Kritik an Gangbetten in Spitälern

Die Wiener Gemeindespitäler sind derzeit wegen der verfrühten Grippewelle überfüllt. Patienten müssen deshalb in Gangbetten liegen. Patientenanwältin Sigrid Pilz kritisierte, dass zu viele Ärzte auf Weihnachtsurlaub sind.

Eine Grippewelle während der Weihnachtsferien sei eine prekäre Mischung, sagte Pilz. „Es ist so, dass heuer gleichzeitig der Weihnachtsurlaub der Fall ist. Das heißt, dass auch niedergelassene Ärzte auf Urlaub sind und viele hochbetagte Menschen mit Grippe nur die Alternative haben, ins Spital zu gehen“, so Pilz.

„KAV am Schluss das große offene Tor für alle“

Die Gemeindespitäler blieben damit die letzte Anlaufstelle. Aber auch dort sind derzeit viele Ärzte auf Urlaub. „Der Krankenanstaltenverbund ist am Schluss das große offene Tor für alle, die nicht woanders versorgt werden können. Natürlich sollen nur die aufgenommen werden, die auch Spitalsversorgung benötigen. Aber natürlich ist es sehr gut, dass niemand weggeschickt wird“, sagte Pilz.

Die Schnittstelle zwischen niedergelassenem und stationärem Bereich müsse besser funktionieren. „Es muss sichergestellt werden, dass in Ferienzeiten ausreichend niedergelassene Ärzte da sind, die auch Hausbesuche machen“, so Pilz. Und man müsse besser mit Organisationen, die Pflegedienste zu Hause anbieten, zusammenarbeiten, damit die hauptsächlich betroffene ältere Bevölkerung gut versorgt werde.

Arzt: Situation wird „sich noch verschärfen“

Tatsächlich gehören Gangbetten seit Winterbeginn in praktisch allen Wiener Gemeindespitälern zum täglichen Bild. Besonders stark betroffen sind laut einem Bericht der Tageszeitung „Die Presse“ derzeit die Rudolfstiftung (Interne), das Otto-Wagner-Spital (1. und 2. Lungenabteilung), das Krankenhaus Hietzing (Interne) und das SMZ Ost (Interne und Notfall).

In letzterem Krankenhaus, dem Donauspital, wurden die ersten Gangbetten bereits im Oktober aufgestellt. „2016 und 2017 wird in Wien der Winter der Gangbetten“, sagte ein Arzt gegenüber der „Presse“. „Die Situation wird sich im Jänner und Februar noch verschärfen, da Stationen geschlossen wurden.“

Tagelang ohne Intimsphäre auf dem Gang

„Die Situation in den Spitälern ist aktuell angespannt. Gründe dafür sind die aktuell aufgetretene Grippewelle, Urlaube im niedergelassenen Bereich und die Zunahme älterer PatientInnen mit einem höheren Betreuungsbedarf. Durch das vermehrte Patientenaufkommen kommt es zum Einsatz sogenannter ‚Gangbetten‘“, heißt es in einer Stellungnahme des KAV gegenüber dem ORF Wien.

Es würden im KAV alle Maßnahmen ausgeschöpft, die Anzahl von Gangbetten in dieser Situation so gering wie möglich zu halten. „Es werden Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt, Stationen interdisziplinär belegt, und beim Entlassungsmanagement wird besonders darauf geachtet, ob PatientInnen in andere Einrichtungen – etwa geriatrische Einrichtungen – verlegt werden können“, so der KAV. Zudem kooperiere der KAV mit anderen Spitälern, deren Kapazitäten „aktuell jedoch auch an ihre Grenzen stoßen“. Für Patienten bedeuten Gangbetten jedenfalls oft, tagelang ohne Ruhe und Intimsphäre auf dem Gang zu liegen - auch bei durchgehend brennendem Licht.

Pichlbauer: Problem „nicht hausgemacht“

Die Situation mit den Gangbetten hätte nicht abgefangen werden können, räumte allerdings ein steter Kritiker der Gangbetten ein. „In dem Fall nicht. Es ist einfach so, dass wir auf dem falschen Fuß erwischt worden sind“, sagte der Betriebsrat des Wilhelminenspitals, Günter Wukovits, mit Verweis auf die Grippewelle. Auch Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer meinte: „Die derzeitige Gangbettenproblematik halte ich nicht für hausgemacht, sondern es ist ein außergewöhnlicher Umstand.“

MA 15 weist Kritik zurück

Hinter vorgehaltener Hand meinen Ärzte, die MA 15 - der Grippemeldedienst der Stadt - habe in diesem Jahr zu spät Alarm geschlagen. Diese Kritik will die MA 15 aber nicht gelten lassen.

„Die wöchentlich gemeldeten Daten des Wiener Grippemeldedienstes werden an städtische Einrichtungen bzw. Institutionen übermittelt. Diese Daten fließen ebenso in die Bewertung der Grippeaktivität durch das Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien ein. Das Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien gibt den Beginn der Grippewelle bekannt“, heißt es in einer Stellungnahme der MA 15.

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