Immer mehr verzichten auf das Auto

Wien ist das einzige Bundesland, in dem im Vorjahr die Bevölkerungszahl stärker gestiegen ist als die Anzahl der Autos, so der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). In acht Bezirken ging auch die Zahl der Autos trotz Bevölkerungswachstums zurück.

Rudolfsheim-Fünfhaus, Brigittenau und Margareten sind die einzigen Bezirke Österreichs mit weniger als 300 Pkws pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Der VCÖ spricht sich für den weiteren Ausbau des „Öffi“-Netzes und der Radfahrinfrastruktur sowie für mehr Carsharing-Angebote vor allem bei Wohnanlagen aus.

„Auch im Vorjahr ist in Wien die Bevölkerung stärker gewachsen als die Autoflotte. Das Auto spielt für die Mobilität der Wienerinnen und Wiener eine zunehmend geringere Rolle“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. In Wien kommen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 371 Pkws, deutlich weniger als im Österreich-Schnitt, der bei 549 liegt. Enthalten sind in den Zahlen neben den Pkws der privaten Haushalte auch von Betrieben in Wien zugelassene Pkws.

45 Prozent der Haushalte haben kein Auto mehr

Mit 276 Pkws pro 1.000 Einwohner hat Rudolfsheim-Fünfhaus den niedrigsten Pkw-Motorisierungsgrad, an zweiter Stelle folgen ex aequo Brigittenau und Margareten mit 291 Pkws pro 1.000 Personen, wie die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Zum Vergleich: Der Bezirk Waidhofen/Thaya im Waldviertel weist 703 Pkws pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf.

In insgesamt 16 Wiener Bezirken ist im Vorjahr die Einwohnerzahl stärker gestiegen als die Zahl der Autos. Die absolute Zahl der Autos hat im Vorjahr in acht Bezirken abgenommen: Innere Stadt, Landstraße, Margareten, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund und in Rudolfsheim-Fünfhaus, berichtet der VCÖ. Bereits 45 Prozent der Haushalte in Wien haben kein eigenes Auto. „Die Wiener Haushalte haben im Bundesländervergleich die mit Abstand niedrigsten Mobilitätsausgaben. Die Kombination Öffi-Jahreskarte, Radfahren, Gehen und Carsharing ist nicht nur umweltfreundlicher und platzsparender, sondern auch günstiger“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Ausbau des „Öffi“-Netzes und der Radwege gefordert

Das Mobilitätsangebot in Wien ist vor allem auch in den Außenbezirken noch deutlich zu verbessern. Zwar stagniert auch in den Außenbezirken der Motorisierungsgrad, und die Zahl der Autos ist im Österreich-Vergleich niedrig, aber höher als in den Innenbezirken: Pro 1.000 Personen gibt es in Floridsdorf 381 Pkws, in Döbling 400, in der Donaustadt 428 und in Liesing 498. Neben dem Ausbau des „Öffi“-Netzes sind auch Verbesserungen bei der Radinfrastruktur wichtig.

Durch direkte und möglichst kreuzungsfreie Radverbindungen von den Außenbezirken ins Zentrum wird mehr Wienerinnen und Wienern der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad ermöglicht und gleichzeitig die Verkehrssicherheit erhöht. Großes Potenzial gibt es beim Carsharing, vor allem auch bei Wohnhausanlagen. Die rund 95.000 Zweitautos der Wiener Haushalte werden laut Statistik Austria im Schnitt lediglich 6.300 Kilometer pro Jahr gefahren. Gerade bei Wohnhausanlagen können gemeinsam nutzbare Fahrzeuge - von E-Autos über Elektrofahrräder bis zu Transporträdern - die Kosten für die Haushalte nochmals verringern, betont der VCÖ. Immerhin mehr als 80 Prozent der Autokosten sind Fixkosten.

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