Stadt stoppt Heumarkt-Hochhaus

Die Stadt Wien stoppt die umstrittene Umgestaltung für das Areal beim Wiener Eislaufverein. Die grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou plädierte für eine „Nachdenkpause“. Die Projektbetreiber können die Folgen nicht abschätzen.

„Es liegen nun alle fachlichen Beurteilungen des Magistrats und des Fachbeirates für Architektur und Stadtgestaltung vor“, so Vassilakou. Darin würden starke Bedenken gegen das Projekt angeführt. Aus Sicht der Stadtplanung sei daher eine „Weiterverfolgung der Flächenwidmung und etwaige Vorlage an den Gemeinderat des vorliegenden Projektes nicht möglich“.

Vassilakou lobte aber ausdrücklich den Betreiber des Projekts am Heumarkt, die Wertinvest Hotelbetriebs GmbH. Dieser habe ausgezeichnet kooperiert und sei hochprofessionell vorgegangen. Im Rathaus hofft man nun auf neue Pläne für das auch als Heumarkt-Areal firmierende Grätzel.

Modell des geplanten Hochhauses am Heumarkt beim Eislaufverein
ORF
Modell des geplanten Hochhauses neben dem Hotel InterContinental

Projekt ist somit Geschichte

Was die Entscheidung für den Projektbetreiber bedeutet, kann Wertinvest laut eigenen Angaben derzeit nicht beurteilen: „Wir werden selbstverständlich nachdenken - so wie wir dies seit Planungsbeginn 2012 im intensiven Dialog mit allen tun“, versprach Geschäftsführerin Daniela Enzi. Man erwarte jedoch Vorgaben von Vassilakou, „worüber und in welcher Richtung wir nachdenken sollen“.

Das Projekt des Brasilianische Architekten Isay Weinfeld ist in der ursprünglichen Form somit Geschichte. Eine Neugestaltung der in die Jahre gekommenen Fläche sei aber sehr wohl nötig, befand Vassilakou. Denn das Areal sei momentan wenig attraktiv. „Und die Stadt bekennt sich auch zum Hotel- und Kongressstandort Wien“, versicherte sie. Es müsse nun eine „tragfähige Lösung“ für das „hochsensible Areal“ erarbeitet werden.

Am Rande des Weltkulturerbe-Kerngebiets

Dass auch die UNESCO zuletzt Bedenken geäußert hat, war laut Vassilakou kein unmittelbares Motiv für die Entscheidung. „Ich halte wenig davon, Diskussionen um das Weltkulturerbe anhand eines einzelnen Projektes zu führen“, stellte sie klar. Wobei sie hinzufügte, dass es ihr ein großes Anliegen sei, die historische Bausubstanz der Stadt zu schützen.

TV-Hinweis:

„Wien heute“, 13.5.2016, 19.00 Uhr, ORF 2 und dann in tvthek.ORF.at.

Das Gebiet rund um den Wiener Eislaufverein (WEV), das Konzerthaus, die Flächen des WEV und das Hotel InterContinental Wien zählt seit Jahrzehnten zu einem der meist diskutierten Bereiche der Wiener Ringstraßen-Bebauung. Der Bereich liegt im östlichen Teil dieses ehemaligen Glacis, ist abgegrenzt durch die Straßenzüge Johannesgasse, Am Heumarkt, Lisztstraße und Lothringerstraße. Damit befindet sich dieser Block im Randbereich des Kerngebiets des Weltkulturerbes des historischen Zentrums Wiens.

Projekt sorgt seit Jahren für Diskussionen

Die geplante Umgestaltung des Areals Hotel Intercontinental/Eislaufverein/Konzerthaus hat in den letzten Jahren weitreichende Vorarbeiten nach sich gezogen. Dazu fand ein umfangreiches kooperatives Planungsverfahren statt, auf dessen Grundlage ein internationaler Architekturwettbewerb ausgelobt wurde und das bestehende Projekt von einer renommierten Jury als Siegerprojekt gekürt wurde. Trotz dieses Verfahrens gibt es nach mehreren Jahren Vorarbeit nach wie vor offene Fragen und Bedenken.

Insbesondere äußerte der Fachbeirat für Architektur und Stadtgestaltung in seiner letzten Sitzung diese Woche massive Bedenken, unter anderem in Bezug auf die Proportionalität, die Höhe der Gebäude, die Breite der Durchwegung sowie das Hereinragen der Eisfläche in den Straßenraum. Zusätzlich wurden im Rahmen der Strategischen Umweltprüfung „deutlich negative Auswirkungen“ auf das Stadtbild festgestellt. Weiters gibt es noch keine finale Zustimmung des Wiener Eislaufvereins zum Projekt.

Areal „eines der Herzstücke der Stadt“

In der vorliegenden Form könne daher für dieses Vorhaben kein Widmungsverfahren eingeleitet werden. Die Stadt Wien steht weiterhin zum Wiener Eislaufverein und seiner langfristigen Absicherung. Ebenso dazu, dass das Heumarkt-Areal zur Zeit nicht attraktiv ist und eine Verbesserung braucht. Die Stadt Wien bekennt sich zum Hotel- und Konferenz-Standort Wien.

„Beim Areal am Heumarkt handelt es sich allerdings um einen besonderen Ort in der Stadt. Dieser Platz ist eine Attraktion und eines der Herzstücke unserer Stadt. Das Eislaufen mitten in der Stadt hat Tradition, hat Flair und sorgt für Freude. Und mit dem Konzerthaus steht hier eines der zwei großen Musikhäuser der Stadt“, sagte Vassilakou.

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