Stephansdom hat Pflanzenproblem

Der Stephansdom hat ein Pflanzenproblem auf dem Dach. Grund dafür ist der zurückgegangene saure Regen, der die Pflanzen einst absterben ließ. Um Moos, Flechten und Co. loszuwerden, ist nun eine Dachreinigung geplant.

Vor allem auf der schattigen Nordseite des Stephansdoms nimmt der Pflanzenbewuchs auf dem Dach stark zu. Mittlerweile ist er sogar vom Boden aus mit freiem Auge zu erkennen. „Wir bemerken, dass durch die Verbesserung der Umwelt - der saure Regen ist nicht mehr so sauer - sich die Pflanzen wieder viel besser entfalten können“, sagt Dombaumeister Wolfgang Zehetner gegenüber „Wien heute“.

Das Dach des Doms ist mit rund 250.000 farbig glasierten Tondachziegeln gedeckt. „Die Pflanzen halten die Feuchtigkeit länger drinnen, und das kann dazu führen, dass sich der Ziegel hinter der Glasur mit mehr Wasser ansaugt. Dann kann es zu Ausblühungen oder Frostschäden kommen“, so Zehetner.

Kosten für Reinigung noch unklar

Das Dach des „Steffls“ ist knapp 70 Jahre alt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war es durch ein Feuer komplett zerstört worden. Nun sollen die Dachziegel erstmals von Pflanzen gereinigt werden. „Wir werden im nächsten Jahr eine Teilfläche des Daches an der Nordseite übersteigen lassen und diese Pflanzen entfernen“, so Zehetner.

Die Kosten dafür stehen noch nicht fest. „So etwas lässt sich nicht pauschal kalkulieren. Wir werden das nach Stunden abrechnen. Die Dachdecker sind ja sehr wagemutig und müssen sich abseilen, um die Pflanzen zu entfernen“. Die Herausforderung sei die Dachneigung von bis zu „80 Grad an manchen Stellen“.

Vorteile für die Fassade des Doms

Für die Fassade des Doms hat der Rückgang des sauren Regens hingegen massive Vorteile, da der Sandstein weniger angegriffen wird und sich nicht mehr so stark verfärbt. „Wir haben beim Stein weniger Probleme“, konstatiert Zehetner.

Generell sei der Dom derzeit in einem sehr guten Zustand, vielleicht sogar im besten Zustand in seiner mehr als 850-jährigen Geschichte, sagt der Dombaumeister: „Wir haben eine lange Friedenszeit gehabt, wir haben technische Mittel und auch finanziell die Unterstützung von vielen Spendern, sodass wir sehr, sehr grundsätzlich arbeiten können.“

TV-Hinweis

„Wien heute“, 26.2.2017, 19.00 Uhr, ORF2

Mehr als zwei Millionen Euro werden pro Jahr für die Sanierung des Stephansdoms ausgegeben. Der Großteil stammt aus Spenden und Touristeneinnahmen. Letztere machen laut Zehetner etwa 600.000 bis 700.000 Euro aus. Die Stadt beteiligt sich mit 50.000 Euro, ebenso wie die Erzdiözese, der Bund schießt 72.000 Euro zu.

Hubert Kickinger, wien.ORF.at

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