Erneut Tausende Flüchtlinge im Westbahnhof

Tausende Flüchtlinge erreichen derzeit täglich den Wiener Westbahnhof, um von dort nach Deutschland weiterzureisen. Ein Ende der Flüchtlingswelle ist nicht in Sicht. Die Caritas bittet wieder um Lebensmittel- und Sachspenden.

Dienstagfrüh hat ein von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kurzfristig eingerichteter Sonderzug mehreren hundert Flüchtlingen die Reise vom Wiener Westbahnhof über Salzburg nach Deutschland ermöglicht. Die Garnitur hat Wien kurz nach 8.00 Uhr verlassen, gab ÖBB-Sprecher Michael Braun bekannt.

ÖBB richteten Shuttle-Zug ein

Am Dienstag waren die Fernzüge zwischen Budapest und Wien wieder pünktlich unterwegs. Weil weiterhin viele Menschen mit den Regionalzügen nach Österreich reisten, richteten die ÖBB einen Shuttle-Zug ein, der je nach Bedarf auf der Strecke von Nickelsdorf über Bruck/Leitha, Wien Hauptbahnhof zum Wiener Westbahnhof fährt. Damit sollen die regulären Züge, die von Pendlern von Osten kommend nach Wien zur Arbeit fahren, entlastet und die Schutzsuchenden zum Westbahnhof gebracht werden.

Sachspenden
APA / Hans Punz
Die Caritas benötigt wieder Lebensmittelspenden im Westbahnhof

Caritas bittet wieder um Spenden

Die Verpflegung der Flüchtlinge wird weiterhin von der Caritas übernommen. Laut Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner werden wieder Lebensmittel wie Äpfel, Bananen, Studentenfutter, Kekse, Datteln, Feigen und salzige Kekse benötigt, ebenso Dolmetscher (Arabisch, Persisch, Urdu, Paschtu) werden aktuell dringend gesucht - mehr dazu in Flüchtlinge: Welche Spenden werden benötigt? (wien.ORF.at; 5.9.2015).

Rund 1.000 Flüchtlinge bis Mittag

Am Westbahnhof war die Lage am Dienstag ruhig. Bis Mittag kamen „ungefähr 1.000 Flüchtlinge an, sie sind versorgt worden und mit den Zügen weitergefahren“, so Caritas-Koordinatorin Sonja Weiklstorfer.

Am Montag kamen insgesamt 7.000 Flüchtlinge in Wien an. Laut Polizei übernachteten davon rund 1.100 auf dem Westbahnhof und 500 auf dem Hauptbahnhof. „Es gibt inzwischen mehr als 900 Notschlafstellen in Büros und abgestellten Zügen rund um den Westbahnhof“, so Polizeisprecher Patrick Maierhofer gegenüber wien.ORF.at. Die anderen 5.400 Flüchtlinge reisten bereits nach Deutschland weiter. In Wien wurden laut Polizei am Montag 66 Asylanträge gestellt, österreichweit wurden am Wochenende 730 Anträge gestellt - mehr dazu in news.ORF.at.

Spielecke für Flüchtlingskinder

Caritas-Präsident Michael Landau lobte die zahlreichen Helfer. „740 Freiwillige und mehrere tausend Helferinnen und Helfer haben mehr als 15.000 Menschen auf der Flucht in den vergangenen Tagen auf Österreichs Bahnhöfen und an den Grenzübergängen herzlich willkommen geheißen.“

Insgesamt leisteten die Helfer 36.336 Einsatzstunden, mehr als 60 Tonnen Lebensmittel und Sachspenden wurden an Flüchtlinge verteilt. „Diese Hilfsbereitschaft gibt Zuversicht“, meinte Landau. Seit Montagnachmittag ist in der Halle vor den Bahnsteigen auch eine Spielecke für Kinder eingerichtet. Drei Betreuer der Caritas kümmern sich dort um Flüchtlingskinder, die nach der strapaziösen Reise beim Zeichnen und Herumtollen Abwechslung finden sollen.

Schlepper wurden nicht festgenommen, betonte Maierhofer. In den Morgenstunden wurde aber ein Schleppertransport mit 59 Asylwerbern im Stadtgebiet gestoppt. Darunter befanden sich 25 Kinder. Die beiden Schlepper konnten flüchten.

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