Viel Feinstaub in Nichtraucherzonen

Tabakgesetz und Nichtraucherschutz liefern gerade viel Gesprächsstoff. Laut einer neuen Studie gibt es selbst in Nichtraucherzonen hohe Feinstaubbelastungen. Zudem wird eine private Petition für Raucherzonen vermisst.

Dass Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko ist, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor etlichen Jahren belegt. Dass deutlich erhöhte Konzentrationen an Feinstaub aber nicht nur in Raucher-, sondern auch in Nichtraucherbereichen messbar sind, zeigt eine aktuelle Erhebung in Raucher- und Nichtraucherbereichen von Wiener Lokalen.

28 Wiener Lokale und viel Ignoranz

Im Auftrag von Ärzten untersuchte die IBO Innenraumanalytik 28 Wiener Lokale mit Raucher- und Nichtraucherbereichen. Das Ergebnis zeigt laut Peter Tappler, einem Sachverständigen bei der Innenraumanalytik, dass das Tabakgesetz großflächig ignoriert wird: „In zwei Drittel aller Lokale haben wir offene Türen oder gar keine Türen. Es ist in einigen Lokalen auch in Nichtraucherzonen geraucht worden.“

Zigarette und voller Aschenbecher
APA/Herbert P. Oczeret
Schadstoffe kennen weder Raucher noch Nichtraucher

Auch könne man im Moment nicht sicher sein, in Nichtraucherbereichen von Mischlokalen auch wirklich rauchfrei zu bleiben. „In fast allen Lokalen, in denen es Nichtraucherzonen gibt, haben wir in hohen Konzentrationen Rauchinhaltsstoffe gefunden, also vor allem Feinstaub. Man kann annehmen, dass auch alle anderen giftigen Stoffe dort gefunden werden“, so Tappler.

Viel Feinstaub in Nichtraucherzonen

Tabakgesetz und Nichtraucherschutz liefern viel Gesprächsstoff. Laut einer Studie gibt es selbst in Nichtraucherzonen hohe Feinstaubbelastungen.

Stark erhöhte Feinstaubkonzentration

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Trennung zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich im Lokal. Die korrekte Trennung habe nur in einem einzigen Lokal funktioniert. Tappler: „Die haben einen starken Unterdruck im Raucherbereich gehabt und in dem Fall eine ganz lustige Lösung, einen Gummizug bei der Tür, der automatisch die Tür geschlossen hat.“

In allen anderen Gaststätten wurden stark erhöhte Konzentrationen an Feinstaub gemessen. Die Experten waren nach eigenen Angaben selbst erstaunt, in Nichtraucherbereichen durchschnittlich „etwa das Drei- bis Vierfache der Außenluftkonzentration an dicht befahrenen Straßen“ zu messen. Dort gebe es giftige Substanzen, die durchaus vergleichbar seien, etwa Dieselabgase und Rußpartikel.

Rauchfreie Gastronomie gefordert

Professor Hans-Peter Hutter von der Organisation Ärtze und Ärztinnen für eine gesunde Umwelt ist besorgt. Feinste Nanopartikel sind besonders gefährlich, weil sie tief in die Lunge eindringen können. Wer stundenlang in einem verrauchten Lokal sitzt, erfahre in etwa die gleiche Belastung wie ein Arbeiter.

Heinz Pollischansky
ORF
Heinz Pollischansky

Hutter: „Da ist es klar, wenn sie stundenlang darin sitzen, dass das langfristige Gesundheitsrisiko, was Herz-Kreislauf-Probleme anbelangt mit Schlaganfall, Herzinfarkt und Krebsrisiko, deutlich erhöht ist im Gegensatz dazu, wenn Sie es nicht besuchen - deutlich erhöht.“ Die Studienbetreiber fordern daher das Umsetzen einer rauchfreien Gastronomie.

Raucherzonen-Petition verschollen

Die Umsetzung von Raucherzonen war hingegen das Ziel einer Unterschriftenaktion des Wiener Gastwirts Heinz Pollischansky vor rund drei Jahren. Die private Initiative soll laut dem Organisator von bis zu 500.000 Personen unterstützt worden sein, was auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) zuletzt wiederholt sagte. Der Verbleib der Eintragungslisten wirft jedoch Rätsel auf.

Laut der Tageszeitung „Der Standard“ nahm der ehemalige Wiener ÖVP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch die Unterschriften in Empfang, weil die Bundesregierung das verweigerte. Er räumte die Pakete in den Keller der ÖVP-Zentrale. Dort hat die Partei inzwischen aber nachgeschaut. Ergebnis: „Wir haben sie nicht.“ Allerdings ist die Wiener ÖVP inzwischen umgezogen. Nachgezählt wurden die Unterschriften jedenfalls nicht, wie Hoch - der seit 2015 auch nicht mehr Landesgeschäftsführer ist - berichtete. „Wir haben bei 480.000 aufgehört zu zählen, da waren noch Zettel übrig“, so Pollischansky nun.

Pollischansky hatte im Dezember des Vorjahres auch eine Onlinepetition für die Beibehaltung eines „Miteinanders von Nichtrauchern und Rauchern“ in der Gastronomie gestartet. Weil von einem Computer mehrere Unterschriften möglich gewesen seien, habe er diese jedoch bei 16.523 Unterstützern gestoppt. Die Krebshilfe-Initiative „Don’t Smoke, das Nichtrauchergesetz muss bleiben“ auf derselben Plattform openPetition hatte von Mitte Dezember bis Mitte Februar mehr als 468.000 Unterzeichner erreicht.

Tabakgesetz im Nationalrat

Diese Petition wurde am Dienstag im Petitionsausschuss des Nationalrats behandelt. Sollte die Regierung wie beabsichtigt das Aus für das Rauchverbot beschließen, werde die SPÖ einen Antrag auf Volksabstimmung des Gesetzes einbringen, kündigte SPÖ-Petitionensprecher Wolfgang Knes in einer Aussendung an. Er übte massive Kritik an den Plänen, das Rauchverbot in einem parlamentarischen Schnellverfahren wieder zu kippen. Das sei „gesundheitspolitischer Irrsinn“.

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