Hitze und ihre sozialen Auswirkungen

Ältere, chronisch Kranke und sozial benachteiligte Gruppen sind stärker von der Hitze betroffen. Dazu gehören auch Menschen mit Migrationshintergrund. Soziologen an der Uni Wien erforschen jetzt, wie sich die Hitze auf sie auswirkt.

Die Auswirkungen der Hitze treffen den städtischen Raum besonders. Hitze wird aber unterschiedlich wahrgenommen und bewältigt. Auch die soziale Herkunft spielt dabei eine Rolle. Das Thema „Migranten und Hitze“ ist in Europa kaum noch erforscht. Das Forschungsprojekt „EthniCityHeat“ soll daher mehr Informationen über die Hitzebelastung von Migrantinnen und Migranten in Wien liefern.

Die Thesen: Menschen mit Migrationshintergrund haben ein geringeres Einkommen und leben überdurchschnittlich in Gebieten, wo es weniger Grünflächen gibt und damit in Hitzeinseln.

Wohnung, Arbeit und Bildung entscheidend

Überdurchschnittlich oft leben Migrantinnen und Migranten in Substandard-Wohnungen. Häufig werden dort Räume als Wohnraum genützt, die nicht dafür vorgesehen sind und zum Beispiel keine Fenster haben. Auch Klimaanlagen und Außenjalousien können sich sozial benachteiligte Gruppen seltener leisten.

Viele Menschen mit türkischem Hintergrund üben manuelle Tätigkeiten aus, etwa am Bau oder in der der Reinigung. Dort sind keine flexiblen Arbeitszeiten erlaubt. Gearbeitet wird in der Regel, wenn es sehr heiß ist. Migrantinnen und Migranten sind durchschnittlich auch weniger gebildet und daher weniger über die Auswirkungen der Hitze aufgeklärt, sagt Anna Wanka vom Institut für Soziologie.

Frau in Brunnen
APA/Pfarrhofer

Um diese Thesen zu überprüfen, werden Beobachtungen über das Hitzeverhalten von Familien in Wien, face-to-face Befragungen sowie Interviews geführt. Aus den Daten sowie aus internationalen Beispielen sollen Empfehlungen für die Stadt- und Landschaftsplanung erarbeitet werden, heißt es von den Forschern.

Zahl der Hitzetage nimmt zu

Die Zahl der Hitzetage in Wien hat zugenommen. Während es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt 9,6 Hitzetage gab, stieg die Zahl zwischen 1981 und 2010 bereits auf 15,2 Tage an (Temperatur 30 Grad Celsius und höher).

Grünflächenanteil wichtig

Wichtig ist auf jeden Fall ein hoher Grünflächenanteil über die gesamte Stadt verteilt, so Brigitte Allex vom Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der Universität für Bodenkultur Wien. Grünflächen werden häufiger genutzt, wenn sie von der Wohnung schnell erreichbar sind. So ist der Rückzug in die heiße Wohnung bei großer Hitzebelastung für risikoträchtige Personen negativ. „Rückzug kann, insbesondere im Alter, zu sozialer Isolation führen. Wird dann akut Hilfe gebraucht, z.B. bei Dehydration ist niemand zur Stelle“, so Franz Kolland vom Institut für Soziologie. Für Personen, die in einer heißen Wohnung leben, ist es daher ratsam, bei Hitze zumindest in der Früh oder am Abend hinauszugehen.

Höhepunkt der Hitzewelle am Samstag

Der Höhepunkt der Hitzewelle in Wien wird am Freitag und am Samstag erwartet. Bis zu 38 Grad sind am Samstag in Wien möglich, heißt es aus der ORF-Wetterredaktion. Am Samstagabend könnte es in der Stadt auch Gewitter geben - mehr dazu in wetter.ORF.at:

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