Viele Flüchtlingsprojekte aktiv

Zahlreiche Kulturinstitutionen in Wien haben im September angekündigt, Flüchtlinge unterstützen zu wollen. Drei Monate später sind aus vielen Plänen konkrete Projekte geworden, wie ein Überblick der APA zeigt.

Staatsoper und Burgtheater, die Wiener Symphoniker ebenso wie die Wiener Philharmoniker waren nur einige jener Institutionen, die auf die Flüchtlingskrise reagieren wollten und diverse Aktionen sowie Spendenaktionen in den Raum stellten. Beispielsweise öffentliche Proben und Theaterarbeit mit Flüchtlingskindern waren nur einige davon - mehr dazu in Oper und Orchester für Flüchtlinge.

Theaterstücke, Probenbesuche, Lampenverkauf

Das Burgtheater sammelt seit der Premiere von Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ im Frühjahr bei jeder Vorstellung für den Flüchtlingsfonds der Caritas. Dabei und bei einer Benefizmatinee im Oktober kamen insgesamt mehr als 26.000 Euro zusammen. Die „Junge Burg“ erarbeitet mit Flüchtlingen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund ein Theaterstück unter dem Titel „Gimme Shelter“, das im Juni 2016 gezeigt wird. Daneben gibt es den kostenlosen Workshop „Theater und Sprache“ für Flüchtlinge.

Das Theater in der Josefstadt unterstützt zwei Flüchtlingsfamilien aus dem Irak und Syrien. Zwei Wohnungen wurden angemietet, die Familien bekommen zweimal wöchentlich Deutschunterricht und werden bei allen Behördenwegen unterstützt. Im Volkstheater kamen bei einer Sammelaktion im Oktober 10.600 Euro für das Rote Kreuz zusammen. Zudem gibt es eine Reihe von Aktionen, wie etwa Theaterprojekte mit Flüchtlingen oder den „Offenen Theatersalon“ jeden Mittwoch, einem Theatertraining mit rund 20 Jugendlichen aus dem Geord-Danzer-Haus Stockerau.

brut Wien verkaufte bei der Lichteraktion am Karlsplatz Lampen für den guten Zweck. Bisher wurden rund 5.000 Euro eingenommen. Am 23. Jänner findet eine Abendveranstaltung mit dem „Verein Flucht nach vorn“ im brut statt.

Voices for Refugees
APA/Herbert Pfarrhofer
Voices for Refugees am Heldenplatz

Lehrveranstaltungen, Workshops, Spenden

Neben Theatern sind auch Orchester und Bildungsinstitutionen wie die Universität für angewandte Kunst aktiv geworden. So spendete die Universität für Angewandte Kunst Wien etwa die Erlöse aus dem alljährlichen Weihnachtsmarkt an „Hello Vozo“, um Projekte in der Asylwerberunterkunft in der Nähe der Uni zu unterstützen. Es wurde ein Kaffeehaus eingerichtet, wo Studierende und Lehrende einmal pro Woche Projekte mit Flüchtlingen besprechen und ausarbeiten, etwa kürzlich einen Workshop für Möbelbau.

Außerdem ist die Angewandte Teil der Flüchtlingsinitiative „MORE“ an den österreichischen Universitäten. Hier werden Lehrveranstaltungen, Praktika, Vorlesungen und Workshops speziell für Asylwerber angeboten. Die Österreichische Nationalbibliothek betreibt unter anderem das Projekt „Willkommen in Österreich. Deutschlernen an der ÖNB“. Rund 50 Mitarbeiter des Hauses unterrichten bzw. begleiten die Flüchtlinge auf ihrem Weg von ihrer Unterkunft zur ÖNB und zurück.

Neben freiem Eintritt für Flüchtlinge und Begleitpersonen in das Kunsthistorische Museum (KHM) gibt es unter anderem auch eine Workshop-Reihe mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit der Caritas. Das MUMOK spendet einen Teil der Eintrittsgelder der Caritas. Ein Benefizabend im Naturhistorischen Museum erbrachte mehr als 20.000 Euro für die Wiener Flüchtlingshilfe.

Der 16-jährige Omid aus Afghanistan am Donnerstag, 10. Dezember 2015, während des Termins "Junge Flüchtlinge bedanken sich musikalisch bei den Wiener Philharmonikern" im "Haus Sidra" in Wien.
APA/Helmut Fohringer
Der 16-jährige Omid aus Afghanistan am Donnerstag, 10. Dezember 2015, während des Termins „Junge Flüchtlinge bedanken sich musikalisch bei den Wiener Philharmonikern“ im „Haus Sidra“ in Wien.

Crowdfunding, Benefizkonzerte, Infrastruktur

Mitarbeiter der Staatsoper spendeten mehr als 4.500 Euro der Caritas. Die Streaming-Infrastuktur für Opernübertragungen kam unter anderem auch beim Solidaritätskonzert der Volkshilfe „Voices for Refugees“ auf dem Heldenplatz Anfang Oktober zum Einsatz. Weiters unterstützt die Staatsoper auch das Projekt „Haus für Asylsuchende“ der Wiener Philharmoniker in St. Aegyd in Niederösterreich - mehr dazu in Philharmoniker-Haus für Flüchtlinge. Der derzeitige Stand beim Crowdfunding beträgt rund 140.000 Euro. Als Ziel werden 250.000 Euro angestrebt.

Die Volksoper sammelt bei ausgewählten Vorstellungen Spenden für ein Flüchtlingshaus. Die Wiener Symphoniker erspielten bei einem Konzert für die Caritas Flüchtlingshilfe im Stephansdom am 5. Dezember mehr als 50.000 Euro. Flüchtlinge wurden gemeinsam mit dem Musikverein zu insgesamt drei Proben eingeladen. Im Rahmen von Benefizkonzerten spendeten Besucher im Wiener Konzerthaus bisher knapp 117.000 Euro.

Nicht zuletzt im Rahmen dieser unvollständigen Aufzählung zahlreicher Projekte sei noch der Wiener Künstler Raoul Haspel genannt. Er veröffentlichte im Herbst seinen Song „Schweigeminute“. Bisher wurden durch dieses Projekt 14.000 Euro gespendet - mehr dazu in „Schweigeminute“ für Flüchtlinge veröffentlicht.

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