Gangbetten: Wehsely lässt Spitäler prüfen

Dass Patienten in den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes (KAV) auf dem Gang untergebracht werden, hat zuletzt wieder für Kritik gesorgt. Die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) lässt nun die Situation überprüfen.

Die Grippewelle sei heuer ungewöhnlich früh und heftig eingetreten, betonte Wehsely: „In allen Bereichen werden absolute Spitzenleistungen erzielt, die diese angespannte Situation mit Professionalität bewältigen.“ Dass Mitarbeiter nun „angepatzt“ würden, dagegen wehre sie sich mit Nachdruck.

Angespannte Situation „nicht zu verleugnen“

Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die angespannte Situation „nicht zu verleugnen“ und eine Überprüfung der jeweiligen Abläufe bereits angeordnet worden sei. „Das Bettenmanagement wird in den einzelnen Häusern vorgenommen. Ich habe die Generaldirektion bereits veranlasst, hier die Berichte aus jedem Haus anzufordern, die sorgfältig geprüft werden.“ Kritisiert wurde u. a., dass Patienten in Gangbetten liegen müssen, obwohl noch Zimmer frei sind - mehr dazu in Personalmangel: Gangbetten trotz freier Zimmer.

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Die Gesundheitsstadträtin spricht von einer angespannten Situation

„Warum die entwickelten Prozedere in einzelnen Bereichen besser und in anderen schlechter funktionieren, wird analysiert und bereinigt“, so Wehsely. Klar sei jedoch auch, dass die Spitalsambulanzen entlastet werden müssten - und das nur mit einer besseren Einbindung des niedergelassenen Bereichs funktionieren werde.

Inzwischen erhebt ein Personalvertreter des Wilhelminenspitals im „Kurier“ erneut schwere Vorwürfe. 19 Gangbetten seien dort alleine am Montag aufgestellt. „Mir ist kein einziger Arzt bekannt, der vom Urlaub in den Dienst berufen wurde“, wird er im „Kurier“ zitiert. Ein Sprecher des KAV bestätigt, dass es wegen hohen Patientenaufkommen weiterhin zu Gangbetten kommt. Man arbeite aber „mit Hochdruck“ an einer Reduzierung. Dass zu viele Ärzte im Urlaub seien, kann man beim KAV gegenüber „Kurier“ nicht nachvollziehen: Nur acht seien auf Urlaub. 39 seien krank.

Volksanwalt prüft Gangbettensituation

„Gangbetten sind ein unerträglicher Zustand und es werden vielfältige Maßnahmen gesetzt, diesen zu beenden“, beteuerte die Ressortchefin. Möglich seien etwa das Öffnen und interdisziplinäre Besetzen von Abteilungen oder das Rückholen von Mitarbeitern aus dem Urlaub. Die jüngsten Vorwürfe werden auch von der Volksanwaltschaft unter die Lupe genommen. Sie hat am Sonntag angekündigt, Anzahl und Belegsdauer von Gangbetten zu untersuchen - mehr dazu in Gangbetten: Volksanwaltschaft prüft KAV.

Die Opposition zeigte sich von der Ankündigung jedenfalls wenig beeindruckt: „Wer sich ob winterlicher Grippewellen bass erstaunt zeigt, würde wohl auch vom Outing des Papstes, katholisch zu sein, auf dem falschen Fuß erwischt werden“, ortete FPÖ-Landesparteisekretär Anton Mahdalik „Unvermögen“.

Für Wiens VP-Chef Gernot Blümel ist Wehselys Prüfankündigung eine „Farce“: „Die Patientinnen und Patienten dieser Stadt brauchen freie Betten in Zimmern und nicht am Gang statt billiger Ausreden und peinlicher Rechtfertigungsversuche“. Und auch NEOS sieht in der Gangbetten-Situation ein „Symptom der Fehlplanung von Rot-Grün“.

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