Wiener Linien erhöhen Fahrscheinpreise

Die Wiener Linien erhöhen mit 1. Jänner 2018 die Tarife. Ab Jänner werden die Fahrscheine im Schnitt um 3,7 Prozent teurer. Die Jahreskarte wird weiterhin 365 Euro kosten, allerdings nur für die Einmalzahler.

Der Einzelfahrschein wird künftig 2,40 statt 2,20 Euro kosten. Das 24-Stunden-Ticket wird um 40 Cent auf acht Euro angehoben. Eine Wochenkarte schlägt ab kommendem Jahr mit 17,10 Euro (bisher 16,20) zu Buche, die Monatskarte mit 51 Euro (bisher 48,20). Alte Fahrkarten bleiben bis Ende Juni 2018 gültig, danach können sie gegen Aufzahlung des Differenzbetrags umgetauscht werden.

Die 2012 eingeführte Jahreskarte um 365 Euro wird nicht angetastet. Das sei von der rot-grünen Stadtregierung so gewünscht, um ein attraktives Alternativangebot zum Auto anbieten zu können, meinte Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien. Tatsächlich hat sich die Zahl der Jahreskartenbesitzer seit der Verbilligung mehr als verdoppelt. 2011 - also im Jahr vor der Einführung des vergünstigten Stammkundentarifs - waren es noch 363.000 Inhaber, aktuell sind es rund 760.000.

Öffi-Tickets werden teurer

Die Wiener Linien erhöhen im kommenden Jahr ihre Ticketpreise. Im Durchschnitt steigen die Tarife um knapp vier Prozent.

Erhöhungen für Senioren

Derzeit ist nur ein gutes Viertel (28 Prozent oder 214.800 Inhaber) der Jahreskartenbesitzer Einmalzahler. Für die restlichen 72 Prozent wird es sehr wohl teurer. Denn wer etwa das Dauerticket in monatlichen Beträgen bezahlt - hier haben die Wiener Linien bisher zehn Euro Mehraufwand zu den 365 Euro verrechnet -, muss künftig 31 Euro aufzahlen. Die Jahreskarte kommt somit unterm Strich auf 396 Euro.

Teurer wird es auch für die Senioren unter den Jahreskartenbesitzern - und zwar um elf Euro. 235 Euro kostet die ermäßigte Variante ab Jänner, monatliche Abbucher zahlen statt 229 Euro künftig 246 Euro. Man habe den Pensionistentarif seit 2007 nicht angegriffen, rechtfertigte die Geschäftsführerin den Schritt. Seither seien die Pensionen um 22 Prozent gestiegen.

Grafik zu Tarifen öffentlicher Verkehrsmittel in Wien
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Wiener Linien

Nicht betroffen von Anhebungen sind - abgesehen von der 365-Euro-Jahreskarte - das Jugendticket (19,60 Euro), das Top-Jugendticket (60 Euro) und die Semesterkarte für Studierende, allerdings nur beim Onlinekauf. Am Schalter muss man dafür demnächst etwas mehr zahlen. Etwas erhöht wird im Übrigen auch die Strafe fürs Schwarzfahren - von 103 auf 105 Euro.

Wiener Linien wollen Effizienz steigern

Reinagl begründete die Tariferhöhung mit gestiegenen Ausgaben der Wiener Linien - etwa wegen des gewachsenen Netzes und des Anstiegs bei Energie- und Personalkosten: „Wir erhöhen die Preise ja nicht beliebig“, verwies sie auf entsprechende Indizes. Durch die teureren Tickets erwarten sich die Wiener Linien ein Einnahmenplus von etwa 3,7 Prozent, das Mehr an Kosten liege allerdings bei 5,8 Prozent.

Die Differenz will man durch die Fortführung des internen „Effizienzprogramms“ wettmachen. Neben „schlankerer Verwaltung“ und neuen Wartungsverträgen bei Fahrzeugausschreibungen steht laut Geschäftsführerin beispielsweise auch eine mittelfristige Ausdünnung der Vorverkaufsstellen von derzeit gut 20 auf zehn bis 15 im Raum.

Ticketverkauf in Bussen wird eingestellt

Abgeschafft wird mit Jahresbeginn der Ticketverkauf in Bussen. Denn nur 0,06 Prozent der Fahrgäste hätten ihren Fahrschein beim Fahrer gelöst, diese Vertriebsvariante habe aber hohe Kosten und teilweise Verzögerungen gesorgt. Man folge damit einer Empfehlung des Rechnungshofes.

