Uni Wien: „Studiengebühren nicht Hauptproblem“

Studiengebühren sind für Uni Wien-Rektor Heinzl Engl im Moment „nicht unser Hauptproblem“. Nächste Woche beginnen die Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen (LV) mit dem Wissenschaftsministerium. „Starken Nachholbedarf“ gibt es laut Engl im Gebäudebereich.

Gerade vor dem Hintergrund der Berichte - zuletzt der EU-Kommission und des Schweizer Managementinstituts IMD - zur gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs seien Investitionen in die Forschung, vor allem in die Naturwissenschaft und Technik, besonders wichtig, so Engl. „Die Uni Wien ist ein großer Naturwissenschafts-Standort, der in den vergangenen Jahren exzellente Berufungen gemacht hat.“ Um diesen Weg weitergehen zu können, sei aber in den kommenden drei Jahren ein ausreichendes Budget nötig.

„Geräteinvestitionen in Chemie und Physik wichtig“

„Um künftig nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, wären besonders Ausschreibungen des Ministeriums zu Geräteinvestitionen etwa in der Chemie und Physik wichtig“, so Engl. Zwar werde dieses Thema auch in den LV-Gesprächen thematisiert. Für Großgeräte etwa in der Molekularbiologie brauche man aber immer wieder Extraausschreibungen aus Offensivmitteln, die durchaus nach kompetitiven Kriterien und internationaler Begutachtung vergeben werden sollten.

Der Rektor der Universität Wien Heinz Engl
APA/Robert Jäger
Rektor Engl macht sich in Sachen Geld „keine Illusion“

Einen weiteren Schwerpunkt will Engl auf die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse in den überlaufenen Studienrichtungen legen. Dafür benötige man „mehr Budget bzw. eine vernünftige Kapazitätsregelung“. „Ich mache mir nicht die Illusion, dass es beliebig viel Geld geben wird“, meinte Engl. Deshalb sei eine vernünftige Kombination der beiden Maßnahmen sinnvoll.

Neuer Biologie-Standort im Gespräch

„Starken Nachholbedarf hat die Universität Wien im Gebäudebereich“, so Engl. Der derzeitige Biologie-Standort in der Althanstraße in Wien-Alsergrund erfordere allein aus Arbeitnehmerschutz-Gründen hohe Investitionen. Man diskutiere mit dem Ministerium aber auch über Pläne für einen neuen Standort.

Für heuer konnte die Uni Wien die Budgetfrage mit dem Ministerium klären. „Wir haben uns mit dem Ministerium geeinigt“, so Engl. Im Gefolge des Urteils einer Schiedskommission, das der WU nachträglich Mittel zuerkannt hatte, verlangte auch die Uni Wien einen Budgetzuschlag für die vom Verfassungsgerichtshof aufgehobene Regelung für die Studienbeiträge in Höhe von sieben Mio. Euro. Man habe nun nicht alles bekommen - wichtiger sei aber ohnehin das Budget für 2013 bis 2015.

Studiengebühren sind für Engl im Moment „nicht unser Hauptproblem“. „Angestrebt wird aber die rasche Klärung der Rechtsfrage“: Viel entscheidender seien die Finanzierung über die Leistungsvereinbarungen und Zugangsregeln.

„Associate Professors“ sollen mehr werden

Zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses „massiv ausbauen“ will der Rektor die Stellen für die durch den neuen Kollektivvertrag eingeführten „Associate Professors“. Engl ist der Ansicht, dass „ein Wissenschafter sich einmal im Leben in Konkurrenz mit anderen beworben haben muss“.

An der Uni Wien erfolgt diese kompetitive Bewerbung bereits wenige Jahre nach dem Doktorat. Mit dem erfolgreichen Bewerber wird dann eine Qualifizierungsvereinbarung geschlossen, deren Umsetzung nach vier Jahren von internationalen Gutachtern überprüft wird. Bei einem positiven Gutachten erhält der Nachwuchswissenschafter dann eine Dauerstelle als „Associate Professor“.

Im Moment gibt es rund 60 solcher Stellen an der Uni Wien. Mittlerweile habe man ein Tenure-Track-Sytem etabliert, bei dem früh klar sei, ob man bleiben könne oder nicht. Die Entscheidung, ob jemand Wissenschafter bleiben könne, falle an der Uni damit früher als bisher, betonte Engl.

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