Kinderärzte: Pilz unterstützt Ärzte

Die Grippewelle hat Wien fest im Griff. Sieben Kinderärzte folgten einem Aufruf der Ärztekammer und hielten ihre Praxis am Wochenende offen. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz betont nun ebenfalls, dass insgesamt 300 Kassenärzte fehlen.

Bemerkenswert ist die seltene Einigkeit der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft mit der Ärztekammer: „Tatsächlich hat die Ärztekammer in dem Punkt recht. Es muss einen Ausbau insbesondere in den Flächenbezirken an Kinderärzten und Kinderärztinnen geben. Das ist eine klare Unterversorgung“, sagte Sigrid Pilz am Samstag in „Wien heute“. Diese Unterversorgung kann nur überfüllte Ambulanzen zur Folge haben, da zwinge man die Menschen praktisch in die Spitalsambulanzen, so Pilz.

Patientenanwältin Pilz im Interview

Im „Wien heute“-Studio fordert die Wiener PatientInnenanwältin Sigrid Pilz mehr Kinderärzte für Wien.

Pilz fordert eine ordentliche Regelversorgung in der Kindermedizin im niedergelassenen Bereich. Das heißt auch, genügend Ärzte am Wochenende und einen Kinderärztlichen Notdienst, der auch Hausbesuche macht. Dass es das noch nicht gibt, sei ein Defizit, das dringend behoben werden muss, betonte die Patientenanwältin. Insgesamt würden in Wien 300 Ärzte mit Kassenvertrag fehlen - also nicht nur Kinderärzte.

Sieben Kinderärzte halten am Wochenende offen

In dieser Woche gab es rund 10.000 Neuerkrankungen. Um die Ambulanzen in den Spitälern zu entlasten, hatte die Ärztekammer Kinderärzte dazu aufgerufen, auch am Wochenende aufzusperren - mehr dazu in Wegen Grippewelle helfen Kinderärzte aus. Tatsächlich dürfte an diesem Wochenende das große Chaos im Vergleich zum vergangenen Wochenende ausgeblieben sein. Mit ein Grund dafür: Insgesamt sind sieben Kinderärzte dem Ersuchen der Ärztekammer gefolgt und hielten am Samstag und am Sonntag ihre Ordinationen offen.

Bis Samstagabend gingen knapp 200 Anrufe beim Ärztefunkdienst, der die Zuteilung zu den offenen Ordinationen vornimmt, ein. Dabei wurden laut Ärztekammer 132 Visiten vom Ärztefunkdienst selbst durchgeführt, 65 Kinder wurden entweder beraten, an eine offene Kinderarztordination weitergeleitet oder bei gröberen Beschwerden an eine Kinderambulanz verwiesen.

Kinderambulanz
ORF
KInderambulanz im SMZ Ost

Mehr Kinderärzte brachten offenbar Erleichterung

Auch beim Ärztefunkdienst ist die Zahl der behandelnden Kinderärzte an diesem Wochenende verdoppelt worden. Der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, sprach am Sonntag von einem „vollen Erfolg“. Das sei der Beweis, „dass Wiens Ärztinnen und Ärzte für ihre Patienten auch unter schwierigsten Bedingungen und trotz bürokratischer Hürden da sind und entsprechend einspringen, wenn andere Institutionen versagen“.

Für Steinhart ist der hohe Zuspruch der Patienten ein Beweis dafür, wie hoch der Bedarf an der Versorgung auch durch niedergelassene Ärzte in Wien ist. Dafür bedürfe es aber einer fairen Finanzierung der Wochenenddienste sowie der sofortigen Abschaffung patientenfeindlicher Vertretungsbestimmungen. Steinhart wiederholte seine Forderungen, 300 zusätzliche Kassenplanstellen müssten in Wien sofort geschaffen werden, um die Leistungen aufrechterhalten zu können. In den Ordinationen brauche es mehr und vor allem flexiblere Angebote, besonders für die kinderärztliche Versorgung.

KAV: Hoher Andrang, kein Ansturm

Von einem hohen Andrang in den Kinderambulanzen der Wiener Gemeindespitäler berichtete der Krankenanstaltenverbund (KAV) am Sonntag. Einen Ansturm wie am Wochenende davor habe es nicht gegeben. Je rund 200 Kinder wurden von Samstagfrüh bis Sonntagmittag im Wilhelminenspital, im Kaiser-Franz-Josef-Spital und in der Rudolfstiftung behandelt. Im Donauspital zählte man 250 kleine Patienten, an der AKH-Kinderambulanz rund 120 und beim externen Kinderarzt, der am Wochenende im AKH ordiniert, 94.

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