Ministertreffen zu islamischen Kindergärten

In der Kontroverse um islamische Kindergärten und -gruppen gibt es am Donnerstag ein Politikertreffen. Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) und die Stadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger (beide SPÖ) werden sich beraten.

Bei dem Treffen am Donnerstagnachmittag im Außenministerium werde die „Vor-Studie“ zu islamischen Kindergärten und -gruppen besprochen, die derzeit für Wirbel sorgt, bestätigte Wehselys Sprecherin. Auch die weitere Vorgangsweise soll beraten werden. Dabei sein werde auch Ednan Aslan vom Institut für islamische Studien der Uni Wien, das die Untersuchung durchgeführt hat, teilte Kurz’ Sprecher der APA am Montagnachmittag mit.

Frauenberger und Wehsely
APA/Herbert Neubauer
Wehsely und Frauenberger, hier bei einem Welt-Aids-Tag-Termin, treffen am Donnerstag Kurz

Die Zwischenergebnisse der Erhebung sorgen für Aufregung, weil etwa bei den Trägern der untersuchten Einrichtungen teils extremistische Gruppen als Hintermänner vermutet werden. Die Stadt Wien hat sich bereits zu „Konsequenzen bis zur Schließung“ bereit gezeigt - mehr dazu in Islamische Kindergärten: Wien will Informationen.

Minister will mehr Zugang für Studie

Man brauche die Kooperation der Stadt Wien „für eine flächendeckende Begutachtung und Kontrolle der islamischen Kindergärten“, betonte der Sprecher des Ministers. Ziel sei es, dass Aslan mit seinem Team umfassenden Zugang erhält, damit er eine umfassende Studie erstellen könne.

Im Büro von Wehsely betonte man auf APA-Anfrage am Montag erneut, dass man bisher die Resultate der Untersuchung des Instituts für islamische Studien der Uni Wien unter der Leitung von Ednan Aslan nicht vorliegen habe. Laut Ministeriumssprecher wurde die Studie Montagmittag an die Büros der Stadträtinnen Frauenberger und Wehsely übermittelt. Dort hieß es jedenfalls: „Wir schauen nicht weg, sondern werden jedem konkreten Vorwurf nachgehen. Dabei werden wir überprüfen, ob die jetzigen Kontrollmöglichkeiten ausreichen.“

IGGiÖ findet Untersuchung „unmenschlich“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) zeigte sich am Montag angesichts der Untersuchung enttäuscht, dass muslimische Kindergärten extra untersucht werden. In einem demokratischen Land dürfe man die Bürger nicht nach Glauben qualifizieren, das sei „undemokratisch und auch unmenschlich“, meinte IGGiÖ-Präsident Fuat Sanac im Ö1-„Mittagsjournal“ - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Für alle Kindergärten gelten dieselben Gesetze, betonte Sanac. Die Stadt Wien erteile nach einer Prüfung die Genehmigung und kontrolliere die Einrichtungen. In den Kindergärten, die er besucht habe, werde grundsätzlich Deutsch gesprochen, erklärte Sanac, außer es gehe beispielsweise um Tischgebete oder bestimmte Begriffe aus dem Koran. Den Vorwurf, dass einige Kindergärten einen salafistischen Hintergrund hätten, nannte er lächerlich.

Kindergarten
Colourbox.de
Zahlen über konfessionelle Kindergärten gibt es in Wien laut MA 11 nicht

Güngör: „Zu starker Protektionismus“

Die Kritik der IGGiÖ teilt der Soziologe Kenan Güngör nicht: „Es tut den muslimischen und islamischen Einrichtungen selber gut, wenn sie die Spreu vom Weizen besser trennen können", sagte er am Montag im Ö1-Mittagsjournal. Derzeit beobachte er manchmal einen „zu starken Protektionismus“ aus einem Schutzgedanken heraus - mehr dazu in oe1.ORF.at

Die Studie begrüßte Güngör, bisher gebe es in dem Bereich keine empirischen Daten. Es gehe um die Zukunft der Kinder, „deswegen dürfen wir uns den Luxus nicht leisten, dort nicht genauer hinzuschauen.“ Gleichzeitig müsse man differenzieren, so Güngör: „Wir reden nicht von den islamischen Kindergärten im Allgemeinen sondern von einem problematischen Teil innerhalb dieser Kindergärten.“

Wien erhebt Religion bei Kindergärten nicht

Die zuständige Magistratsabteilung zu Wort MA 11 erklärte unterdessen am Montag, dass Wien die religiöse Ausrichtung von Kindergärten und -gruppen nicht erhebe - anders als zum Beispiel Niederösterreich. „Das kommt im Wiener Kindergartengesetz nicht vor“, so deren Sprecherin Herta Staffa. Insofern habe die Stadt auch keine Zahlen, wie viele christliche, jüdische oder islamische Kindergärten bzw. -gruppen es gebe - mehr dazu in Wien erhebt Religion bei Kindergärten nicht.

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