Transsib bis nach Wien?

Seit Jahren diskutieren Bahnmanager über eine Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn bis Wien, um Güter aus Asien schneller zu transportieren. Der ÖVP-Wirtschaftsbund will das Projekt jetzt vorantreiben.

Der Transport von Hightech-Gütern wie Computer- und Autoteilen von Asien nach Europa dauert auf dem Seeweg derzeit etwa 30 Tage. Durch die Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Westen würde sich die Transportzeit Studien zufolge halbieren.

Neuer Güterterminal wäre notwendig

Wien sei als Endpunkt dieser Linie deshalb interessant, weil die Stadt - auch durch den neuen Hauptbahnhof - Knotenpunkt wichtiger Verkehrswege ist, sagte Alexander Biach, Direktor des Wiener Wirtschaftsbundes: „Handelspartner aus Asien sind natürlich interessiert daran, Zugang zu diesem Knotenpunkt zu erhalten. Das ist auch für Wien eine Chance." Würde die Transsib in Wien enden, müsste - wohl in der Nähe des Hafens Freudenau - ein Güterterminal gebaut werden. „Wir haben in einer Erststudie erhoben, dass durch dieses Terminal unmittelbar 3.400 Arbeitsplätze entstehen würden", so Biach.

Transsib
fotolia.com/Matthias Krüttgen

Kosten betragen neun Milliarden Euro

Die ÖBB und Bahnunternehmen aus Russland, der Slowakei und der Ukraine verständigten sich grundsätzlich auf das Projekt. Es gibt auch ein Bekenntnis der Bundesregierung dazu, unklar ist aber die Finanzierung. Die Gesamtkosten werden auf bis zu neun Milliarden Euro geschätzt, der österreichische Anteil steht noch nicht fest. Biach plädierte dafür, private Investoren einzubeziehen. Namen wollte der Wiener Wirtschaftsbund-Chef nicht nennen: „Da gibt es noch keine konkreten Aussagen, aber im Logistikbereich wird sicher Interesse bestehen.“

Erster Transsib-Zug in 15 Jahren?

Die Transsibirische Eisenbahn ist bereits bis ins ostslowakische Kosice erweitert, dort würde der neue Streckenabschnitt nach Wien dann anschließen. Den aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sieht Biach nicht als Hindernis, im Gegenteil: „Ich würde das Projekt als Chance für den Frieden sehen. Es wäre ein sinnvoller Akt, um Frieden zwischen Russland und Europa zu etablieren.“ Im Oktober reist eine österreichische Wirtschaftsdelegation nach Moskau, um über die Bahnerweiterung zu diskutieren. Aus jetziger Sicht wird der erste Güterzug direkt aus Wladiwostok wohl in frühestens 15 Jahren in Wien einrollen.

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