Burgtheater: Gutachten belastet Stantejsky

In die Causa Burgtheater kommt Bewegung. Ein Gutachten für die Korruptionsstaatsanwaltschaft belastet die damalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky schwer - im Gegensatz zu Ex-Direktor Matthias Hartmann.

Die Vorwürfe gegenüber Stantejsky betreffen Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung, berichtet „News“ in seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte das Vorliegen des Gutachtens am Freitag. Dieses werde derzeit geprüft, anschließend werde es „jedenfalls noch ergänzende Vernehmungen geben“. Die Ermittlungen seien derzeit noch nicht abgeschlossen.

Silvia Stantejsky
APA/Herbert Pfarrhofer
Silvia Stantejsky weist die Vorwürfe von Bilanzfälschung zurück

Anschuldigungen übersteigen bisher Bekanntes

Die nun veröffentlichten Anschuldigungen erweitern das bisher gekannte Ausmaß: So habe das Burgtheater laut dem Gutachten zumindest ab dem Jahr 2004 Abgaben in der Höhe von rund 2,4 Mio. Euro vorenthalten, indem Dienstnehmer und Künstler schwarz beschäftigt wurden. Darunter fallen laut „News“ 1,9 Mio. an Lohn- und Einkommenssteuer, 119.000 Euro an Kommunalsteuer und 310.000 Euro an Beiträgen für die Gebietskrankenkasse.

Wie bereits im Vorfeld bekannt, kritisiert nun auch der Gutachter Stantejskys Praxis, in großer Zahl mündliche Verträge abgeschlossen, Handgeld verteilt und Barzahlungen in Höhe von jährlich hunderttausenden Euro getätigt zu haben. Gagen in Höhe von 4,5 Mio. Euro sollen unversteuert an ausländische Künstler geflossen sein.

Stantejsky bestreitet Bilanzfälschung

Beim Thema Bilanzfälschung geht es im Gutachten nicht nur um die bisher diskutierte verlängerte Abschreibung von Bühnenbildern von drei auf fünf Jahre. Es hätten sich auch Beweise dafür gefunden, dass Stantejsky „bereits offenkundig skartierte (vernichtete, Anm.) Produktionen als werthaltige Posten im Anlagevermögen dargestellt“ habe. Diese Vorgehensweise habe „eine wesentliche Fehldarstellung der Jahresabschlüsse zum 31.8. der Jahre 2008 bis 2013“ bewirkt, zitiert „News“ aus dem Gutachten.

Hartmann vor einer Kamera
APA/Neubauer
Ex-Direktor Hartmann wird durch das neue Gutachten nicht belastet

Auch habe Stantejsky falsche Daten zur Berechnung der Abfertigungs- und Jubiläumsrückstellungen übermittelt, die dazu führen sollten, die entsprechenden Rückstellungen niedrig zu halten. Über den entlassenen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann heißt es, dass seine Mitwirkung an der Bilanzierung nicht feststellbar gewesen sei.

Stantejsky bestreitet gegenüber „News“ über ihre Anwältinnen alle Vorwürfe, vor allem jene der Bilanzfälschung. Bei der Abgabenhinterziehung habe es Selbstanzeigen gegeben - mehr dazu in Burgtheater: Ex-Finanzchefin legte Geständnis ab.

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