Cobenzl: Stadt startet Zwangsräumung

Am Cobenzl ist es ernst für den Pächter Olaf Auer geworden: Nach 37 Jahren muss er das Schloss und das Cafe räumen. Die Stadt will das Areal künftig für Veranstaltungen nutzen. Die Räumung wird zwei Tage dauern.

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen der Stadt Wien und dem Pächter des Cafe-Restaurants im Schloss Cobenzl endete mit einer Zwangsräumung. Arbeiter begannen schon in der Früh damit, Möbel aus dem Schloss abzuräumen. Auer weigerte sich bis zuletzt das Schloss selbst zu räumen.

Emotionaler Tag auch für Mitarbeiter

„Es wird hier ein Stück Wien zu Grabe getragen. Ich habe nie gedacht, dass es so einen Abgang gibt“, so Auer Dienstagfrüh. Das Inventar aus dem Kaffeehaus räumte Auer selbst. Nicht aber die Möbel aus dem Schloss. Deshalb rückten, von der Polizei begleitet, ein Gerichtsvollzieher, ein Vertreter der Stadt Wien und 50 Arbeiter aus, um die Räumung durchzuführen.

Es ist ein emotionaler Tag für den Pächter und seine Mitarbeiter. Denn zwanzig von ihnen verlieren ihren Job. Auer wehrte sich nicht gegen die Räumung. Die Stadt kündigte den Pachtvertrag schon vor fünf Jahren. Der bisherige Schlossherr hatte eine hohe Ablöse gefordert und im Rechtsstreit schließlich den Kürzeren gezogen.

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Pächter Auer war bei der Räumung anwesend

Schlösser ausgetauscht

Die Räumung ging bisher laut Forstdirektor Andreas Januskovecz ohne Zwischenfälle über die Bühne. „Es ist alles ruhig abgelaufen“, so Januskovecz. Laut dem Forstdirektor räumte der ehemalige Betreiber das Cafe zu drei Viertel leer. Das habe die Arbeiten erleichtert. In sein früheres Lokal kann Auer nun nicht mehr zurück. Die Stadt hat auch die Schlösser ausgetauscht. Die Räumung wird vermutlich noch den morgigen Tag andauern.

Rathaus wollte Veränderung

1980 pachtete der frühere Pilot die Brandruine auf der Höhenstraße. Das Cafe mit dem Ausblick über die Stadt entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Im renovierten Schlösschen wurden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert.

Doch das Rathaus will Veränderung. Das angrenzende Weingut braucht Platz für Veranstaltungen. 2012 meldete die Stadt Wien Eigenbedarf an und kündigte den Pachtvertrag. Vergeblich hoffte der Schlossherr auf ein Machtwort von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).

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Die Zwangsräumung dauert vermutlich zwei Tage

Denkmalamt prüft Unterschutzstellung

Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) kündigte zuletzt einen Neustart für das Areal an. Sie stellte ein „zeitgemäßes Lokal“ in Aussicht, wobei eine Kooperation mit dem benachbarten Weingut Cobenzl nicht ausgeschlossen wird. Ein Abriss der Immobilie ist nicht ganz ausgeschlossen, da diese nicht unter Denkmalschutz steht.

Die Initiative Denkmalschutz forderte am Dienstag umgehend, das Ensemble zu erhalten. Es handle sich um ein wichtiges Ausflugslokal, das 1910 im secessionistisch beeinflussten, barockisierenden Heimatstil unter der Leitung des Baurats Josef Pürzl vom Wiener Stadtbauamt errichtet wurde, wie es in einer Ausendung hieß. Zudem solle das Denkmalamt prüfen, ob nicht eine Unterschutzstellung möglich sei.

Jury-Entscheidung bis Sommer

Auer hätte das Gebäude bis 11. Jänner verlassen sollen. Da das nicht geschah, beantragte das Wiener Forstamt beim Bezirksgericht die Zwangsräumung - mehr dazu in Schloss Cobenzl: Zwangsräumung beantragt

Die Stadt sucht derzeit ein neues Konzept für das Cobenzl, die Ausschreibung dazu gliedert sich in drei Phasen. In einer ersten Stufe müssen Bewerber - Einzelpersonen oder Arbeitsgemeinschaften - allgemein ihre Bonität nachweisen und mittels Referenzen belegen, dass sie von der Gastronomie eine Ahnung haben.

Cobenzl: Stadt startet Zwangsräumung

„Wien heute“ war am ersten Tag der Räumung dabei. Dabei kam es zu emotionalen Szenen und hitzigen Aussagen.

Maximal fünf davon werden dann aufgefordert, im zweiten Schritt ein konkretes Gesamtkonzept vorzulegen. Dabei gehe es von der Finanzierung über die detaillierte Bespielung bis zum Personal, erklärte Juryvorsitzender Albert Wimmer. Im Sommer soll der endgültige Sieger präsentiert werden.

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