Abriss: „Schwerer Verlust für Innenstadt“

Immer mehr historische Gebäude werden abgerissen, immer neue Wunden in die Innenstadt gerissen, beklagen Experten. Jetzt sind Abrissbagger bei einem mehr als hundert Jahre alten Haus beim Bauernmarkt am Werk.

An der Adresse Bauernmarkt 21 in der Wiener Innenstadt werden mit schwerem Gerät staubige Fakten geschaffen. Der Verlust des gut hundert Jahre alten Hauses sei ein großer, sagen Stadtbildschützer: „Es ist ein wirklich erhaltenswertes Ensemble des Secessionismus, einer Übergangszeit. Und davon gibt es leider nicht mehr allzuviel in Wien. Und umso schwerer wiegt quasi der Verlust dieses Hauses“, so Claus Süss von der Initiative Denkmalschutz.

Abriss Bauernmarkt 21
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Abriss am Bauernmarkt

80 Jahre kontra statische Baumängel

Denkmalgeschützt war das Gebäude nicht, aber es steht in einer Stadtbild-Schutzzone. Abgerissen werden darf es demnach nur, weil es laut einem Gutachten baufällig ist. Das wäre aber verhinderbar gewesen, sind Stadtbildschützer überzeugt - und berufen sich auf ein anderes Gutachten aus dem Jahr 2002: „Dieser Immobiliensachverständige gab dem Gebäude eine Restwertnutzungsdauer von 80 Jahren“, so Süss.

Der Hauseigentümer, die Lenikus Gmbh, teilt zu dem Gutachten schriftlich mit: „Dabei wurden keine tiefergehenden technisch-statischen Untersuchungen durchgeführt, sondern eine bloße Augenscheinbesichtigung abgehalten.“ Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Im Zuge der Bauvorbereitung der Generalsanierung wurden detaillierte Untersuchungen der Haussubstanz durchgeführt und dabei massive statische Baumängel festgestellt.“

Abriss Bauernmarkt 21
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Abriss am Bauernmarkt

Erscheinungsbild „immer aussageschwächer“

Die Stadtbildschützer kritisieren auch, dass die Baupolizei jahrelang nicht gehandelt habe. Diese wiederum sagt, man habe sehr wohl schon vor Jahren Sanierungsaufträge erteilt. Der Eigentümer habe jedoch immer wieder erfolgreich Einspruch erhoben - und so sei es zu keinem rechtskräftigen Bescheid gekommen.

Abrisse wie dieser seien in Wien leider kein Einzelfall, sagt der Architekt und Denkmalpfleger Friedmund Hueber von der Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege: „Das an und für sich durch Schutzzone und Weltkulturerbezone geschützte Erscheinungsbild der Inneren Stadt wird verdünnt, wird immer aussageschwächer.“ Er fordert ein Umdenken in der Stadt und mehr Baugeschichte in der Architektenausbildung für mehr Sensibilität. Auf die Zukunft des Hauses am Bauernmarkt 21 hat das alles keinen Einfluss mehr.

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