Schriftsteller Frederic Morton gestorben

Der Schriftsteller Frederic Morton ist tot. Der gebürtige Wiener starb in der Nacht auf Montag im Alter von 90 Jahren in Wien, wie der „Kurier“ mit Verweis auf die Familie berichtete. Morton schrieb Werke wie „Die Rothschilds“ und „Ewigkeitsgasse“.

Er galt als Meister der sanften Satire, dessen Bestseller es weltweit in die Bücherregale schafften: Frederic Morton schrieb mit seinen Werken auch Wiener Literaturgeschichte. 1924 als Fritz Mandelbaum in Hernals geboren, musste er mit 15 Jahren aus seiner Heimat flüchten.

Die Familie emigrierte zunächst nach London, dann nach New York, wo Morton bis zuletzt lebte. Seinen Durchbruch erlangte er 1962 mit dem Roman „Die Rothschilds“, der in 23 Sprachen übersetzt wurde, in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten stand und als Vorlage für ein mit Tony Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente.

Frederic Morton
Haus der Barmherzigkeit/APA-Fotoservice/Hinterramskogler
Morton vor wenigen Tagen im Haus der Barmherzigkeit in Ottakring

Seit 1947 literarisch und journalistisch tätig

„Die Emigration war teilweise ein Riesenabenteuer für einen jungen Mann, wie ich es war. Aber natürlich war sie auch ein unerhörter Umbruch im Leben einer wohlhabenden Familie, obwohl wir auch in Wien sehr einfach gelebt haben. Aber in der Emigration haben wir ein ganz anderes, ein sehr kärgliches Leben geführt“, erinnerte sich der Schriftsteller 2013 im APA-Interview. „In den ersten Jahren war es nie sicher, ob mein Vater genug verdienen konnte. Und da mit dem Namen Mandelbaum auch in den USA antisemitische Probleme verbunden waren, hat sich mein Vater dazu entschlossen, den Familiennamen auf Morton umzuändern.“

Radio-Hinweis:

Ö1 sendet am Donnerstag, 23. April, um 21.00 Uhr Im Gespräch mit Frederic Morton.

In den Vereinigten Staaten arbeitete der angehende Student der Nahrungsmittelchemie zunächst als Bäcker. Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research in New York kam Mandelbaum mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Seit 1947 erschienen literarische und journalistische Arbeiten in Buchform, aber auch in Zeitungen und Magazinen wie „New York Times“, „Esquire“, „Playboy“, „The Atlantic“ und „Hudson Review“. Zudem unterrichtete er an mehreren Universitäten englische Literatur.

Durchbruch mit „Die Rothschilds“

Der Durchbruch gelang Morton 1962 mit dem Roman „Die Rothschilds“, der in 23 Sprachen übersetzt wurde, in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten stand und als Vorlage für ein mit Tony Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente. Auch aus seinem Roman „Ein letzter Walzer“ entstand mit „Rudolf - Affaire Mayerling“ ein Musical, das ein Jahr lang am Wiener Raimund Theater lief.

Frederic Morton
APA/ROBERT JAEGER
Morton während eines Empfangs im Wiener Rathaus im Jahr 2002

Schon früher wurde „Crosstown Sabbath - Über den Zwang zur Unrast“, eine „Reisebeschreibung“ der hektischen Metropole New York, vom ORF unter der Regie Curt Faudons verfilmt. Und Andrea Eckerts Doku „Durch die Welt nach Hause“ basiert auf der gleichnamigen Autobiografie Mortons, die 2006 erschienen war.

Mehrfach in Wien ausgezeichnet

Auch die Stadt Wien, in der er in den letzten Jahrzehnten immer mehr Zeit verbrachte, zeigte sich stolz auf ihren populären Sohn. Bereits 1986 erhielt Morton in seiner Geburtsstadt das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, 15 Jahre später folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. 2002 wurde „Ewigkeitsgasse“ als Gratisbuch im Rahmen der Aktion „Eine Stadt - ein Buch“ in einer Anzahl von 100.000 Stück verteilt.

2003 wurde Morton das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen, 2005 kam auch der Siemens Life Award dazu. Im vergangenen Oktober folgte 2014 anlässlich seines 90. Geburtstags der Goldene Rathausmann - mehr dazu in Morton feierte 90. Geburtstag im Rathaus.

Letzte Tage in Wien verbracht

Dabei blieb Morton bis zuletzt aktiv. In der Vorwoche hielt der Autor die Festrede zur Jubiläumsfeier 140 Jahre Haus der Barmherzigkeit in Wien. Dabei verglich er das „Exil des Alters“ mit seinem Exil nach der Flucht in die USA und gab an, sich an das Altsein nie richtig gewöhnen zu können: „Man denkt noch, man ist 19, dabei ist man schon 90“, wurde der Schriftsteller von der katholischen Presseagentur Kathpress zitiert.

Häupl und Morton
ORF
Bei der Feier zu seinem 90. Geburtstag im Wiener Rathaus im Oktober

Eine für Dienstag, angesetzte Lesung soll nun in eine spontane Gedenkfeier umgewandelt werden. Im „Kunstraum Ewigkeitsgasse“ in der Thelemangasse in Hernals, in der Morton aufgewachsen ist, hätte er am Dienstag um 19.30 Uhr lesen sollen.

Was er schreibe, sei der „Versuch, den Ich-besessenen zukunftsbangen Neurosen des 21. Jahrhunderts entgegenzutreten“, meinte Morton einmal und wies schon vor Jahren auf „dunkle Aspekte“ hin, die sich zunehmend auf Amerika und die übrige Welt auswirkten. Diese dunklen Aspekte finden sich auch in den übrigen Büchern des zweifach für den National Book Award nominierten Autors wieder, der mit psychologischer Einfühlsamkeit und sprachlicher Genauigkeit ein Millionenpublikum erobert hat: „Dunkle Leidenschaften“, „Die Affäre Schatten“, „Snow Gods“ und vor allem auch „Geschichten aus zwei Welten“. Nur wenige konnten diese gelebte Ambivalenz ähnlich überzeugend zu Papier bringen.

Faymann würdigt „unvergleichlichen Autor“

Dass Morton in den vergangenen Jahrzehnten oft in jenes Land zurückkehrte, aus dem er 15-jährig flüchten musste, rechneten ihm Politiker in ihren heutigen Trauerbekundungen hoch an. So würdigte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) Morton in einer Aussendung als „einen unvergleichlichen Autor und einen großen Menschen, der, trotzdem er 1939 seine österreichische Heimat verlassen und vor den Nazis ins Exil flüchten musste, Österreich verziehen hat und ein neues Verhältnis zu seiner alten Heimat aufbauen konnte“.

Auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ehrte Morton als „jemanden, der trotz Vertreibung stets Österreich als seine Heimat gesehen hat“. „Besonders freut es mich, dass sich Frederic Morton bis ins hohe Alter für Österreich und die österreichische Politik interessiert und sich hier auch zu Wort gemeldet hat“, so Ostermayer über den „Weltbürger im besten Sinn des Wortes“. „Er wusste zu leben und vom Leben Geschichten zu erzählen.“

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