Sehnsucht nach „trashiger“ Copa Cagrana

Studierende der Akademie der bildenden Künste haben die Copa Cagrana im Zuge eines Forschungsprojekts mit Bildungsveranstaltungen bespielt und dabei auch einen Blick auf die einst „trashige“ Kultstätte geworfen.

„Es gibt Leute, die den trashigen Charme der Copa Cagrana der 80er-Jahre vermissen“, sagt die Architektin und Projektkoordinatorin an der Akademie der bildenden Künste, Antje Lehn im Gespräch mit wien.ORF.at. Das sei eine jener Beobachtungen, die die 17 Studentinnen und Studenten zwischen Mitte Mai und Mitte Juni angestellt hätten.

„Chautauqua“ auf der Copa Cagrana

Der Ausgangspunkt für das wissenschaftliche Projekt sei die sogenannte „Chautauqua“ - eine US-amerikanische Bewegung, die 1874 gegründet wurde und es sich zur Aufgabe gemacht hatte, mit mobilen Einrichtungen Bildung und Kultur in Form diverser Veranstaltungen unter die Leute zu bringen. Auf der Donauinsel diente den Studierenden ein einfacher Lagercontainer als Labor und Basis, von wo aus sie ihr Forschungsobjekt - die Copa Cagrana - beobachteten.

Es sei ein vielfältiger Ort, über den man sehr differenziert nachdenken müsse, sagt Lehn. Im Rahmen ihrer Initiative wollten auch die Studierenden den Anrainern und Interessierten ein möglichst breites Angebot an Veranstaltungen bieten. Sie organisierten Workshops, Diskussionen und Vorträge oder luden Künstler und Musiker ein, die direkt vor Ort aktiv wurden.

Das Projekt fiel in eine ereignisreiche Phase für die Copa Cagrana. Das Areal war in den 1980er- und 90er-Jahren als beliebtes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Lokalen entlang der Donau erfolgreich. Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Stadt Wien und dem nun ehemaligen Generalpächter Norbert Weber hinterließ allerdings deutliche Spuren. „Wir haben beobachtet, wie sich der Ort von sehr voll gebaut fast zur Brachlandschaft verändert hat“, sagt Lehn - mehr dazu in Alte Copa Cagrana wird abgerissen.

Lehn: „Ort der Integration“

Die Copa Cagrana sei aus einem Überschwemmungsgebiet ohne jeden kommerziellen Wert entstanden, sagt Lehn, und es „hat auch die größtmögliche Freiheit eröffnet. Es war ein Freiraum mit Platz für alle“. Bei der Umgestaltung beobachte die Architektin nun die „Tendenz, dass man es zu sehr kommerzialisiert“. Es reiche nicht, ein paar Freiräume zu lassen. Es müssten unterschiedliche Strukturen geschaffen werden, um die Vielfalt der Menschen anzusprechen, sagt Lehn - - mehr dazu in Neugestaltung: Copa Cagrana wird „CopaNEU“.

„Das würde auch heißen, dass man unterschiedliche Leute aushält und dass es nicht so homogen ist - unsere Gesellschaft ist ja auch nicht homogen“, sagt Lehn. Über die Jahre hinweg kamen und gingen vielerlei Angebote auf der Copa Cagrana. Ein Boxclub zählt zu den am meisten umstrittenen. Dabei könnten „solche Orte fantastische Integrationsorte sein. Die muss man aushalten, aber die haben auch Potenzial“, sagt Lehn - mehr dazu in Copa Cagrana: „Fight Club“ sorgt für Wirbel.

Mit den Studierenden habe sie einen Ort entdeckt, „der etwas speziell Wienerisches und einen eigenständigen Charakter hat und es wäre schön, wenn man den nicht ignorieren würde“, sagt Lehn. Am 30. September zeigen die Studierenden im Rahmen einer Ausstellung ihre Erkenntnisse des wissenschaftlichen Projekts.

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