Wiener Linien kaufen 20-Meter-Busse

In Wien werden ab nächstem Jahr erstmals XL-Busse mit Platz für je 160 Fahrgäste unterwegs sein. 62 Busse mit 20 Meter Länge werden gekauft. Außerdem wird eine dritte Linie komplett auf E-Bus-Betrieb umgestellt.

Rund 160 Fahrgäste pro Bus, das bedeutet ein 20-prozentiges Plus bei der Kapazität im Vergleich zum derzeit längsten Modell im Wiener Netz, dem 18-Meter-Gelenkbus. Dieser ist aktuell auf diversen Linien - darunter 7A, 10A, 13A, 48A, 62A und 74A - unterwegs. Der neue, noch größere Bus wird ebenfalls ein Gelenk in der Mitte haben, wo das Fahrzeug gewissermaßen knickbar ist. Umbauten an den Haltestellen brauche es nicht, wird versichert.

20-Meter-Busse
APA / Wiener Linien

Kein Handlungsbedarf bei 13A

Zum Einsatz kommen würden die überlangen Busse vor allem auf viel frequentierten Linien, sagte Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Den Anfang wird die Linie 11A im Lauf des kommenden Jahres machen, dann folgen weitere wie 26A und 48A. Wie viele Linien letztlich auf die 62 XL-Busse umgestellt werden, steht noch nicht fest.

Fix ist nur, dass der Tausch schrittweise erfolgt, da die gesamte Flotte erst bis 2019 ausgeliefert sein wird. Der 13A wird jedenfalls nicht damit befahren werden. Hier gibt es laut Steinbauer keinen Handlungsbedarf, da man durch den Einsatz der 18-Meter-Busse erst im Vorjahr die Kapazität deutlich erhöht habe.

Denn die 20-Meter-Modelle sind Teil der Ausschreibung für einen gut 200 Fahrzeuge umfassenden Auftrag. Er beinhaltet zudem 53 Normalbusse mit zwölf Meter Länge sowie 84 Gelenkbusse, die 18 Meter messen. Der Zuschlag wird gegen Ende des Jahres erfolgen.

„Das gibt es bisher in ganz Europa nicht“

In dieser Ausschreibung inkludiert sind auch bis zu sieben Elektrobusse. „Wir werden nämlich 2017 eine weitere Linie auf Strombetrieb umstellen“, kündigte die zustänidge Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) an. Um welche Linie es sich handelt, ist noch offen. Fix ist, dass eine Route im dicht verbauten Gebiet, also eher im innerstädtischen Bereich, ausgewählt wird.

Derzeit kurven in der Stadt insgesamt zwölf E-Busse auf den Linien 2A und 3A herum. Sie messen allerdings nur 7,7 Meter, die neuen Fahrzeuge werden zwölf Meter lang sein. „Das gibt es bisher in ganz Europa nicht“, heißt es bei den Wiener Linien. Dafür werden auch zusätzliche Ladestationen errichtet, bei denen sich die Busse über einen Stromabnehmer auf dem Dach selbst betanken können.

Flüssiggasantriebe bald Geschichte

Dabei hatte der Rechnungshof erst Mitte Februar in einem Rohbericht die hohen Anschaffungskosten für die strombetriebenen Modelle aufgezeigt. Die City-E-Busse waren laut RH um 45 Prozent teurer als vergleichbare Dieselfahrzeuge, so die Prüfer. Dennoch verteidigte Sima nun die Entscheidung für eine Ausweitung der Flotte.

Denn der Ökogedanke stehe hier im Vordergrund, man sei schließlich Umweltmusterstadt. Außerdem wolle man einen Beitrag dazu leisten, dass sich der Markt weiterentwickle und die Preise dadurch sänken, betonte die Ressortchefin - mehr dazu in Wiener Linien: RH-Kritik an hohen Kosten. Wenn alle neuen Modelle im Lauf des Jahres 2019 ausgeliefert sein werden, besteht der gesamte Busfuhrpark aus Diesel- und Elektrofahrzeugen. Die Flüssiggasantriebe sind dann Geschichte. Dieser Typ wird bereits jetzt sukzessive ausgetauscht.

„Hoher zweistelliger Millionenbetrag“

Immerhin läuft die Flottenerneuerung der Wiener Linien bereits seit 2013. Damals wurden 217 Fahrzeuge beauftragt - ein Löwenanteil entfiel auf den Mercedes Citaro. Die Auslieferung dieser ersten Tranche ist inzwischen so gut wie abgeschlossen. Mit der zweiten, gut 200 Busse umfassenden Tranche ist der Fahrzeugtausch 2019 komplett abgeschlossen. Das Volumen beziffert man bei den Wiener Linien mit einem „hohen zweistelligen Millionenbetrag“. Zum Vergleich: Die ersten 217 Stück schlugen mit rund 60 Millionen Euro zu Buche.

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