Fixe Regeln für Leihräder kommen

Nach Kritik wegen überfüllter Radständer und Blockaden durch abgestellte chinesische Leihräder will die Stadt nun fixe Spielregeln für Anbieter einführen. Dabei geht es auch um Höchstzahlen für Flotten und Servicegarantien.

Mit den gelben Fahrrädern vom chinesischen Unternehmen Ofo und Obike aus Singapur ist das Bike Sharing, also stationsungebundene Leihsysteme, seit Sommer auch in Wien präsent.

„Es wird schon intern daran gearbeitet, Regelungen zu finden - eine Art Regulierung für Anbieter -, damit es auch gewisse Verbindlichkeiten gibt, was die Servicequalität und die Abstellregeln betrifft“, sagte Wiens Radbeauftragter Martin Blum: „Es gibt Möglichkeiten, das rechtlich zu regeln. Jetzt werden Vorschläge erarbeitet.“

Chinesische Leihräder des Unternehmens OFO
ORF
Seit dem Sommer sind die gelben Räder in Wien zu finden

Noch kaum Erfahrung mit stationslosen Rädern

Wie diese Art von Verhaltenskodex genau ausschauen und bis wann er fertig sein wird, kann Blum freilich noch nicht sagen. Nur so viel: „Hier geht es um die Gesichtspunkte der Servicequalität - also das Sicherstellen, dass innerhalb einer gewissen Zeit Mängel behoben werden -, um Kostenübernahmen, wenn der Stadt Kosten durch bestimmte Maßnahmen entstehen, oder um Höchstzahlen von Rädern und die Verteilung im Stadtgebiet.“

Wie viele „Free Floating“-Räder die Stadt benötigt bzw. verträgt, sei nicht leicht zu beantworten, da es dazu auch noch keine genaue Forschung gebe. „Für gut funktionierende Leihradsysteme mit Stationen (wie die Wiener City Bikes, Anm.) gilt zum Beispiel, dass man zehn bis 30 Fahrräder pro 1.000 Einwohner braucht. Jetzt ist die Frage, ob man das auf stationslose Leihradsysteme umlegen kann, weil das ja auch eine neue Form des Verkehrsmittels ist“, erklärte Blum.

Blum: Situation hat sich verbessert

Hintergrund für die geplanten Spielregeln sind nicht zuletzt Beschwerden ob der Flut an gelben Räder vor allem im innerstädtischen Bereich - mehr dazu in Chinesische Leihräder werden oft falsch geparkt. Wobei der Fahrradzuständige hier inzwischen Besserungen sieht: „Es gab am Anfang Aufregung bezüglich des Abstellens von Rädern und einiger Vandalismusvorfälle. Wir haben dann Kontakt mit den Betreibern aufgenommen und die Vereinbarung getroffen: Wenn wir sie über Probleme informieren, sollen diese auch rasch behoben werden. Das funktioniert gut.“

Sollten Wiener auf überfüllte Radabstellanlagen stoßen, bitte man um entsprechende Infos an die Mobilitätsagentur. Er habe aber sowieso den Eindruck, dass die Räder inzwischen besser verteilt seien: „Es gibt zwar in Wien noch einzelne Gebiete, wo die Räder zu gehäuft auftreten, aber grundsätzlich ist es in den vergangenen Wochen besser geworden.“

Die Unternehmen müssten schließlich selbst erst lernen, da es in europäischen Städten unterschiedliche Regeln gebe. „In Zürich z. B. darf man Räder gar nicht in die Parkspur stellen. Wir sagen wiederum: Bitte stellt sie doch in die Parkspur“, so Blum. Probleme wie in anderen Metropolen, wo die Vehikel immer wieder in Flüssen oder Sträuchern landen, habe man hier derzeit nicht. „Ich kenne bisher nur einen Vorfall, wo vier Räder im Flussbett des Wienflusses gelandet sind.“

Leihräder im Wienfluss
archinoa.at
Räder werden nicht immer vorschriftsmäßig abgestellt

Sollen auch Außenbezirke erreichen

Einer der Anbieter, Ofo, stockt derzeit seine Flotte auf 700 Räder auf, die auch in Außenbezirken wie Floridsdorf verteilt werden sollen - mehr dazu in Zusätzliche Leihfahrräder für Wien. Über bisherige Nutzer- und Auslastungszahlen will man noch nicht sprechen. „Wir haben erst vor zwei Monaten begonnen und befinden uns noch in der Aufbauphase“, sagte Fred Dong, zuständiger Global Launcher für den CEE-Raum und damit auch für Österreich.

Bezüglich der Abstellproblematik betonte er, dass Ofo-Nutzer auf die Verpflichtung hingewiesen würden, ihr Bike nur dort abzustellen, wo es gesetzlich erlaubt sei. Bei Verstößen werde den Kunden die Nutzungsberechtigung entzogen. Außerdem sei man in laufendem Kontakt mit den Behörden und habe ein Support-Team, das falsch geparkte Räder dank Ortung finden und wieder richtig platzieren könne. Für Gespräche über die finanzielle Beteiligung an Radabstellanlagen sei man offen.

Auch Anbieter aus Kopenhagen

Abgesehen von Ofo und Obike sind seit einiger Zeit auch noch Donkey-Republic-Räder sehr präsent im Stadtbild - mehr dazu in Leihräder blockieren Fahrradständer. Das Unternehmen aus Kopenhagen, das jeweils mit einem lokalen Radverleih - im Wiener Fall mit Pedal Power - kooperiert, setzt allerdings nicht auf das Free-Floating-Prinzip. Zwar werden die Räder ebenfalls im öffentlichen Raum und damit auch an städtischen Radbügeln abgestellt, allerdings an fix definierten Standorten.

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