Grüne in Wien in der „Zwickmühle“

Für ein gutes Ergebnis bei der Nationalratswahl, brauchen die Grünen ein starkes Wien-Ergebnis. Beim letzten Mal kam jede vierte Stimme für sie aus Wien. Diesmal orten Meinungsforscher aber eine „Zwickmühle“ zwischen Peter Pilz und SPÖ.

Die Grünen seien in Wien in einer „Zwickmühle“ zwischen Pilz und der SPÖ, so der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer von OGM. Ein Faktor sei dabei auch die Ansage von Bundeskanzler Christian Kern, in Opposition zu gehen, wenn er nicht Erster wird. „Damit will er auch Leihstimmen von den Grünen zur SPÖ holen“, analysierte Bachmayer im Interview mit „Wien heute“.

Lunacek
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Ulrike Lunacek ist die neue Spitzenkandidatin

Die Grünen „sind am umstrittensten Wählermarkt überhaupt“, erklärte Günther Ogris, Meinungsforscher beim Institut SORA. „Gerade in den Städten ist das ein Hin uns Her, ein Kommen und Gehen, obwohl sie bisher sehr loyale Wähler haben.“

Kein leichtes Jahr

Bei der Nationalratswahl 2013 erreichten die Grünen in Wien 16,4 Prozent. Das bedeutete damals ein kleines Plus von 0,5 Prozentpunkten. In Wien waren die Grünen damit stärker als im Rest Österreichs: Rund ein Viertel aller grünen Stimmen kam aus Wien.

Wahlergebnis Grüne 2013 in Wien
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Rund jede vierte grüne Stimme kam 2013 aus Wien

In den Umfragen sieht es allerdings derzeit nicht gut aus, die Grünen müssen derzeit sogar um den Wiedereinzug ins Parlament zittern. Mit der neuen Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek versucht die Partei wieder in die Spur zu kommen, doch auch der Wahlkampf kommt nur sehr schleppend in Gang. Zuerst die konfliktreiche Trennung von der Jugendorganisation, dann die parteiinternen Streitereien rund um das Heumarkt-Projekt, der Rücktritt von Parteichefin Eva Glawischnig und schließlich der Abgang von Urgestein Peter Pilz: Es ist kein leichtes Jahr für die Grünen.

„Grüne führen Rückzugsgefecht“

„Die Grünen führen eigentlich ein Rückzugsgefecht, eine Schlacht um die Verringerung der schon sichtbaren Stimmenverluste“, meinte Bachmayer. „Das heißt sie müssen alles tun, um die noch in Wien doch deutlich sichtbaren verbliebenen Grünen mobilisieren.“ Aus Sicht von Ogris ist für ein gutes Abschneiden bei der Wahl wichtig, „im Wahlkampf einen geschlossenen, geordneten professionellen Eindruck zu erwecken, ein gutes Auftreten bei den Fernsehdiskussionen und letztlich eine Motivation und positive Stimmung in ihrer Wählerklientel zu erzeugen.“

Bei den Wahlkampfthemen setzen die Grünen auf Bewährtes: Einerseits Umweltschutz, andererseits leistbares Wohnen - hier kommt etwa ein aufblasbarer Miethai zum Einsatz. „Eigentlich ist die Frau Lunacek sehr sympathisch“, meinte eine Passantin in Wien-Neubau, wo die Grünen seit Jahren über 30 Prozent holen. „Ich glaube, die Grünen werden sehr viele Stimmen an Peter Pilz verlieren“, erklärte ein Mann gegenüber „Wien heute“.

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