Schwester erstochen: 18-Jähriger amtsbekannt

Der 18-jährige Afghane, der am Montag in Wien-Favoriten seine 14-jährige Schwester erstochen haben soll, ist in strafrechtlicher Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt. Gegen ihn läuft ein Gerichtsverfahren, unter anderem wegen Betrugs.

Gegen den 18-Jährigen ist am Wiener Landesgericht für Strafsachen ein Verfahren wegen Betrugs, Hehlerei und gefährlicher Drohung anhängig, das sich bereits im Hauptverhandlungsstadium befindet. Er habe allerdings schon zwei Verhandlungstermine platzen lassen, bestätigte der Wiener Anwalt Leonhard Kregcjk, der ihn in diesem Verfahren vertreten hätte sollen, am Dienstag.

Nachdem er beim ersten Mal unentschuldigt nicht erschienen war, wollte ihn die zuständige Richterin zum nächsten Termin am 11. September - eine Woche vor der ihm zur Last gelegten Bluttat - zwangsweise vorführen lassen. Die Polizei traf den jungen Mann an seiner Adresse aber offenbar nicht an. In U-Haft war er bisher nicht, da es sich bei seinen bisherigen Verfehlungen um Fälle von Kleinkriminalität handelte.

Zugsbegleiter bedroht

Laut Staatsanwaltschaft Wien soll der Afghane im April 2016 ein Handy gekauft haben, obwohl er gewusst habe, dass dieses gestohlen war. Im Oktober soll er gemeinsam mit einem Bekannten einem Mann vorgemacht haben, er könne diesem ein Taxi nach Serbien besorgen. Die beiden sollen dafür im Voraus 600 Euro kassiert, den Mann aber im Regen stehen haben lassen. Die gefährliche Drohung bezieht sich auf einen Zwischenfall im Dezember, als der 18-Jährige einen Zugsbegleiter in Furcht versetzt haben soll, als dieser seinen Fahrschein kontrollieren wollte.

„Kummer der Eltern“ als Tatmotiv

Der junge Mann gestand, Montagfrüh seine jüngere Schwester erstochen zu haben. „Er hat angegeben, dass der Grund oder das Motiv für seine Tat der Kummer war, den die 14-Jährige ihren Eltern bereitet hat dadurch, dass sie nicht nach Hause zurückkehren wollte“, zitierte Polizeisprecher Harald Sörös aus der Einvernahme. Das Mädchen war vor rund einer Woche in ein Krisenzentrum gezogen. Laut Jugendamt fühlte sie sich eingeengt und unter Druck - mehr dazu in Erstochene 14-Jährige wohnte in Krisenzentrum. Dadurch sei die Familie gekränkt gewesen, so Sörös.

Laut Bruder zufälliges Treffen

Der Beschuldigte gab an, seine Schwester im Streit erstochen zu haben. Er habe sie zufällig bei einer U-Bahn-Station getroffen und sie überreden wollen, nach Hause zurückzukehren. Um nicht in aller Öffentlichkeit zu streiten, seien die beiden in einen Innenhof in der Puchsbaumgasse in Wien-Favoriten gegangen, wo es dann zur Tat kam.

Die Auseinandersetzung eskalierte dort laut dem Verdächtigen. Daraufhin habe er seine Schwester mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt, gestand der junge Mann. Der Festgenommene dürfte allein gehandelt haben. Die Familie hatte laut Sörös nichts davon gewusst und mit dem Mann vor der Tat keinen Kontakt. Der Vater lebt Angaben zufolge seit einigen Jahren in Österreich, seine Frau, die 14-Jährige und eine heute 16-jährige Schwester sowie zwei Brüder folgten ihm mit der Zeit. Zwei weitere Söhne wurden bereits in Wien geboren. Die gesamte Familie bekam Asyl zugesprochen.

18-Jähriger bestreitet Mordabsicht

Gegenüber seiner Verteidigerin sprach der Festgenommene ebenfalls von einer „Affekttat“, die er „zutiefst bereut“. Er habe seine Schwester zur Rede stellen, aber nicht töten wollen. Im Streit habe das Mädchen über die gemeinsamen Eltern geschimpft und ihn weggestoßen, daraufhin sei er „explodiert“, sagte Rechtsanwältin Astrid Wagner. Der junge Mann gab laut Wagner an, Hauptgrund der Streitigkeiten daheim sei gewesen, dass die 14-Jährige nicht in die Schule gehen habe wollen. Seine Schwester sei zu nichts gezwungen worden und die Familie eher liberal eingestellt.

Das Jugendamt widersprach den Angaben. Das Mädchen habe sich neben der Schule um eine Praktikumsstelle bemüht. „Eine gute Ausbildung war ihr wichtig“, sagte Sprecherin Petra Mandl. Die Jugendliche sei daheim eingeschränkt worden, und die Familie habe in der Erziehung von Mädchen traditionelle Regeln verfolgt. Die 14-Jährige wurde aber von ihren Eltern auch nicht bedroht oder verurteilt, weil sie ins Krisenzentrum ging, betonte Mandl.

Tatwaffe sichergestellt

Auch die Tatwaffe wurde bereits sichergestellt, es handelte sich laut Polizei um ein Messer mit einer rund 20 Zentimeter langen Klinge. Der 18-Jährige hatte es am Tatort weggeworfen. Der mutmaßliche Täter wohnte nicht mehr zu Hause, sondern laut eigenen Angaben abwechselnd bei Freunden und Bekannten. Er sollte am Dienstag in die Justizanstalt Josefstadt überstellt werden. Bei Mordverdacht ist die Verhängung der U-Haft obligatorisch.

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