Zieseltunnel mit Steinen sabotiert

Damit in Stammersdorf auf dem Areal hinter dem Heeresspital Wohnungen entstehen können, sollen die dort lebenden Ziesel mit einem Steg und Tunnel abgesiedelt werden. Die Konstruktion wurde nun von Unbekannten sabotiert.

„Der Zieselsteg über den Marchfeldkanal ist noch nicht einmal fertiggestellt und schon beschädigt worden. Das Torgitter wurde eingedrückt, der Schutzzaun niedergerissen, mit Steinbrocken der Steg beworfen und die Zieseltunnel verstopft“, ärgert sich Wiens Naturwacht-Chef Tony Rei gegenüber wien.ORF.at.

Sabotierter Zieselsteg
Josef Burger
Tony Rei fischte zahlreiche Steine aus den Ziesel-Tunnel

Bauträger überlegt Videoüberwachung

Am Mittwoch entdeckte er gemeinsam mit Peter Fleissner, dem Geschäftsführer des Bauträgers Kabelwerk, den Schaden auf der Baustelle. Für sie steht fest, dass durch die Sabotage verhindert werden soll, dass die streng geschützten Ziesel auf die Ausgleichsfläche über den Zieselsteg gelangen können.

Rei: „Wir haben die Anrainer im Verdacht, denn manche von ihnen wollen mit allen Mitteln den Wohnbau verhindern.“ Eine Anzeige bei der Polizei liegt noch nicht vor. Laut Rei überlegt der Bauträger jedoch, die Bewachung des Stegs zu verstärken - etwa mit Videoüberwachung.

Sabotierter Zieselsteg
Josef Burger
Der Schutzzaun wurde von Unbekannten niedergerissen

Hohe Ziesel-Population in Stammersdorf

Laut Umweltschutzabteilung der Stadt Wien (MA 22) sind im Bereich zwischen Heeresspital und Marchfeldkanal 200 Ziesel gezählt worden. Rei hält diese Zahl für übertrieben. Solange die Tiere nicht auf eine Ausgleichsfläche übersiedeln, kann nicht gebaut werden. Daher wurde ein Holzsteg sowie Röhrensysteme über den Marchfeldkanal errichtet.

Konstruktion kostet 70.000 Euro

Die Bauarbeiten starteten im Juni und sollen spätestens nächstes Jahr abgeschlossen werden. Die Kosten werden auf 70.000 Euro geschätzt. Rei: „Wenn das Wetter so bleibt, dann werden die Ziesel bald ihren sechs Monate langen Winterschlaf einlegen, und erst nächstes Jahr übersiedeln.“

Lukas Mroz von der IGL-Marchfeldkanal steht dem Projekt skeptisch gegenüber: „Es bleibt unerwähnt, dass die Brücke ihre Funktion gar nicht erfüllen kann und die 70.000 Euro eigentlich hinausgeworfenes Geld sind. Die Verwendung der Fläche auf die die Brücke die Ziesel leiten soll, wurde den Bauträgern gerichtlich untersagt - nach einer Klage durch einen Eigentümer der Fläche.“

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