Anti-Theaterpreise für große Institutionen

Ein Hoch auf die Belanglosigkeit: In Wien sind die unpolitischsten Theaterereignisse der letzten Saison gewürdigt worden. Auch große Theater räumten ab - in Kategorien wie „Dickste Staubschicht“ und „Größte Scheinheiligkeit“.

Am Samstagabend verlieh der Künstler Julius Deutschbauer im Werk X bereits zum sechsten Mal die Preise für die unpolitischsten Theaterereignisse Wiens. Als „Trophäe“ gab es eine geflochtene Dornenkrone aus Stacheldraht - und die Einladung, an einer Verkostung von Schafsaugen im Werk X teilzunehmen.

Anti-Preis
David Jagerhofer
ImPulsTanz-Chef Karl Regensburger und künstlerische Leiterin Christine Standfest mit Künstler Julius Deutschbauer

Nur wenige Nominierte erschienen

Allerdings waren von den Nominierten, aus denen eine Jury die Gewinner gekürt hatte, nur ImPulsTanz-Chef Karl Regensburger und Christine Standfest als künstlerische Leiterin des Tanzfestivals persönlich erschienen.

Schließlich konnte bei der „dicksten Staubschicht“ Ian Kaler mit seiner ImPulsTanz-Produktion „Livfe“ für das Überstrapazieren des Wortes „trans“ reüssieren. Bei den „Nachwuchsweltverbesserern“ setzte sich hingegen das neue Wiener-Festwochen-Team Tomas Zierhofer-Kin, Nadine Jessen und Johannes Maile mit seiner Programmierung im Standort Performeum durch.

Man fände es preiswürdig, „dass es diese großartigen avantgardegeeichten Weltverbesser*innen gibt, die nicht müde werden, sich selbst und die eigenen in die Jahre gekommenen Thesen zu zitieren“, so Jurymitglied Angela Heides in ihrer Laudatio.

„Längster Zeigefinger“ für Josefstadt

In der Sparte „Große Gönner“ ging die Würdigung an Tina Leisch und Bernhard Dechant, die Macher der Produktion „Traiskirchen. Das Musical“ in Kooperation mit dem Volkstheater und den Wiener Festwochen, während sich die Abteilung Marketing, Medien und Vertrieb des Theaters in der Josefstadt für das Saisonheft und die „elitären Instagram-Storys“ über den Triumph in der Kategorie „Längster Zeigefinger“ „freuen“ kann.

„Die größte Scheinheiligkeit“ wurde dem TAG und Esther Muschol für die Produktion „Weiße Neger sagt man nicht“ bescheinigt, denn „Weiße Neger sagt eh keiner“, so Laudatorin Clara Gallistl. Als „Held der Provinz“ darf sich Stephan Rabl für die „Selbstförderung“ des von ihm gegründeten Festivals Szene Bunte Wähne als Mitglied der Wiener Theaterjury fühlen.

Und schließlich ging der „Outstanding White Dude Award“ an Jan Küveler, Autor von „Theater hassen“, der den männlichen Heterosexismus für die herablassende Bewertung theatraler Vorgänge wieder in Mode bringe.

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