Diskussion über Kopftuch für Kinder

In einer Wiener Volksschule tragen schon sechsjährige Mädchen Kopftuch. Der Schulinspektor schreitet nur ein, wenn das gegen den Willen der Kinder passiert, die Islamische Glaubensgemeinschaft ortet aber Aufklärungsbedarf.

Einige der Schülerinnen in der Volksschule in Altmannsdorf kommen bereits mit Hijab, dem islamischen Kopftuch, in die Schule - und das, obwohl sie erst sechs bzw. sieben Jahre alt sind. Eigentlich ist das Kopftuch im Islam erst für Mädchen im Teenageralter vorgesehen.

Das Schulinspektorat der Stadt Wien ist regelmäßig in der Schule: „Wir haben in jeder Klasse mit etwa zwölf Schülerinnen und Schülern zwei bis drei Mädchen mit Kopftuch. Solange sie das freiwillig tragen, ist das absolut in Ordnung. Sobald ein Kind dazu gezwungen wird, muss das aber thematisiert werden, keine Frage“, so Schulinspektor Patrick Wolf im ZIB2-Interview.

Volksschule Kopftuch
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In der Volksschule in Altmannsdorf sollen schon Sechsjährige Kopftuch tragen

Kopftuch für Kinder nicht verboten

Verboten ist das Tuch für Volksschülerinnen laut österreichischem Gesetz nicht, auch nicht in öffentlichen Schulen. Lehrer und Schulinspektoren mischen sich daher nur selten ein, solange die Mädchen am Turn- und Schwimmunterricht teilnehmen. Anders ist die Sachlage beispielsweise in der Türkei: Dort gilt für Mädchen bis zum zehnten Lebensjahr bzw. bis zur fünften Schulstufe Kopftuchverbot.

Diskussion über Kinder mit Kopftuch

In einer Wiener Volksschule tragen bereits kleine Kinder Kopftuch. Die Schulinspektoren schreiten nur ein, wenn das nicht freiwillig ist.

Trägerverein der Volksschule in Altmannsdorf ist die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Dort propagiert man das Kopftuch für Mädchen aber nicht: „Beim Kopftuch ist es ganz klar, dass es vorgesehen ist, also ein Thema werden kann, für die religiös mündige Frau. Es sollte also in der Volksschule und vor allem im Kindergarten überhaupt kein Thema sein. Hier wird tatsächlich von der Elternseite etwas forciert, was in dieser Phase noch nicht vorgesehen ist“, sagte Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Sie ortet dringenden Aufklärungsbedarf.

Volksschule Kopftuch
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Carla Amina Baghajati ortet Aufklärungsbedarf bei den Eltern

Salzburg verbietet Kopftuch im Kindergarten

Anders als in Wien geht man in Salzburg vor. Auslöser der Debatte war dort die für Kindergärten zuständige SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer. Sie entdeckte schon in Kindergärten Mädchen mit Kopftuch. „Ich muss ganz ehrlich sagen, es hat mich schon schockiert, dass ein vier- oder fünfjähriges Mädchen ein Kopftuch aufsetzt. Das gehört weder in den Kindergarten noch in die Volksschule“, betonte Hagenauer gegenüber der ZIB2.

Die Vorgabe der Stadträtin: Salzburger Kindergärten müssen Eltern künftig davon abhalten, ihre Töchter mit Kopftuch in den Kindergarten zu schicken. Das zeigt laut der Stadträtin auch Wirkung: Die betroffenen Mädchen legen das Kopftuch nun ab, bevor sie in den Kindergarten kommen. Bei der IGGiÖ hält man nichts von einem solchen Verbot, stattdessen will man lieber auf Aufklärungsarbeit setzen.

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