagte der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid: „Bisher haben wir gedacht, wenn wir irgendwelche Verbote mit Konsequenzen aussprechen, ist der Jugendschutz erledigt.“ Aus Forschung und Praxis sei aber bekannt, dass im Endeeffekt das, was die Gesellschaft den jungen Menschen vorlebt, entscheidend für deren spätere Entwicklung ist. Wie der erwachsene Mensch später werde, entscheide sich durch das Vorbild der Menschen in seinem Sozialisationsbereich.

Schmid betonte, „dass wir uns jetzt schleunigst überlegen müssen, dass wir als gutes Vorbild wirken sollten“. Glücksspiel im Internet sei jetzt sogar ein Glücksfall, denn „jetzt lernen wir, dass es eigentlich nur Sinn macht, Jugendliche vor späteren Problemen zu schützen, indem wir uns auf Augenhöhe mit ihnen auseinandersetzen und ihnen vorleben, wie mit diesen Dingen umgegangen werden sollte“.

„Auf die Vorbildwirkung kommt es an“

Schmid appellierte zu vergessen, dass Verbot und Bestrafung vermeintlich die einzige Möglichkeit darstellen, Jugendliche zu schützen. Vielmehr müsste man sich „endlich diesem mühsamen Weg stellen und sagen: ‚Zuerst müssen wir uns alle miteinander ändern, müssen Regeln aufstellen, wie wir miteinander und mit diesen Dingen umgehen.‘“

Wenn man Glücksspiel in seiner Gesamtheit betrachte und sehe, dass zum Beispiel jede Woche zwei-, dreimal Lose gekauft oder Wetten im Wettbüro abgeschlossen werden, dann kann man laut Schmid zwei Dinge daraus lernen: Erstens ist Glücksspiel in der Familie und im Lebensbereich der Jugendlichen angekommen, und zweitens, „dass wir uns jetzt schleunigst überlegen müssen, dass wir uns als Vorbild für die Jugendlichen wesentlich reduziern müssen und hier als gutes Vorbild wirken sollten“.

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