Elektroautos: Kritik an Ladestation-Regelung

„Wien ist anders“, kritisieren Unternehmen, die Ladestationen für Elektroautos vertreiben. Denn in Wien sind solche im öffentlichen Bereich verboten. Eine Ausnahme sei derzeit nur für Taxis geplant.

Der Markt für Elektroautos kommt immer stärker in Fahrt, die Reichweite der Autos steigt und die Preise sinken. Auch in Österreich werden Elektroautos ab dem kommenden Jahr steuerlich massiv gefördert. „Wien ist anders“, beklagt Michael Fischer, Geschäftsführer der Verbund-Tochter Smatrics, die Lade-Infrastruktur betreibt.

„Die Schnellladestationen in Wien brauchen Sie nicht zu suchen“, erklärte Franz Chalupecky, Vorstandschef von ABB Österreich. „Ich sage Ihnen, wo sie steht: eine bei mir vorm Haus“, sagte Chalupecky am Mittwoch in Wien anlässlich des Verkaufs der hundertsten Schnellladestation an die Verbund-Tochter Smatrics, an der auch Siemens Österreich beteiligt ist.

„Wie Winterreifen in der Sahara“

Der Markt für Ladestationen sei noch sehr jung, sagte Chalupecky. „Als wir vor vier, fünf Jahren begonnen haben, waren Elektroautos noch sehr dünn gesät. Ladestationen haben sich verkauft wie Winterreifen in der Sahara.“ Inzwischen sei man dabei, ein Geschäft damit zu machen. „Wir haben in über 50 Ländern mehr als 3.500 Schnellladestationen verkauft.“

Um das oberste Ziel zu erreichen, nämlich eine Dekarbonisierung, werde man an Elektroautos nicht vorbeikommen, ist Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber überzeugt. Die ab 1. Jänner 2016 geltende Steuerreform werde sicher einen positiven Einfluss haben.

Steuervorteile bei Elektroautos

Künftig wird man für Elektro-Pkw einen Vorsteuerabzug geltend machen können. Schon bisher waren Elektroautos von der NoVa und der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Überdies entfalle der Sachbezug, erläuterte Smatrics-Chef Fischer.

„Fahren Sie ein reines E-Auto als Dienstwagen, sparen Sie sich im Verhältnis zum Maximalwert bis zu 480 Euro netto im Monat, also Pi mal Daumen 6.000 Euro im Jahr.“ Auch die Betriebskosten seien geringer. „Sie haben keinen Ölwechsel, keinen Zylinder, kein Getriebe, da ist nicht viel zu tun. Die Bremsen werden um 80 bis 90 Prozent weniger belastet, weil die Bremsenergie wieder in die Batterie zurückgespeist wird.“

Ende Oktober habe es in Österreich 7.350 Elektroautos gegeben, sagte Fischer. Bis Jahresende sollen es rund 8.000 sein. Eine Studie des Umweltbundesamtes gehe von bis zu 200.000 Fahrzeugen bis zum Jahr 2020 aus. Derzeit habe Smatrics in ganz Österreich ein Netz von insgesamt 300 Ladepunkten. „Sie finden im Umkreis von 60 Kilometern mindestens eine Ladestation.“

Kritik an Wiener Regelung

In Wien hat Smatrics fünf Ladestationen in Betrieb, allerdings nicht im öffentlichen Bereich, sondern nur bei Unternehmen wie Burger King, Billa und Merkur. In Wien sei es nicht erlaubt, Ladestationen im öffentlichen Raum zu errichten, „das ist, glaube ich, weltweit einzigartig“. „In Paris gibt es alle 300 Meter eine Ladestation, da gibt es 4.500 Ladestationen. Car2Go ist in Paris, Amsterdam und Stuttgart 100 Prozent elektrisch, in Wien dieseln sie noch herum, weil sie nicht aufladen können.“

Allerdings gebe es in Wien ein Taxi-Projekt, das in der ersten Phase zehn Ladestationen auf öffentlichem Grund vorsehe, sagte Chalupecky, „aber nur für Taxis“. Die Umstellung werde mit 8.000 Euro pro Auto gefördert. Für die Zukunft sei auch ein Bus-Projekt geplant, da sei aber die technische Ausschreibung erst in der Entwicklung. In anderen Großstädten Österreichs sei die Lage „deutlich entspannter“ als in Wien.

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