Peter Handkes E-Gitarre im Theatermuseum

Originalmanuskripte, frühe Kostümentwürfe, Videoaufnahmen der Uraufführungen oder Persönliches wie eine E-Gitarre: Damit will das Österreichische Theatermuseum derzeit erstmals die Arbeit von Peter Handke als Theaterautor beleuchten.

„Zum ersten Mal beschäftigt sich eine Ausstellung mit Peter Handkes Theaterstücken. Originalmanuskripte wurden in diesem Umfang vorher noch nicht gezeigt“, sagte die Literaturwissenschaftlerin und Handke-Expertin Katharina Pektor gegenüber wien.ORF.at.

Zusammen mit dem Literaturwissenschaftler- und kritiker Klaus Kastberger kuratierte sie die Ausstellung „Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater“, die ab 31. Jänner im Österreichischen Theatermuseum zu sehen ist und sich intensiv mit Handkes Bühnenstücken auseinandersetzt.

Peter Handke, Automatenfoto, 60er Jahre
Literaturarchiv der ÖNB, Leihgabe Widrich
Der junge Peter Handke auf einem Automatenfoto aus den 1960er-Jahren

Neben Handkes 70. Geburtstag im Dezember war auch ein ganz pragmatischer Grund Anlass für die Ausstellung: „Es geht uns darum, seine späten Stücke wie ‚Immer noch Sturm‘ zugänglicher und verständlicher zu machen. Die Öffentlichkeit hatte mit manchen Stücken Schwierigkeiten“, so Pektor.

Notizen und Fotos dokumentieren Entstehung

„Von Notizen, ersten Textfassungen, Bühnenbüchern und Fotos, Kostümentwürfen bis hin zu Video- und Interviewausschnitten von Uraufführungen zeigen wir den gesamten Entstehungsprozess seiner Bühnenwerke“, sagte Pektor.

Ausstellungshinweis:

„Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater“, Österreichisches Theatermuseum, 31. Jänner bis 8. Juli 2013, täglich außer Dienstag, 10.00 bis 18.00 Uhr

Aus den 20 Theaterstücken, die Peter Handke zwischen 1966 und 2012 verfasst hat, wählten die Kuratoren acht aus, „an denen sich seine Entwicklung als Theaterautor prägnant darstellen lässt“, so die Kuratorin.

Oft gestaltete sich die Suche nach passenden Exponaten mühsam: „Besonders schwierig war es, die frühen Kostümentwürfe aus den 1960er-Jahren aufzutreiben. Viele der kleinen Theater, wo Handkes Stücke aufgeführt wurden, existieren heute nicht mehr“, erzählte Katharina Pektor.

"Die Fahrt mit dem Einbaum"
Bühnenbildzeichnung für die Uraufführung am Burgtheater 1999
Burgtheater Wien
Bühnenbildzeichnung für die Uraufführung von „Die Fahrt im Einbaum“ (1999)

Suche in Theaterarchiven

Der Großteil der ausgestellten Exponate stammt aus den Beständen des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, der Sammlung von Johann Widrich und dem deutschen Literaturarchiv in Marbach. „Wir haben aber auch viel in den Archiven von Theatern wie dem Berliner Ensemble oder dem Burgtheater in Wien gesucht“, so Pektor.

Zahlreiche private Leihgaben von langjährigen Weggefährten Handkes ergänzen die Ausstellung um eine persönliche Note: „Claus Peymann hat uns Briefe zur Verfügung gestellt, die er von Peter Handke bekommen hat“, sagte Kastberger.

Entwürfe für Thomas Holtzmann als „Der Einheimische“
Österreichisches Theatermuseum, Karl-Ernst Herrmann
Entwürfe für Thomas Holtzmann als „Der Einheimische“ in „Das Spiel vom Fragen“

Gliederung in Früh- und Spätwerk

Jeweils vier Theaterstücke repräsentieren Handkes „frühes“ und „spätes“ Schaffen. Seine legendäre „Publikumsbeschimpfung“ (1966), „Kaspar“ (1967), „Das Mündel will Vormund sein“ (1969) und „Der Ritt über den Bodensee“ (1971) stehen exemplarisch für Handkes frühe Phase. „Mit der ‚Publikumsbeschimpfung‘ gelang Handke im deutschsprachigen Raum der Durchbruch. Er war bis in die 1970er Jahre einer der meistgespielten Autoren“, sagte Klaus Kastberger.

„Über die Dörfer“ (1981), „Das Spiel vom Fragen“ (1989), „Die Fahrt im Einbaum“ (1999) und „Immer noch Sturm“ (2011) repräsentieren das Spätwerk des Theaterautors. Darunter auch ein vier Meter langer Einbaum, den ein Freund von ihm in Jugoslawien fertige und im Stück „Die Fahrt im Einbaum“ auf der Bühne zu sehen war.

„Die frühen Stücke sind formalistisch, sie drehen sich um Sprache, Gesten und Posen. Peter Handke bezieht sich nicht direkt auf die Welt“, so Katharina Pektor. "Seine späten Stücke hingegen sind Beispiele eines erzählenden, epischen Theaters. Große Stoffe wie Erbschaftskonflikte („Über die Dörfer“) oder etwa Kriegsgräuel („Die Fahrt im Einbaum") bestimmen diese Werke. Außerdem finden sich autobiographische Züge“.

Peter Handkes E-Gitarre in der Ausstellung im Theatermuseum
Österreichisches Theatermuseum
Peter Handkes E-Gitarre neben Fotos und Notizen

Sammlerstücke aus Handkes „Popstar“-Vergangenheit

„Seine E-Gitarre, Schallplatten, der er mit sich rumtrug und Fotos, auf denen er unter Fans ist, belegen im Frühwerk seinen Status als Popstar der Literatur“, sagte Klaus Kastberger. „Wir haben sehr viel audiovisuelles Material gesammelt, darunter Polaroids, Automatenfotos und eine Tonspur vom Auftritt in Princeton 1966“.

Bewegte Bilder von der Umsetzung auf der Bühne oder Interviews mit Regisseuren dokumentieren Handkes Arbeit auf der Bühne. „Viel Videomaterial stammt vom ORF oder vom Hessischen Rundfunk, der in Oberhausen und Frankfurt die Uraufführungen mitfilmte“, sagte Kastberger.

Peter Handke während der Jugoslawien-Reise 1999
Literaturarchiv der ÖNB, Leihgabe Widrich/Zlatko Bocokic, Thomas Deichmann
Peter Handke während seiner Jugoslawien-Reise 1999

Kuratoren an Online-Datenbank beteiligt

Beide Kuratoren waren an einem dreijährigen Forschungsprojekt des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek involviert - mehr dazu in Peter Handke ist online: Datenbank eingerichtet. Mehrere Aufzeichnungen wie etwa Manuskripte und Typoskripte - auf Schreibmaschinen erstellte Texte - , die online in der Datenbank einsehbar sind, werden auch in der Ausstellung präsentiert.

Michael Ortner, wien.ORF.at

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