Heumarkt: Investor lehnt Änderung ab

Der für die Neugestaltung des Heumarkt-Areals zuständige Investor ist nicht bereit, die Pläne zu überarbeiten. Die Wiener Grünen stimmten in einer Urabstimmung gegen das Projekt - und damit gegen die Position der Parteispitze.

Die bisherigen, „unter Einhaltung aller demokratischen Spielregeln erzielten gemeinschaftlichen Planungsergebnisse“ stünden nicht zur Diskussion, so Daniela Enzi, Geschäftsführerin von Wertinvest, am Montag in einem schriftlichen Statement. „Weder die Erkenntnisse des kooperativen Verfahrens noch die Entscheidung des Architekturwettbewerbs und die danach konsensual erfolgte Überarbeitung des Weinfeld-Entwurfs können nachträglich über den Haufen geworfen werden“, reagierte Enzi auf das Nein der grünen Basis zur Neugestaltung.

Visualisierung Heumarkt Verkleinerung
Isay Weinfeld/Sebastian Murr
Die Höhe des Wohnturms wurde bereits einmal leicht reduziert

Sämtliche der nun seit fünf Jahren laufenden Planungs- und Entwicklungsschritte seien nach den jeweiligen Vorgaben der Stadt und nach eingehender interner und öffentlicher Diskussion gemacht worden, so Enzi. Dennoch stehe Wertinvest „weiterhin für jeden seriösen Diskussionsprozess zur Verfügung“.

Negatives Ergebnis bei Urabstimmung

Die Pläne für das Heumarkt-Areal sorgen seit Monaten für heftige Diskussionen - zuletzt auch grünintern. Durch die projektierte Höhe des Wohnhauses von 66 Metern droht die UNESCO mit der Aberkennung des Weltkulturerbes.

Eine initiierte Urabstimmung unter allen Mitgliedern ging am Freitag mit einer überraschenden, wenn auch knappen Ablehnung des Vorhabens aus. 51,33 Prozent der teilnehmenden Grünen votierten gegen das Projekt. In absoluten Zahlen hatte das Nein-Lager gerade einmal 18 Stimmen Überhang. Laut Parteistatut ist die Befragung bindend, da das nötige Quorum von mindestens 50 Prozent erreicht wurde - mehr dazu in Grüne lehnen Heumarkt-Projekt ab.

Die Parteispitze muss nun einen Weg finden, einerseits die Basis, andererseits den privaten Heumarkt-Investor Wertinvest sowie den Koalitionspartner SPÖ nicht vor den Kopf zu stoßen. Berücksichtigt müssen freilich auch die Anrainer-Institutionen werden - also Konzerthaus und Wiener Eislaufverein. Am späten Montagnachmittag startet dazu ein Krisensitzung, die bis in die Nachtstunden dauern dürfte - mehr dazu in Heumarkt: Grüne treffen sich zu Krisensitzung.

Eislaufverein über Grüne verärgert

Beim Eislaufverein zeigte man sich ob der jüngsten Entwicklungen jedenfalls verärgert. Man habe vier Jahre mit Wertinvest verhandelt und ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt, sagte Vereinssprecher Peter Menasse. Es wäre sinnvoller gewesen, die Urabstimmung schon in einem früheren Projektstadium durchzuführen. Nun müsse man abwarten, wie es weitergeht: „Wenn das Projekt stirbt, dann stellt sich die Frage, was die Grünen tun werden, um den Eislaufverein zu unterstützen.“

UNESCO will Abstimmung nicht kommentieren

Die Gegner des Hochhaus-Projekts am Wiener Heumarkt frohlockten über die Ablehnung des Vorhabens durch die Grüne Basis: „Es ist somit nicht nur ein großer Sieg der Zivilgesellschaft, sondern auch der demokratischen Instrumente“, hieß es am Montag in einer Aussendung.

Die Initiative „Kunst- und Kulturschaffende - Stoppt das Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt“ freute sich über ein Ergebnis, das „umso erstaunlicher“ sei, weil der Projektbetreiber selbst zuletzt von einer überproportionalen Zustimmung ausgegangen sei. Die österreichische UNESCO-Kommission wollte das Ergebnis der parteiinternen Abstimmung nicht kommentieren.

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