Eingestellt werden auch selten genutzte Tickettarife wie die Vier-Streifen-Karte und das 90-Minuten-Ticket. Neu hinzu kommt hingegen ein Zwei-Fahrten-Schein, der mit 4,80 Euro zum Preis von zwei Einzelfahrscheinen zu haben ist. Das ermäßigte Senioren-Einzelticket (1,50 Euro) ist ebenfalls neu im Sortiment.

Betriebskostenzuschuss der Stadt sinkt

Die Eigenerlöse der Wiener Linien beliefen sich zuletzt auf rund 500 Mio. Euro. Den größeren Brocken des Gesamtbudgets machen somit Zuschüsse von Stadt und Bund aus. Sie werden für das laufende Jahr mit 723 Mio. Euro beziffert, wobei hier auch Netzerweiterungen wie etwa der Bau des Linienkreuzes U2/U5 inkludiert sind. Der reine Betriebskostenzuschuss, den das Rathaus heuer lockermacht, beträgt 331 Mio. Euro. Für 2018 wird er laut Reinagl leicht sinken. Sie rechnet mit 324 Mio. Euro.

Von der Stadt Wien soll nicht mehr Geld gefordert werden, so Reinagl gegenüber „Wien heute“: „Es gibt ausverhandelte Werte mit der Stadt Wien und das Ziel ist es, diese Werte einzuhalten.“ Die bisher letzte Preiserhöhung bei den Wiener Linien gab es vor vier Jahren. Betroffen waren damals unter anderem Einzelfahrscheine sowie die Wochen- und Monatskarten - mehr dazu in Neue Tarife der Wiener Linien in Kraft.

FPÖ: „Öffi“-Benutzer bezahlen teuer

Scharfe Kritik an den Preiserhöhungen kommt von der Wiener FPÖ. Verkehrssprecher Toni Mahdalik (FPÖ) meinte in einer Aussendung, dass die „Öffi“-Benutzer in Wien „für das rot-grüne Mindestsicherungsdebakel mit einem Mehrbedarf von 30,5 Mio. und Gesamtkosten von horrenden 693 Mio. Euro im Jahr 2017 teuer bezahlen“.

Mit den Erhöhungen würden „klaffende Budgetlöcher der roten Schulden-Queen Brauner“ gestopft, „bluten müssen dafür unter anderem jene älteren Kunden der Wiener Linien, die unser Land wieder aufgebaut haben“, so Mahdalik.

Protest gegen Erhöhung für Pensionisten

Manfred Juraczka, Klubobmann der Wiener ÖVP, sieht die rot-grüne Verkehrspolitik „ad absurdum geführt“, es fehle „jede innere Logik“. „Es ist auch eine rot-grüne Chuzpe, die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt mit der sogenannten U-Bahn-Steuer für jeden Dienstnehmer zu belasten und gleichzeitig den Wienerinnen und Wienern weitere Tariferhöhungen aufzubürden“, so Juraczka.

Ingrid Korosec, Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes, zeigte sich über die Erhöhung verärgert. „Bei dieser Preiserhöhung schneiden die Seniorinnen und Senioren von allen Bevölkerungsgruppen am schlechtesten ab“, so Korosec, "das ist nicht akzeptabel. Die Wiener Linien greifen in die Geldbörsel der älteren Menschen.“

„Die Erhöhung gerade bei den Pensionistinnen und Pensionisten und bei den Einzelfahrscheinen ist sehr hoch. Dass das Jahresticket ausgerechnet für jene Menschen teurer wird, die sich die 365 Euro nicht auf einmal, sondern als Monatszahlungen leisten können, ist ebenfalls wenig sozial treffsicher“, sagte auch NEOS-Verkehrssprecherin Bettina Emmerling.

SPÖ: Geld verantwortungsvoll eingesetzt

Erich Valentin (SPÖ), Vorsitzender im Ausschuss für Umwelt und Wiener Stadtwerke, verwies dagegen auf die höheren Tarife für Jahreskarten in anderen europäischen Großstädten. Tickets für Jugendliche und Lehrlinge sowie Studierende seien von der Preiserhöhung nicht betroffen, das Geld „wird im Sinne aller Öffi-FahrerInnen verantwortungsvoll eingesetzt“, so Valentin.

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