Keine Daten: Wien verhandelt mit Airbnb

Zunehmend mehr Touristen gehen nicht mehr ins Hotel, sondern mieten online private Zimmer oder ganze Wohnungen. Die Stadt geht nun gegen Onlinevermietplattformen vor. Mit Airbnb wird verhandelt, eine Lösung steht noch aus.

Allein in Wien werden für Touristen mehr als 8.000 Wohnungen online zur Miete angeboten. Doch wenn Touristen ihre Privatunterkünfte über Internetplattformen buchen, scheinen sie offiziell nicht als Gäste auf. Der Stadt Wien entgeht dadurch pro Jahr mehr als eine halbe Million Euro an Ortstaxe. Deshalb bereitet die Stadt nun Strafverfahren gegen die Internetplattformen vor - mehr dazu in Onlinevermieter: Wien bereitet Strafen vor.

Ortstaxe geht an Stadt

Bei 100 Euro Miete macht die Ortstaxe rund 2,50 Euro aus.

Die Hälfte der rund 16 Anbieter kooperiert bereits mit der Stadt Wien, die anderen haben bis Ende des Jahres Zeit, Daten nach zu liefern, berichtet die ZIB2. Der Marktführer Airbnb wehrt sich gegen die Datenübermittlung und beruft sich auf den Datenschutz. „Um für die Verwaltung und die Gastgeber Bürokratie zu verringern, haben wir mit 275 Städten und Gemeinden eine Vereinbarung zur automatisierten Einhebung der Ortstaxe abgeschlossen“, so Airbnb-Sprecherin Isabelle Klot gegenüber der ZIB2.

Stadt will Daten von Airbnb

Auf eine bloße Abbuchung der Ortstaxe durch Airbnb will sich Wien nicht verlassen und fordert zur Kontrolle Namen von Vermietern und Gästen. Airbnb solle außerdem Adressen von Sozialwohnungen sperren, damit diese nicht illegal an Touristen vermietet werden.

„Es kann nicht sein, dass Sozialwohnungen - die mit Steuergeld subventioniert werden - dann geschäftlich an Touristen weitervermietet werden. Da gibt es künftig Sanktionen“, sagte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ).

Konflikt mit Marktführer Airbnb

Die Hälfte der Anbieter hat bereits eingelenkt - mit dem Marktführer Airbnb wird noch verhandelt.

„Steuernachzahlungen zu erwarten“

Juristen rechnen damit, dass Internetplattformen über kurz oder lang mit Behörden kooperieren werden. Für Gastgeber geht es aber nicht nur um die Bezahlung der Ortstaxe: Sie riskieren künftig auch Steuerverfahren, sollten sie Vermietungen dem Finanzamt verschwiegen haben.

„Man kann aus Erfahrung davon ausgehen, dass die Daten, sobald diese dem Magistrat vorliegen, auch die Finanzämter bekommen und damit Steuernachzahlungen zu erwarten sind“, sagt Anwalt Karl Koller von der Kanzlei Wolff Theiss.

Der Druck auf Airbnb, Daten zu liefern, steigt weltweit. „Internetvermietungsplattformen geben nur dann nach, wenn massivster Druck aufgebaut wurde oder wenn die Plattformen in einigen Städten einfach ganz verboten wurden“, so Koller.

Tourismuschef für Privatzimmerangebot

So weit soll es in Wien nicht kommen. Das Privatzimmerangebot sei ein Vorteil, sagt Tourismuschef Norbert Kettner. Außerdem zahlen Airbnb-Vermieter seit Kurzem auch vermehrt Ortstaxe - mehr dazu in Airbnb & Co.: Immer mehr zahlen Ortstaxe.

„Erste Erfolge sehen wir bereits, die Einnahmen bei der Ortstaxe sind in den letzten Monaten fast um 60 Prozent gestiegen, das ist darauf zurückzuführen, dass Private, die ihre Wohnungen im Internet anbieten, nun öfter Ortstaxe zahlen“, so Kettner.

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