Schießerei: Zweiter Verdächtiger verhaftet

Die Polizei hat nach dem Raubüberfall und der Schießerei in Penzing, bei der zwei Polizisten schwer verletzt wurden, einen zweiten Verdächtigen festgenommen. Das sagte Polizeipräsident Gerhard Pürstl in „Wien heute“.

„Es ist der Wiener Polizei gelungen, einen weiteren Mann auszuforschen, den man als tatverdächtig bezeichnen kann", sagte Pürstl in einem Interview mit „Wien heute“-Chefredakteur Paul Tesarek am Montagabend. „Das ist ein Mann, der den unmittelbaren Täter beherbergt hat, der mit ihm gewohnt hat. Es wurden in der Wohnung Waffen aufgefunden, der Mann hat auch mit einem Carsharing-Auto den unmittelbaren Täter zum Tatort gebracht und dann außerhalb des Tatorts in einem Lokal auf ihn gewartet.“ Der Verdächtige, ein österreichischer Staatsbürger, wurde festgenommen.

Gerhard Pürstl
ORF
Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl im „Wien heute“-Interview

Verletzter Polizist: „Zustand kritisch“

Der Hintergrund: Am Samstag wollte ein 49-jähriger Mann eine Billa-Filiale auf der Hütteldorfer Straße überfallen. Der gebürtige Bosnier fesselte drei Angestellte und schoss auf die Polizeibeamten, die an der Hintertür der Filiale klopften.

Einer der beiden Polizisten wurde durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Er wurde am Montag per Hubschrauber in ein Kärntner Krankenhaus verlegt. Sein Zustand ist weiterhin kritisch. Die Verlegung erfolgte auf Wunsch der Familie. Pürstl: „Es hat sich leider am Gesundheitszustand des Beamten, der äußerst kritisch ist, nichts geändert. Es ist alles in Schwebe“. Dem ebenfalls schwer verletzten zweiten Beamten, ein Polizeischüler, sei es am Montag bereits besser gegangen. Er musste aber weiter in stationärer Behandlung bleiben. Der 49-jährige Räuber wurde beim Einsatz von WEGA-Beamten erschossen - mehr dazu in Angeschossener Polizist nach Kärnten verlegt.

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Augenzeuge filmte Raubüberfall

Ein Augenzeuge filmte nur wenige Sekunden nach den ersten Schüssen in der Hütteldorfer Straße aus dem Auto heraus mit seinem Handy den Überfall.

Die Kritik, dass auch so junge Polizisten zu einem Raubüberfall geschickt würden, ließ Pürstl nicht gelten: „Es sind zwei Funkwägen zu diesem Einsatz hingefahren. Da war auch ein sehr erfahrener Kollege dabei. Man hat sich dort den Einsatz aufgeteilt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass etwa mangelnde Berufserfahrung oder besonders junges Alter hier eine Rolle gespielt hätten, dass etwa der Tatverlauf hier deswegen so abgelaufen ist, wie er abgelaufen ist.“

Mehrere Alarmauslösungen pro Stunde

Pürstl verwies auch darauf, dass die Wiener Polizei etwa 16.000 Einsätze pro Jahr aufgrund von Alarmauslösungen hat, das seien „über 40 am Tag, also pro Stunde mehrere“.

Sendungshinweis

„Wien heute“ vom 4. 7. 2016

„Der derzeitige Ermittlungsstand zeigt nicht auf, dass der Vorfall durch mangelnde oder schlechte Ausbildung zustande gekommen ist. Es war einfach eine Situation, wo ein Täter aus einer Tür heraustritt, unvermutet die Waffe schon in der Hand hat, unvermutet auf die Beamten zielt und einem Kollegen in den Kopf trifft. Das ist etwas, das sich vermutlich auch durch bessere Ausbildung nur schwer verhindern hätte lassen“, so Prüstl weiter.

Personalvertreter fordern schusssichere Ausrüstung

Als „tragische und unglückliche Amtshandlung“ bezeichnete hingegen Harald Segall, SPÖ-Gewerkschafter und Vorsitzender der Personalvertretung der Wiener Polizei, die Schießerei am Samstag. Das kaltblütige Vorgehen des Täters unterstreiche die Notwendigkeit einer schusssicheren Ausrüstung für die Exekutive. Segall zeigte sich am Montag erfreut, dass die Gewerkschaft mit ihrer Forderung nach schusssicheren Westen für alle Polizisten Gehör fand: „Diese Forderung wird bundesweit umgesetzt.“

Darüber hinaus möchte Segall, dass künftig jeder Streifenwagen mit ballistischen Helmen ausgestattet wird, auf die von Polizeibeamten bei einer entsprechenden Gefahrenlage zugegriffen werden kann. Das sei - losgelöst vom Überfall vom vergangenen Samstag - in Zeiten von terroristischer Bedrohung „dringend geboten“.

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