Secession muss „dringend saniert werden“

„Dringenden Sanierungsbedarf“ für die Wiener Secession sieht Herwig Kempinger, Präsident der Wiener Secession. Die Sanierungspläne wurden vorgestellt, bei der Finanzierung sprach Kempinger von einem „Ämter-Ping-Pong“.

Rostschäden an der Kuppel, eine teils bröselnde Fassade oder die veraltete Technik sind die drängendsten Probleme bei der Sanierung der Secession. Kosten würde dies rund 3,2 Mio. Euro. Das Büro Krischanitz ist mit Planung und Bestandsaufnahme betraut worden. Der Architekt hat auch vor knapp 30 Jahren die letzte Generalinstandsetzung verantwortet.

„Für einen Ausstellungsbau mit hoher Besucherfrequenz hat es eh lange gehalten“, bemerkte Kempinger. Nun sei ein Handeln aber „dringend notwendig“. Teile der technischen Anlage, wie die Lichtdecke im Hauptraum oder die Klimaanlage, müssten erneuert werden. Zudem wolle man auch den barrierefreien Zugang zu Gustav Klimts Beethovenfries in Angriff nehmen sowie die ursprünglich an der Rückseite des Gebäudes befindlichen „Kranzträgerinnen“ von Koloman Moser und ein Relief von Adolf Böhm im Vorraum rekonstruieren.

Beethovenfries
APA/Schlager
Der Beethovenfries soll einen barrierefreien Zugang bekommen

Finanzierung noch offen

Was die Finanzierung betrifft, sei man in punkto Kontaktaufnahme mit der Stadt Wien, die Eigentümerin der Secession ist, bis dato gescheitert. Vom Kulturamt wurde man an den Wohnbaustadtrat und wieder zurück verwiesen, sprach Kempinger von einem „Ämter-Ping-Pong“. Dennoch glaube er an eine Lösung für „diesen Schlüsselbau für die österreichische Moderne“: „Irgendwann wird es ein Einsehen geben, wer dafür zuständig ist.“ Die Secession selbst verfüge zwar über keine Rücklagen, man denke aber über Crowdfunding nach und will sich „bei ausführenden Firmen für eine Art Sponsoring einsetzen“.

Fertiggestellt soll das Projekt im Idealfall bis 2018 sein, pünktlich zum 120-Jahr-Jubiläum des Gebäudes. Dazu müsste zumindest mit einzelnen Vorhaben diesen Herbst begonnen werden, wie Krischanitz erläuterte. Die Sanierung soll bei laufendem Ausstellungsbetrieb erfolgen. „Wir haben Lösungen für erschütterungsfreies Bauen“, sagte er mit Verweis auf den Fries, dessen derzeitige Präsentation im Untergeschoß der Secession im Zuge der letzten Generalsanierung von ihm konzipiert wurde.

Beethovenfries „überheizte Geschichte“

Dass man mit den Sanierungsplänen kurz nach der Entscheidung des Kunstrückgabebeirats zum Beethovenfries an die Öffentlichkeit geht, sei Kempinger zufolge kein Zufall. Auf die Äußerungen von Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco über „konservatorische Gefährdungspotenziale“ und ein „Standortproblem“ der monumentalen Jugendstil-Ikone wollte er aber nicht eingehen.

„Es ist in den letzten Wochen so viel Falsches über den Fries geschrieben worden. Wenn sich die Gemüter eingependelt haben, kann man wieder eine sachliche Diskussion führen. Im Augenblick möchte ich zu dieser überheizten Geschichte nichts beitragen“, so Kempinger. Der Kunstrückgabebeirat der Republik hatte in der Vorwoche empfohlen, den Beethovenfries nicht zu restituieren - mehr dazu in Entscheidung gegen Rückgabe (news.ORF.at; 6.3.2015).

Secession
APA/Georg Hochmuth
Die Finanzierung der Sanierung ist noch offen

Ausstellung über Baugeschichte

Passend zum Sanierungsvorhaben ist in der Secession aktuell auch eine Ausstellung zur Baugeschichte des Gebäudes zu sehen. „Zu modern für die erste Reihe“ greift dabei das 150-jährige Jubiläum der Ringstraße auf, sollte der Entwurf von Joseph Maria Olbrich doch ursprünglich an der Wollzeile realisiert werden.

Ausstellungshinweis: „Zu modern für die erste Reihe - Die Baugeschichte der Secession“, bis 11. Oktober, Wiener Secession, Friedrichstraße 12, 1010 Wien

Doch war die moderne Formensprache des Otto-Wagner-Schülers dem Gemeinderat Ende des 19. Jahrhunderts zu radikal, weshalb der Bauplatz an die Wienzeile verlegt wurde. Neben Entwurfszeichnungen und ausgearbeiteten Plänen beinhaltet die von Annette Südbeck kuratierte Schau auch historische Postkarten und Dokumente aus dem Archiv der Secession.

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