Doku zeigt Alltag im Tierschutzhaus

Die Dokumentation „Tiere und andere Menschen“ hat am Dienstag Wien-Premiere im Naturhistorischen Museum gefeiert. Der Film soll zeigen, was das Verhältnis zwischen Mensch und Tier über die Gesellschaft verrät.

„Die Beziehung zwischen Mensch und Tier erzählt viel über das menschliche Zusammenleben und unsere Gesellschaft“, sagt Flavio Marchetti. Wie ein Mensch mit seinem Haustier umgeht verrate unter anderem einiges über seinen Umgang mit Schwächeren, sein Gewaltverhalten aber auch das persönliche Empathiegefühl.

Tiere und andere Menschen Filmstill
La Banda Film
„Tiere und andere Menschen“ startet am 13. Oktober in österreichischen Kinos

Hund, Katze und Schimpanse

Mit seiner Dokumentation „Tiere und andere Menschen“ zeigt der Regisseur diese Beziehungen im Wiener Tierschutzhaus in Vösendorf. Dafür begleitete er die Pfleger und Ärzte neun Wochen lang. Besonders fasziniert hat ihn dabei die Vielfalt der Tiere. Unter den über 1.000 Tieren, die im Tierschutzhaus beherbergt werden, sind neben den klassischen Haustieren Hund und Katze auch einige gefundene Wildtiere wie Schwäne oder Biber sowie exotischere Tiere wie Schimpansen.

„Die Schimpansen waren natürlich besonders beeindruckend weil sie uns so ähnlich sind. Wenn man mit ihnen Zeit verbringt, wirft das die Frage auf, was uns eigentlich unterscheidet. Die Grenzen sind da viel schmäler als man denkt“, sagt Marchetti. Er selbst wuchs in einer Schlachterfamilie auf, hatte jedoch bereits im Kindesalter Haustiere und ist seit seinem sechsten Lebensjahr Vegetarier.

Veranstaltungshinweis

„Tiere und andere Menschen“ startet am 13. Oktober in den österreichischen Kinos.

Den ersten Besuch im Tierschutzhaus beschreibt er als ein wenig bedrückend. „Es hat schon eine Zeit lang gedauert, bis man nicht ständig denkt: ‚die armen Tiere‘. Tatsächlich hat das Tierschutzhaus ja etwas Hoffnungsvolles, weil sich viele Menschen engagiert darum bemühen, für die Tiere ein neues Zuhause zu finden.“

„Wir wollen nicht, dass die Menschen wegschauen“

Dieses bedrückende Gefühl wird auch im Film deutlich. So begleitet Marchetti die Ärzte etwa bei zahlreichen Untersuchungen, wie etwa jene einer Katze, die einen Hausbrand mit schweren Verletzungen überlebt hat. Bei den Aufnahmen von Untersuchungen und Operationen versuchte Marchetti jedoch, möglichst keine expliziten Bilder zu zeigen. „Wir wollten nicht, dass die Menschen wegschauen, weil etwas zu emotional ist“, sagt er.

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Für Marchetti hat das Tierschutzhaus vor allem „etwas Hoffnungsvolles“

Viel wichtiger sei für ihn die Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Tieren. „Für das Zusammenleben von Mensch und Tier braucht es eine Vermittlung“, sagt er. Organisationen wie „Tierschutz macht Schule“, die bereits Schulkindern über den richtigen Umgang mit Haustieren aufklären, sind für ihn in diesem Zusammenhang essentiell: „Die entscheidende Frage ist letztlich nämlich nicht, was kann mir ein Tier geben, sondern was kann ich einem Tier bis zum Lebensende bieten.“

Melanie Gerges, wien.ORF.at

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