Sozialmärkte: Mehr Pensionisten

Sozialmärkte verzeichnen immer mehr Mindestpensionisten als Kunden, Grund sind auch die steigenden Lebenshaltungskosten. Den älteren Menschen soll mit Aktionen die Hemmung vor Sozialmärkten genommen werden.

„Als wir vor vielen Jahren aufgesperrt haben, waren es gerade die Pensionisten, die eine Scheu vor dem Sozialmarkt gehabt haben. Weil sie gesagt haben: Wir haben unser ganzes Leben gearbeitet und jetzt müssen wir in den Sozialmarkt einkaufen gehen“, meinte Alexander Schiel vom Verein Sozialmarkt Wien gegenüber Radio Wien.

Ähnliche Erfahrungen gibt es beim Samariterbund, der in Wien drei Sozialmärkte betreibt. „Viele genieren sich einfach, dass sie in einen Sozialmarkt einkaufen gehen und wollen etwa nicht von Nachbarn gesehen werden. Deswegen versuchen wir, einen Wohlfühlfaktor in unsere Sozialmärkte zu bringen und den Pensionisten zu vermitteln, dass es nichts Schlechtes ist, in Sozialmärkten einzukaufen“, so Georg Jelenko, Leiter der Samariterbund-Sozialmärkte.

Pensionistin bei Einkauf in Sozialmarkt
ORF
Rund 200.000 Menschen sind laut Schätzungen zum Einkauf in Sozialmärkten berechtigt

Hohe Kosten für Lebenshaltung

In den Sozialmärkten darf man einkaufen, wenn man mit einem Einkommen unter 1.100 Euro auskommen muss. Schätzungen zufolge gibt es in Wien rund 200.000 Menschen, die berechtigt wären. Immer mehr Bezieher von Mindestpensionen kommen in die Sozialmärkte, bestätigt Alexander Schiel, der mit dem Verein Sozialmarkt Wien drei Sozialmärkte betreibt: „Das liegt auch daran, dass die Lebenshaltungskosten sehr gestiegen sind und die Hemmschwellen für Pensionisten geringer geworden sind.“

Der Verein Sozialmarkt Wien hat rund 40.000 Mitglieder. Ein Viertel der Kunden sind Mindestpensionisten, die Zahl ist laut Schiel steigend. Auch deswegen, weil die Pensionisten untereinander über die Sozialmärkte reden und dann neue Kunden bringen, so Schiel.

Die Zahl der Kunden bleibt insgesamt relativ konstant, pro Monat kommen bis zu hundert dazu, so Schiel. Von den jüngeren Kunden fallen stets einige weg, die wieder Jobs finden. „Das freut uns dann auch. Die Kundenzahl bleibt etwa gleich, wir könnten auch von der Menge nicht mehr schaffen, von den Waren, von den Märkten. Wir können den Kunden aber eine große Vielfalt anbieten, so passt es perfekt“, meinte Schiel.

Pensionisten im Sozialmarkt

Wiens Sozialmärkte erleben einen deutlichen Anstieg bei älteren Kunden - und versuchen mit sozialen Aktionen Hemmschwellen zu bekämpfen.

Samariterbund spricht Pensionisten aktiv an

Beim Samariterbund werden Pensionisten laut Georg Jelenko auch aktiv angesprochen: „Sie bekommen bei uns Kaffee, können mit den Mitarbeitern tratschen, die Sorgen ein wenig loswerden. Der Sozialmarkt soll nicht nur zum Einkaufen genutzt werden, sondern auch als Ort der Kommunikation, vor allem für Pensionisten.“

Mehr Pensionisten auch in Hilfswerk-Märkten

Auch in den Sozialmärkten des Wiener Hilfswerks ist im Vorjahr ein Anstieg der Pensionisten verzeichnet worden, und zwar von rund 16 Prozent bei den Neukunden. Insgesamt sind bei den Hilfswerk-Märkte etwa 6.700 Personen einkaufberechtigt, davon sind etwa zwölf Prozent Pensionisten.

Auch beim Hilfswerk wird davon ausgegangen, dass die Kunden die Angebote der Sozialmärkte vermehrt in Anspruch nehmen müssen, weil die Lebensmittelpreise im regulären Handel teilweise stark angestiegen sind. Die Einkaufsgrenze beträgt laut Hilfswerk im Jahr 2018 1.185 Euro pro Einzelperson, das entspricht der Schwelle der Armutsgefährdung gemäß Statistik Austria (2017).

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