Design aus Wien im Ex-Griensteidl

Seit Ende August firmiert das frühere Cafe Griensteidl unter dem Namen „Rien“ und läuft mit improvisiertem Charme als Mischung aus Kaffeehaus, Restaurant und Kulturstätte. Im Karl-Kraus-Saal eröffnet nun ein Geschäft für Wiener Design.

Knapp 50 Designer bzw. Labels präsentieren im 90-Quadratmeter-Raum, der im alten Griensteidl oft für Pressekonferenzen genutzt wurde, ihre Produkte. Projektleiterin Elli Schindler von „apart“ spricht von einem „repräsentativen Querschnitt der Wiener Designszene“, die man hier auszustellen versuche. Die Palette reicht von Kleidung und Taschen über Brillen, Gläser und Vasen bis hin zu Pflege- und Kosmetikprodukten, Kerzen oder Feinkost wie Konfitüre oder Rosensirup.

Rienna Shop
APA/friendship.is/Ian Ehm
Keine Souvenirs sollen angeboten werden

Angebot: „No souvenirs“

Um der Sache einen sozialen Mehrwert zu verleihen, ist auch die Caritas mit Upcycling-Möbeln aus dem magdas-Hotel und der Aktion „Schenken mit Sinn“ vertreten. Die eingeladenen Designer brauchen übrigens keinerlei Miete zu bezahlen, erklärte Matthias Felsner von der Konzeptagentur Friendship, die das Format für das „Rien“ samt angrenzendem Designshop erarbeitet hat: „Das Ganze funktioniert auf Kommissionsbasis.“ Sprich: Die Entwickler sind am Verkaufsumsatz beteiligt.

Als Kundschaft will man Einheimische genauso ansprechen wie Touristen - wobei man mit auf hip gebürsteten Mitbringseln - also originellen Tassen, Postkarten oder T-Shirts mit Wien-Aufdruck - nichts am Hut hat. Oder wie Felsner sagt: „No souvenirs.“ Vielmehr wolle man am nostalgisch aufgeladenen Michaelerplatz ein zeitgenössisches Statement setzen.

Kollektion ändert sich

Schindler, vormals für die Vienna Design Week tätig, nennt das Preisniveau des Sortiments „durchwachsen“: „Es ist definitiv für jede Geldbörse was dabei.“ Als Mini-Variante der Vienna Design Week will sie den Concept-Store keinesfalls verstanden wissen. Denn dort liege der Fokus eher auf Autoren- und Produktdesign, hier versuche man die gesamte Bandbreite möglichst ausgewogen vorzustellen.

Und die angebotenen Kollektionen könnten sich im Lauf der Wochen durchaus ändern. „Wenn wir von einem Designer wirklich gar kein Stück verkaufen, dann wird man vielleicht schon in aller Freundschaft sagen, dass das eventuell doch nicht ganz der richtige Ort für Dich ist“, meint Schindler.

Fortsetzung nach Ende Jänner offen

Der Shop ist freilich - wie das benachbarte „Rien“ auch - ein temporäres Projekt. Beide Bespielungen laufen vorerst bis Ende Jänner. Der Grund für das Aus des ursprünglichen Griensteidl waren Unstimmigkeiten zwischen dem Pächter Do&Co und dem Hauseigentümer, dem Holzindustriellen Gerald Schweighofer, gewesen. Letzterer beauftragte daraufhin die Agentur Friendship, ein Konzept für eine Zwischennutzung auszutüfteln, mit dem Ziel auszuprobieren, was am Standort funktioniert und was nicht - mehr dazu in Traditionscafe Griensteidl sperrt zu und in Griensteidl neu: „Rien“ mit Wal und Gorilla.

Mit der entstaubten Cafe-Variante samt Restaurant- und Barbetrieb, Wochenendbrunch und Kulturevents ist man bei Friendship jedenfalls sehr zufrieden. „Wir sind immer voll“, versichert Felsner. Das Kaffeehausformat habe sofort funktioniert, das Abendgeschäft habe man sich erst aufbauen müssen, räumt er ein: „Das hat ja vorher nicht existiert.“ Wie es nach Ende Jänner weitergeht oder ob gar eine Verlängerung des jetzigen Konzepts möglich ist, stehe noch nicht fest. Da sei man noch in Gesprächen mit Schweighofer.

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