Taxikonkurrent Uber baut Angebot aus

Der Kampf um Fahrgäste in Wien wird härter: Der US-Fahrdienst Uber bietet ab sofort seine Economy-Schiene in der Stadt an. Mittels App können Kunden einen Wagen anfordern. Der Preis liegt laut Uber rund 25 Prozent unter den Taxigebühren.

Das Unternehmen, 2009 in San Francisco gegründet, ist eigentlich ein Technologiekonzern. Insofern betreibt man keinen eigenen Fuhrpark, sondern kooperiert als Schnittstelle mit Dienstleistern vor Ort. In Wien gibt es bereits seit Februar die hochpreisige Limousinenvariante UberBlack. Sechs Monate später startet nun mit UberX die Normalpreis-Schiene, wobei Johannes Wesemann, General Manager von Uber Österreich, von einer Investitionshöhe „im sechsstelligen Bereich“ sprach.

Konkret funktioniert die Sache so: Kunden registrieren sich auf der Uber-App. Wollen sie von A nach B chauffiert werden, sehen sie, welche Wagen sich in der Nähe befinden. Mittels Klick kann das gewünschte Auto für eine Fahrt gebucht werden. Bezahlt wird ausschließlich mittels Kreditkarte, deren Daten bei der Erstregistrierung angegeben werden.

Mietwagenunternehmer als Partner

Als Chauffeure greift man in Wien auf Mietwagenunternehmer zurück, von denen es in Wien - anders als etwa in Berlin - sehr viele gebe. „Deren Hauptgeschäft ist es, Gäste vom Flughafen zum Hotel und umgekehrt zu bringen. Das Problem: Das Gewerbe ist von hohen Stehzeiten geprägt. Wir sagen: Reduziere deine Stehzeiten und erhöhe deine Auslastung und somit deine Umsätze“, pries Wesemann den Vorteil für die Kooperationspartner.

Diese können sich im System anmelden und ohne Lizenz oder sonstige Gebühren ihre Dienstleistung im Rahmen von Uber zur Verfügung stellen - und zwar ohne Mindestvorgaben. Allerdings müssen sie einen gewissen Prozentsatz ihrer Einnahmen an den US-Konzern abliefern und die Uber-Fahrtarife übernehmen. Derzeit seien es noch „unter 50 Fahrer“, die für Uber in Wien unterwegs sind, sagte Wesemann gegenüber Radio Wien.

Preis setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen

Der Preis setzt sich - ähnlich wie bei Taxis - aus mehreren Faktoren zusammen. Zum Starttarif von zwei Euro kommen zusätzlich 99 Cent pro Kilometer und 28 Cent pro Minute dazu. Der Minimumpreis beträgt sechs Euro. Nacht- oder Wochenendzuschläge gibt es nicht. Damit kommt eine Fahrt von Grinzing in die City auf rund zwölf, vom Haupt- zum Westbahnhof auf neun Euro, wird versichert. „Wir können Fahrten im Durchschnitt um 25 Prozent billiger anbieten als vergleichbare Personenbeförderungsdienste“, so der Manager. Für Flughafenfahrten gibt es eine 20-Euro-Startaktion, später werden 30 Euro fällig.

Für die Taxi-Konkurrenz hat Wesemann nicht gerade schmeichelnde Worte übrig. Diese wehre sich - nicht nur hierzulande, sondern international - „mit Händen und Füßen gegen Innovationen“. In Wien teilten sich zudem zwei Funkzentralen den Markt auf: „Wo es ein Oligopol gibt, kann für den Kunden preislich nicht sehr viel herausschauen.“ Umfragen würden außerdem auf ein Service-Defizit bei den Wiener Taxlern hinweisen.

Fahrgäste können Chauffeure beurteilen

Bei Uber können Fahrgäste ihre Chauffeure auch bewerten. Sollte es mit Fahrern Qualitätsprobleme geben, werde man versuchen, diese mithilfe von Trainings oder Schulungen in den Griff zu bekommen, betonte Wesemann. Erst wenn auch das nicht fruchtet, trennt man sich. Bei UberBlack in Wien sei dies im ersten Halbjahr zwei Mal der Fall gewesen.

Konkrete Zahlen will der Österreich-Manager nicht nennen - sowohl im Hinblick auf bisherige Umsätze und Fahrtenanzahl beim bisherigen Limo-Service als auch bezüglich Prognosen für das neue Angebot. Nur soviel: Es werde mit großer Nachfrage gerechnet, die Fahrten pro Woche würden zuerst wohl im dreistelligen, später im vierstelligen Bereich liegen. Die Zahl der User, die von der Wiener App-Variante bereits Gebrauch gemacht haben, beziffert Wesemann „im fünfstelligen Bereich“.

Probleme in Berlin mit privaten Autos

Rechtliche Probleme erwartet Wesemann in Wien nicht. Denn bei UberX seien jedoch sowohl Fahrer als auch Autos voll lizenziert. Zur Erklärung: In Berlin kam das Unternehmen mit seinem Angebot UberPop, das auch private Autofahrer als Chauffeure vermittelt, mit dem Gericht in Schwierigkeiten, da es sich hier um nicht überprüfte Fahrer in nicht konzessionierten Fahrzeugen handle.

Was die Österreich-Pläne von Uber anbelangt, gibt es derzeit noch keine ausgereiften Expansionspläne. Im Fokus stehe jetzt einmal Wien. Anfragen gebe es aber bereits aus anderen Landeshauptstädten. Salzburg und Graz bewertet Wesemann als die spannendsten für einen etwaigen Angebotsausbau.

Taxiinnung zeigt sich entspannt

Bei der Wiener Taxiinnung reagierte man auf den neuen Konkurrenten noch gelassen. „Wenn es ein Unternehmen ist, das alle gewerblich notwendigen Voraussetzungen erfüllt, sind wir sehr gespannt wie das funktionieren wird“, so Innungschef Christian Gerzabek gegenüber Radio Wien. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass das Geschäftsmodell bei den angekündigten Preisen tatsächlich Gewinne abwerfe.

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