Haus der Geschichte: Anlauf über fast zwei Jahrzehnte

Über fast zwei Jahrzehnte hat sich der Anlauf für das Haus der Geschichte, das am Montag erneut spruchreif geworden ist, erstreckt. Die Idee dazu hatte 1998 Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, der sich eigentlich für ein „Haus der Toleranz“ im Palais Epstein aussprach.

Ende des Jahres 1997 kam die Diskussion über die Nutzung des Palais Epstein im Zuge seiner Umwidmung auf. Der Ministerrat hatte beschlossen, das einstige Bank- und Wohngebäude an der Wiener Ringstraße nahe dem Hohen Haus zu verkaufen. Der Publizist Zelman sah den Standort ideal für ein „Haus der Toleranz“ oder eben Haus der Geschichte, das eine Einrichtung der Begegnung und der Forschung sein solle. Noch im selben Jahr wurde das Palais für das Parlament reserviert, die politische Diskussion darüber sollte jedoch noch andauern.

Die Idee für ein derartiges zeitgeschichtliches Museum war nach der Standortentscheidung nicht vom Tisch. Der damalige SPÖ-Nationalratspräsident und nunmehrige Bundespräsident Heinz Fischer versprach, sich für die Einrichtung einer solchen Institution an einem anderen Ort starkzumachen. SPÖ und ÖVP diskutierten die Idee parteiintern um die Wette, auch Machbarkeitsstudien wurden angefertigt. 2002 formierte sich ein Proponentenkomitee, dem unter anderem Architekt Gustav Peichl und die Schauspielerin Elisabeth Orth angehörten.

Schon mehrere Standorte im Gespräch

Trotz Drängens fast aller Parteien und der Wiener Stadtpolitik drehte sich das Projekt im Kreis: Im Sommer 2002 sprach sich Nationalratspräsident Fischer dafür aus, das Projekt noch im Herbst desselben Jahres in Angriff zu nehmen. Sein Amtsnachfolger Andreas Khol (ÖVP) beteuerte dann Anfang 2003, das Haus der Geschichte vorantreiben zu wollen - und kündigte die Gründung eines weiteren Proponentenkomitees an.

Zudem schlug Khol den Wiener Morzinplatz - während der NS-Herrschaft das Hauptquartier der Gestapo - als Standort vor. Auch das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) spekulierte mit dem Gedanken, zum Haus der Geschichte zu avancieren.

Den nächsten Anlauf für das Haus der Geschichte unternahm Khol im Jahr 2005, als das Parlament endgültig ins Palais Epstein einzog und dieses damit als Standort nicht mehr zur Verfügung stand. Nun schlug der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) eine Anbindung an das HGM vor. Und auch Fischer - mittlerweile Bundespräsident - meldete sich wieder zum Thema zu Wort. Er unterstützte die Idee des Industriellen Hannes Androsch, die Staatsvertragsausstellungen im Belvedere und auf der Schallaburg zu einem Haus der Geschichte zusammenführen.

Idee zwischen parteipolitische Fronten geraten

2006 war das Haus der Geschichte längst zwischen die parteipolitischen Fronten geraten. Während die SPÖ beklagte, die ÖVP könnte das Projekt für sich instrumentalisieren, beklagten Wissenschaftler das Fehlen jeglicher Information über die Planungen. Im April wurde zuerst eine Arbeitsgruppe, dann eine Expertengruppe konstituiert. Und auch eine neue Standortvariante kam zu Schüssels Favoriten, dem Arsenal nahe dem HGM, hinzu: das Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz.

Noch im Sommer 2006 präsentierte die Arbeitsgruppe ihre „Roadmap“ zur Errichtung des „Republiksmuseums“: Der Vollbetrieb sollte spätestens 2015 starten, die erste Ausstellung könnte es 2008 zum Republiksjubiläum geben. Standort und Finanzierung: unklar. Der Bericht wurde zur Evaluierung an „internationale Experten“ geschickt. Indes kritisierte die Expertenkommission die Arbeitsgruppe wegen mangelnder Transparenz bei der Ausarbeitung des Konzepts - bis 2008 die Regierung selbst die Projektleitung übernahm.

Im April 2008 beschloss der Ministerrat, ein Museumsberatungsunternehmen mit der Detailplanung für das Haus der Geschichte zu beauftragen - und Bundespräsident Fischer sprach sich abermals für das Vorhaben aus. Gegen Jahresende kündigte der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) an, das Projekt bei der Gruppe Haas/LORD in Auftrag gegeben zu haben, innerhalb eines Jahres solle ein Architektenwettbewerb abgeschlossen sein. Stattdessen wurden zum Zeitpunkt die Kosten der bisherigen Planungen mit 205.300 Euro bekannt, das Vorhaben schlief wieder ein.

Ende 2014 aus der Versenkung aufgetaucht

Zumindest in den diversen Regierungsprogrammen fand das Haus der Geschichte danach noch Aufnahme, ansonsten hieß es, es sei schlicht kein Geld dafür vorhanden. Ende 2014 tauchte das Vorhaben wieder aus der Versenkung auf: Im Rahmen der Neugestaltung des Weltmuseums sollten auch weitere Projekte angedacht werden. Am 19. Jänner wurde von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) schließlich vereinbart, das Umbau-Projekt zu verkleinern - die „Redimensionierung“ ermögliche die Etablierung eines Hauses der Geschichte in der Neuen Hofburg am Heldenplatz - mehr dazu in Ostermayer zu Weltmuseum: „Nutzen Chance“.

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