Burg: Korruptionsstaatsanwalt ermittelt

Verdacht der Untreue, Bilanzfälschung und Abgabenhinterziehung: Die Liste der Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann und Ex-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky ist lang.

Auch gegen die Burgtheater GmbH wird ermittelt, bestätigte Oberstaatsanwältin Carmen Prior einen Bericht der „Salzburger Nachrichten“. Der Verdacht lautet auf grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Bilanzfälschung und finanzstrafrechtliche Vorwürfe.

Gegen Georg Springer, Ex-Geschäftsführer der Bundestheater Holding, wird wegen Verdachts der Untreue ermittelt. Ob und wann Anklage erhoben wird, sei derzeit nicht absehbar, so Prior.

Hartmann-Anwälte setzen auf E-Mail-Verkehr

Unterdessen rüsten sich Hartmanns Anwälte für die nächsten Prozesstage Ende September. Sie setzen auf Aufsichtsratsprotokolle und einen E-Mail-Verkehr zwischen Hartmann, seinem Berater Peter Raddatz und Stantejsky. Am Dienstag präsentierten die Anwälte Georg Schima und Katharina Körber-Risak die Schriftstücke der Presse, um zu zeigen, „wie Entscheidungslinien gelaufen sind“.

„Matthias Hartmann ist neben Stantejsky der Einzige, der vom Hof gejagt wurde. Jeder erwartet sich, dass er sich ins Kloster zurückzieht und seine Klage zurückzieht“, so Körber-Risak. „Das kann man nicht ernsthaft erwarten. Er muss sich wehren. Wie soll Herr Hartmann sonst zu seinem Recht kommen?“ Und so geht es den Anwälten darum zu klären, „was im Burgtheater in der Zeit eigentlich passiert oder nicht passiert“ ist. Das wollen sie nun mit Hilfe des sich über zwei Jahre erstreckenden E-Mail-Verkehrs sowie von Aufsichtsratssitzungsprotokollen klären.

Anwälte Georg Schima und Katharina Körber-Risak
APA/ Herbert Neubauer
Matthias Hartmanns Anwälte

Mangelnde Liquidität 2010 angesprochen

Wie aus der Korrespondenz hervorgeht, hatte Hartmann - wie bereits bekannt - 2011 den Theaterfinanzexperten Peter F. Raddatz zurate gezogen, um sich „bessere Transparenz zu ermöglichen“. So wurde etwa der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Anfang März 2012 ein Fragenkatalog übermittelt, in dem Raddatz Unklarheiten im Jahresabschluss 2010/2011 ansprach.

Neben Fragen zu den Abschreibungspraktiken für nicht mehr im Spielplan befindliche Produktionen hieß es unter Punkt vier: „Das Burgtheater leidet derzeit unter einen (sic!) mangelnden Liquidität. Frage: Welche Ursachen und Gründe werden von PwC dafür gesehen und sieht die Prüfgesellschaft Probleme für die Burgtheater GmbH im Hinblick auf eine mögliche Überschuldung?“. PwC leitete diese Fragen, wie aus den Unterlagen hervorgeht, an die Holding weiter.

Hartmann offenbar nicht einbezogen

Die geforderten Aufstellungen wurden laut Stantejskys Anwälten gemeinsam mit der Holding „gemacht und mit der PwC abgestimmt“. Aus dem Mail-Verkehr gehe hervor, dass Hartmann in das Gespräch mit den Prüfern nicht einbezogen wurde. Zudem habe Stantejsky bei Übermittlung von Produktionsblättern im Jänner 2012 angemerkt, mit Raddatz telefonieren zu wollen, um Details zu erklären. „Das heißt: Die Zahlen sprachen damals nicht für sich“, so Körber-Risak am Dienstag. „Das zeigt klar und deutlich: Es gab zwei Suchende und ein paar Verbergende“, so Schima. Zudem zeige die Vorgangsweise, dass der Gesellschafter im Vorfeld in die Erstellung des Jahresabschlusses involviert war, was laut Gesetz eigentlich ein nachgelagerter Vorgang sein müsste.

Anwälte: Burg musste sich immer reicher rechnen

Auch die Protokolle der Aufsichtsratssitzungen zeigen laut Hartmanns Anwälten, dass der Aufsichtsrat zwar „mit Zahlen konfrontiert wurde, aber sogleich auch mit Lösungen“. So habe man im Juni 2008 bei der Aufsichtsratssitzung zwar auf ein Minus von 4,4 Mio. Euro hingewiesen, jedoch gleich darauf verwiesen, dass dieses von der Geschäftsführung des Burgtheaters ausgeglichen werden müsse und man das Budget deshalb vorbehaltlich genehmigen werde.

„Da könnte man auch genehmigen, dass es im Oktober Elefanten regnet“, so Körber-Risak zu dieser Vorgehensweise. Dieser Vorgang zeige, „dass das Burgtheater das Problem mit sich herumgeschleppt hat, sich immer reicher zu rechnen“, so Schima.

Kritik an Karin Bergmann

Erneut bekräftigt wurde am Dienstag auch die Kritik an der Bestellung der interimistischen Direktorin Karin Bergmann. „Ein Arbeitgeber kann nicht einen Arbeitnehmer entlassen wegen Vorwürfen und Umständen, die er bei einem Nachfolger toleriert oder sogar bewusst in Kauf nimmt“, so Körber-Risak.

Bezug nehmen die Anwälte hier auf die bereits bekannten Geldgeschenke des früheren Burgtheater-Direktors Klaus Bachler an seine damalige Stellvertreterin Bergmann sowie eine Aussage Bergmanns in ihrem Hearing vor dem Aufsichtsrat, dass sie keine Bilanzen lesen könne, sich aber einarbeiten werde. „Der Arbeitgeber misst hier mit zweierlei Maß“, hielten die Anwälte abschließend fest.

In der „Süddeutschen Zeitung“ hatten Hartmann und der Theaterfinanzexperte Raddatz zuletzt heftige Vorwürfe erhoben: Schuldenverschleierung sei im Burgtheater schon lange praktiziert worden - mehr dazu in Hartmann: Schulden schon länger verschleiert.

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