Aufstockung am Karlsplatz: Heftiger Protest

Wieder sorgt ein Bauprojekt in der Innenstadt für Aufregung: Direkt neben der Karlskirche soll das Bürogebäude der Zürich Versicherung um zwei Stockwerke wachsen. Bei einer Bürgerversammlung gab es dagegen heftigen Protest.

Da das Wien Museum umgestaltet wird - und in die Höhe wächst - soll auch das zweite Gebäude auf dieser Seite des Karlsplatzes wachsen. Das sieht zumindest das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs zum so genannten Winterthur-Haus derzeit vor. Konkret sollen zwei Stockwerke sowie eine weitere zurückgesetzte Etage dazukommen.

Außerdem soll die Überbrückung zwischen dem Bürogebäude, das der Zürich Versicherung gehört, und dem Wien Museum abgebrochen werden. Damit möchte man sich laut Architekten der Höhe des neuen Wien Museums sowie der umliegenden Gebäude anpassen und ein harmonischeres Gesamtbild erreichen - mehr dazu in Protest gegen Bauvorhaben am Karlsplatz.

Anrainer orten „Verschandelung“

Bei der Aufstockung soll auch das Design des 1971 von Architekten Georg Lippert errichteten Gebäudes fortgeführt werden, wie Silvia Emrich, Vorstandsmitglied der Zürich Versicherung gegenüber „Wien heute“ erklärte. Auf wenig Verständnis stießen diese Pläne allerdings bei den Besuchern der Bürgerversammlung am Mittwochabend, die der Bezirk auf Verlangen von ÖVP und FPÖ einberufen hatte. Rund 150 Menschen hatten sich im Treitlsaal der Technischen Universität Wien versammelt - sie sprachen sich mehrheitlich gegen die Aufstockung aus.

Winterthur Haus Karlsplatz
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Das Winterthur-Haus soll zwei Stockwerke mehr bekommen

Von einer „Frechheit“ und einer „Verschandelung der schönsten Barockkirche Europas“ war die Rede. „Es ist ein Messer, das in die Karlskirche hineinsticht“, diagnostizierte eine Anrainerin im ca. 150-Personen-starken Publikum, das auch mit vielen Architekten besetzt war. Andere orteten gar Profitgier der Stadt - jedenfalls setzte es für Kritiker viel Applaus, wer das Projekt verteidigen wollte, erntete kaum Zustimmung und in einem Fall gar ein Klopfkonzert.

Initiative Denkmalschutz gegen Aufstockung

Ähnlich sehen das auch die Initiative Stadtbildschutz und Denkmalschutz, wie Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz sagte: „Wir sehen hier absolut keinen Grund aufzustocken, zumal man sich in den 1970ern dagegen entschieden hat - und zwar aus Gründen des Stadtbildschutzes.“ Mehr als 5.000 Menschen haben die Online-Petition „Rettet die Karlskirche“ bereits unterschrieben.

Für viel Aufsehen und Aufregung hat vor Kurzem ebenfalls ein Projekt in der Innenstadt gesorgt - und zwar die Entscheidung, den Turm am Heumarkt doch zu errichten - wenn auch in niedrigerer Form - mehr dazu in Heumarkt: UNESCO droht Wien erneut.

Winterthur Haus
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Die Überbrückung zum Wien Museum soll abgebrochen werden

Bezirk will Bürgerforum einberufen

Noch ist jedenfalls nichts entschieden, derzeit wird das Projekt magistratsintern geprüft. Erst dann kommt es zu einem Verfahren nach der Bauordnung, da eine Änderung des Flächenwidmungsplans sowie des Bebauungsplans notwendig sind. Danach sieht sich der Fachbeirat das Vorhaben an, die öffentliche Auflage und die Stellungnahme des Bezirkes folgen. Erst nach all diesen Schritten kann das Bauprojekt im Gemeinderat abgesegnet werden.

Der Bezirksvorsteher der Wieden, Leopold Plasch (SPÖ), versprach heute jedenfalls mehr Bürgerbeteiligung. Er wolle ein Bürgerforum - analog zu jenem, das es rund um die Errichtung des Hauptbahnhofs gegeben hat - einrichten. Der Antrag soll demnächst bei den zuständigen Stadträten Maria Vassilakou (Stadtplanung, Grüne) und Andreas Mailath-Pokorny (Kultur, SPÖ) eintreffen. Für die Zürich Versicherung ändert das vorerst nichts: Man hoffe auf einen positiven Abschluss des Bauverfahrens und auf einem Baustart im ersten Halbjahr 2018, so Emrich.

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