Wiener Moderne und Kroatien im Belvedere

Das Belvedere ergründet die Verbindungen der Wiener Moderne nach Kroatien. Rund 130 Arbeiten von 29 kroatischen und 15 österreichischen Künstlern zeugen vom künstlerischen Einfluss der Wiener Secession auf Kollegen im Süden.

„Ein Kapitel, das in der Kunstgeschichte zu wenig bekannt ist“, will Belvedere-Direktorin Stella Rollig mit der aktuellen Schau „Herausforderung Moderne. Wien und Zagreb um 1900“ in der Orangerie im Unteren Belvedere aufschlagen. Ursprünglich zu sehen war die Ausstellung in der nunmehr koproduzierenden Zagreber Galerija Klovicevi. Im Zuge des regen Leihverkehrs habe sich Rolling recht kurzfristig entschieden, die Ausstellung auch in Wien zu zeigen.

Viele kroatische Künstler in Wien

Wie stark der Dialog gegen Ende der Habsburger-Monarchie war, zeigt sich in der Ausstellung eindrücklich, wobei der Einfluss nicht wirklich wechselseitig war, wie Kuratorin Irena Krasevac bestätigt. Da es in Zagreb Ende des 19. Jahrhunderts keine Kunstakademie gab, machten sich zahlreiche kroatische Künstler in die Hauptstadt der Monarchie auf, wo die Wiener Secession „vielen den Weg wies“, wie es in den Unterlagen heißt. Erst danach wurde ein kroatisches Pendant - der „Kroatische Salon“ - in Zagreb gegründet.

Zentrale Figuren in Wien waren neben Gustav Klimt auch Koloman Moser, Carl Moll und Josef Hoffmann. „Nahezu alle kroatischen Maler, Bildhauer und Architekten der Epoche der Moderne wurden in Wien in der Kunstgewerbeschule und der Akademie der bildenden Künste ausgebildet“, weiß Krasevac. So nahm etwa Vlaho Bukovac an der ersten Ausstellung der Secession 1897 teil, Ivan Mestrovic war ordentliches Mitglied der Vereinigung bildender Künstler.

Secessionisten
Moritz Nähr, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
Gruppenfoto der Wiener Secessionisten, 1902

Ähnlichkeit zu Wiener Kollegen

Auch weitere kroatische Künstler wie Artur Oskar Alexander, Tomislav Krizman und Emanuel Vidovic stellten in Wien ihre Werke aus. Und diese zeigen ihre Ähnlichkeit zu jenen ihrer Wiener Kollegen deutlich: Besonders Bukovac-Werke wie das 1895 entstandene „Porträt Vilma Babic Gjalski“ lässt eindeutig Klimt-Werke wie dessen „Frauenbildnis“ (1893) erahnen, ebenso Robert Auers „Porträt der Frau des Künstlers mit Muff“ aus dem Jahr 1902.

Auer schuf auch zahlreiche Plakate, die in ihrer Ästhetik stark an jene der Wiener Secession erinnern. Während die grob thematisch gegliederte Schau auf den ersten Blick auf Gemeinsamkeiten Bezug nimmt, ist es aber oft auch der feine Unterschied, der die jeweils eigene Handschrift der kroatischen Künstler verdeutlicht.

Belvedere
© Privatsammlung, Zagreb
Oton Iveković, Landschaft, 1905

Skulpturen und Geschirr ausgestellt

Zwischen den zahlreichen Gemälden und Zeichnungen trifft der Besucher in der Mitte der Räume vor allem auf Skulpturen und Geschirr, Architektur hat mithilfe von historischen Fotografien in die Ausstellung Eingang gefunden. Hier treten vor allem die Otto-Wagner-Schüler Vjekoslav Bastl und Viktor Kovacic hervor.

Auch das weibliche Kunstschaffen findet mit sieben österreichischen und kroatischen Künstlerinnen Eingang in die Schau. Schließlich waren Frauen auch in Wien bis zum Studienjahr 1919/20 nicht zum Studium auf den Kunstakademien zugelassen. So blieb ihnen vor allem Privatunterricht, der jedoch ebenfalls oft in Wien stattfand. Zu sehen sind Gemälde und Zeichnungen etwa von Olga Wisinger-Florian und Leopoldine Auer Schmidt sowie kunstvolle Vasen von Antonija Krasnik.

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